Cyberrisiken:Industrie gründet eigenen Versicherer

Lesezeit: 2 min

Cyberrisiken: Konzerne wie BASF, im Bild eine Fabrik im belgischen Antwerpen, klagen über zu niedrige Versicherungssummen.

Konzerne wie BASF, im Bild eine Fabrik im belgischen Antwerpen, klagen über zu niedrige Versicherungssummen.

(Foto: ALIMDI.NET / Arterra / Philippe/imago images)

Vor einigen Jahren fanden die Versicherer die Cyberversicherung sexy, nun wollen sie sich wegen hoher Schäden zurückziehen. Konzerne wie BASF und Airbus greifen deshalb zur Selbsthilfe.

Von Patrick Hagen, Köln

Cyberrisiken waren mal ein attraktiver Markt für Versicherungen. Nachdem das Angebot wegen hoher Schäden aber immer weiter zurückgeht, helfen sich mehrere Konzerne nun selbst, darunter Airbus und BASF. Sie gründen einen eigenen Versicherer, um sich umfassend gegen Cyberrisiken absichern zu können.

Die Gesellschaft mit dem Namen Miris soll in Brüssel sitzen und als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit arbeiten. Das heißt, er gehört seinen Mitgliedern und bietet nur ihnen Versicherungsschutz. Neben Airbus und BASF gehören der Reifenhersteller Michelin und der Werkstoffproduzent Solvay zu den Gründern. Sie wollen aber auch noch weitere Konzerne werben.

Siemens-Versicherungschef Alexander Mahnke, der auch Vorsitzender der Industrieversicherungslobby GVNW ist, begrüßt die Gründung. "Die aktuelle Initiative ist nicht unbedingt die letzte", sagt er.

Nach langer Zeit mit niedrigen Preisen und komfortablen Vertragsbedingungen erhöhen die Industrieversicherer seit zwei Jahren die Preise. Besonders schwierig ist die Lage in der Managerhaftpflicht und der Cyberversicherung, mit der sich die Firmen vor den Folgen von Hackerangriffen und Datenlecks versichern. Nach hohen Schäden haben die Versicherer die Reißleine gezogen und nicht nur die Preise drastisch erhöht, sondern auch die Kapazitäten heruntergefahren. Viele Unternehmen bekommen auch von mehreren Versicherern nicht mehr den Schutz, den sie suchen - anstatt 100 Millionen Euro gibt es oft nur 30 Millionen Euro. Der führende Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty lehnt drei Viertel aller Anfragen ab.

Auch der Versicherer HDI entstand als Selbsthilfeeinrichtung

Es ist nicht das erste Mal, dass die Industrie zu solchen Maßnahmen greift: Der deutsche Versicherer HDI entstand 1903 als Selbsthilfeeinrichtung der Eisen- und Stahlindustrie. In den Achtzigerjahren gründeten Großkonzerne, vor allem aus den USA, den Versicherer Exel. Im Gefolge der Asbestkrise hatten die Versicherer Haftpflichtpolicen dramatisch verteuert oder ganz zurückgezogen. Die fehlenden Kapazitäten konnten Neugründungen wie HDI oder Exel nicht ausgleichen. Sie waren aber deutliche Signale an die Versicherer und brachten dadurch eine Entspannung mit sich.

Der neue Cyberversicherer Miris soll nicht gewinnorientiert arbeiten und zu Beginn jedem Mitglied eine Kapazität von 25 Millionen Euro bereitstellen können, später mehr. Gegenseitigkeitsvereine bergen allerdings auch Risiken für die Mitglieder. Bei privatwirtschaftlich organisierten gewinnorientierten Gesellschaften trägt der Versicherer das Risiko, dass die Prämien reichen. Das ist bei Vereinen wie Miris anders. Hier kann es vorkommen, dass die Kunden als Mitglieder weitere Zahlungen leisten müssen, wenn Schäden und Kosten höher sind als erwartet.

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