Currywurst Neuer Ketchup-Geschmack sorgt für Unruhe bei VW

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)
  • Die Currywurst ist eine stille Reserve des VW-Konzerns - in manchen Jahren verkauft das Unternehmen mehr Würstchen als Autos.
  • Die Würstchen werden selbst hergestellt, nicht aber der VW-Ketchup.
  • Der neue Lieferant des Ketchups kommt aus München. Nun gibt es ein Problem.
Von Felicitas Wilke

Volkswagen produziert nicht nur Autos, der Konzern aus Wolfsburg stellt in der eigenen Fleischerei Jahr für Jahr auch Millionen von Bockwürsten her. Um zur berühmten VW-Currywurst zu werden, die in den Kantinen in Wolfsburg, Kassel, Emden, Zwickau oder Bratislava auf die Teller kommt, ist die Bockwurst seit jeher auf die Gesellschaft des VW-Curry-Ketchups angewiesen.

Doch neuerdings spüren die Industriemechaniker, Ingenieurinnen und Lagerlogistiker eine Schärfe auf der Zungenspitze, die sich vormals eher im Rachen lokalisieren ließ. Das Ketchup schmeckt anders und somit auch die Currywurst.

Weniger Fett, weniger Zucker

Vom Ketchup-Gate sprechen manche schon, von einem weiteren Skandal in diesem an Skandalen nicht armen Konzern. Und weil die neue Rezeptur obendrein weniger Fett und weniger Zucker, dafür aber mehr Tomatenmark enthält, lässt sich die Katastrophe noch weiterspinnen: Gibt es zum neuen Ketchup am Ende auch noch Tofuwürste und Sellerie-Pommes?

Volkswagen beschwichtigt. Martin Cordes, der Gastronomiechef von VW, erklärte in der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung, dass sich der Konzern auf die Suche nach einem neuen Lieferanten machen musste. Denn VW stellt das Ketchup anders als die dazugehörige Wurst nicht selbst her, sondern ließ es in den vergangenen Jahrzehnten von der Firma Kraft und später vom Nachfolgeunternehmen Mondelez produzieren.

Bis heute gibt es das Ketchup nicht nur in den VW-Kantinen, sondern in einigen Regionen Deutschlands auch im Supermarkt. Doch da Mondelez inzwischen kein Ketchup mehr herstellt, musste VW den Auftrag neu vergeben. Darum stellt neuerdings der Soßenfabrikant Develey aus Unterhaching bei München das Ketchup her.

Ringen um neue Rezeptur

Bereits seit 2017 arbeite man an der perfekten Rezeptur, zwölf Firmen wurden angefragt, drei Favoriten wurden verköstigt. Doch weil Chili nicht Chili sei und Tomate nicht Tomate, sei es "unwahrscheinlich kompliziert", ein Ketchup zu produzieren, das so schmeckt wie das alte, sagt Cordes. Da könne es schon mal auf der Zunge statt im Rachen brennen. Immerhin: Cordes verspricht, man werde weiter an der Rezeptur arbeiten.

Überbewerten dürfe man die Unruhen um das Ketchup aber auch nicht, heißt es bei VW. Manchen fehlt das alte Ketchup, anderen schmecke die neue Rezeptur sogar besser. Kantine wäre wohl auch nicht Kantine, wenn es gar nichts am Essen auszusetzen gäbe. Die Wartezeit auf das neue, alte Ketchup lässt sich ja nutzen, um mal etwas zu wagen - vielleicht harmoniert die neue Soße ja besser mit Tofuwurst.

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