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Aktienmarkt:Junge Anleger erobern die Börse

So viele Menschen wie seit 20 Jahren nicht mehr haben im vergangenen Jahr in Aktien investiert - am stärksten ist der Zuwachs bei jungen Investoren.

Von Clara Thier, München

Das Deutsche Aktieninstitut spricht von einer "neuen Liebesgeschichte" zwischen den Deutschen und ihren Aktien und von einem "Jugendboom an der Börse": 2020 sind 2,7 Millionen Bürger in Deutschland zu Aktienanlegern geworden. Das teilte das Deutsche Aktieninstitut (DAI) mit. Insgesamt sind nun hierzulande 12,4 Millionen Menschen im Besitz von Aktien, Aktienfonds oder Exchanged Traded Funds (ETFs) - aufgerechnet ist das jeder Sechste in Deutschland.

Am stärksten gestiegen sind die Zahlen bei den unter 30-Jährigen: Hier lag der Zuwachs bei fast 70 Prozent. Laut DAI werden Trading-Apps bei den jüngeren Anlegern immer beliebter, diese ermöglichen den Aktienkauf innerhalb weniger Sekunden auf dem Smartphone. "Die Aktienanlage hat über das Smartphone die Hosentasche erreicht", sagt Geschäftsführerin Christine Bortenlänger.

Hinzu kommen nach Angaben des Aktieninstituts die Einschränkungen durch die Pandemie, die auch in allen anderen Altersgruppen mehr Menschen an die Börse getrieben haben: Viele konnten weniger konsumieren und dadurch mehr sparen. Außerdem standen die Aktienkurse im März und April so niedrig, dass manche den günstigen Einstieg nutzten. Auch blieb mehr Zeit, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Sowohl die Anzahl der Aktionäre (5,3 Millionen), die direkt in Aktien investieren, als auch die Zahl der Anleger in Fonds und ETFs (9,3 Millionen), ist 2020 deutlich gestiegen. Denn wer Aktien langfristig anlegt und breit streut, hat ein geringeres Risiko beim Investieren und langfristig gute Aussichten auf positive Renditen. Aber es profitieren nicht alle in der Bevölkerung gleichmäßig von den Gewinnen auf dem Aktienmarkt: Die Statistiken des DAI zeigen ein deutliches Ost-West-Gefälle auf. Während in Baden-Württemberg 23,2 Prozent der Bevölkerung mit Aktien oder Fonds spart, sind in Brandenburg gerade einmal 8,2 Prozent Aktiensparer. Ein historischer Grund dafür ist, dass es in der früheren DDR keine Aktiengesellschaften gab.

Auch im Investitionsverhalten von Männern und Frauen gibt es große Unterschiede. Der Zuwachs an Anlegern ist dreimal größer als der an Anlegerinnen. Fast alle weiblichen Börsenneulinge setzen auf breit streuende Fonds und ETFs. Die Anzahl derer, die einzelne Aktien kaufen, stieg lediglich um 64 000, während sie bei Männern um über eine Million stieg.

Nicht nur Ost und West, Männer und Frauen, sondern auch ärmere und reichere Haushalten sind ungleich oft am Aktienmarkt aktiv. Zwar besitzen nach den Berechnungen des Aktieninstituts eine halbe Million mehr Menschen mit weniger als 2000 Euro Nettoeinkommen nun Aktien oder Fondsanteile. Während jedoch mehr als ein Drittel aller Haushalte mit einem Nettoeinkommen über 4000 Euro in Aktien anlegt, sind es bei Haushalten mit weniger als 1000 Euro nur 5,8 Prozent.

© SZ/tö
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