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Curevac:"Es gab kein Angebot"

Zwei Tage hat das Biotechnologie­unternehmen gebraucht, um die richtigen Worte zu finden. Nun dementiert es Gerüchte um ein Angebot von US-Präsident Trump hart. Dafür bekommt die Firma jetzt Geld von der Europäischen Union.

Von Elisabeth Dostert und Stefan Mayr, Stuttgart/München

Zwei Tage hat Curevac gebraucht, um die richtigen Worte zu finden. Klarer könnte das Dementi nicht ausfallen, das Interimschef Franz-Werner Haas am Dienstag so formulierte: "Es gab kein Angebot von US-Präsident Donald Trump oder einer US-Behörde - weder für die Technologie noch für die Firma." Die Manager seien selbst am Sonntagmorgen von den Nachrichten überrascht worden. "So ein Angebot gab es vor, während und nach dem Treffen im Weißen Haus nicht", versicherte Haas in einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz, an der auch Technikvorstand Mariola Fotin-Mleczek, Produktionsvorstand und Mitgründer Florian von der Mülbe, Finanzvorstand Pierre Kemula und Aufsichtsrat Friedrich von Bohlen teilnahmen. Bohlen sitzt für die Beteiligungsgesellschaft Dievini im Kontrollgremium, über die SAP-Mitgründer Dietmar Hopp seine Biotech-Investitionen steuert. Hopp selbst hatte zuvor schon klar gestellt, dass für ihn ein Ausverkauf nicht in Frage komme. Keine Erklärung hat Haas dafür, dass Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Innenminister Horst Seehofer ein US-Interesse bestätigt hatten.

Unter Berufung auf deutsche Regierungskreise hatte die Welt am Sonntag berichtet, Trump habe Curevac einen hohen Betrag angeboten, um sich den Impfstoff exklusiv für die USA zu sichern. Anfang März hatte der damalige Curevac-Chef Daniel Menichella zusammen mit anderen Pharmamanagern Trump im Weißen Haus getroffen. Ein paar Tage später wurde Menichella abgelöst, Curevac-Mitgründer Ingmar Hoerr kehrte aus dem Aufsichtsrat an die Spitze der Firma zurück. Und als wäre die Lage nicht schon unübersichtlich genug, fällt Hoerr nun für "eine gewisse Zeit" aus gesundheitlichen Gründen aus. Solange übernimmt sein Vize Haas.

Das Rennen um einen Impfstoff ist voll entbrannt. Die Firmen Biontech und Moderna scheinen schneller voranzukommen. "Das ist aber kein Wettlauf jeder gegen jeden, sondern ein Wettlauf gemeinsam gegen die Zeit", sagte Friedrich von Bohlen. Technikvorstand Fotin-Mleczek erklärte, Curevac verfolge einen anderen Ansatz als Moderna. Man wolle erst präklinische Daten abwarten und dann einen Impfstoffkandidaten auswählen. Curevac habe mehr als 20 Jahre Erfahrung darin, wie die Boten-RNA optimiert und genutzt werden könne, um unterschiedliche Proteine zu bauen. Für den Impfstoff werde ein Protein, das auf der Oberfläche des Coronavirus sitze, codiert. Das Protein reiche aus, um das körpereigene Immunsystem zu aktivieren. Ein ähnliches Konzept verfolge Curevac beim Impfstoff gegen Tollwut, bei dem sehr geringe Dosen ausreichten.

Curevac habe mit der Produktion von zwei Corona-Impfstoffkandidaten begonnen. "Wir arbeiten hart daran, im Frühsommer mit den klinischen Studien beginnen zu können." Die ersten klinischen Daten sollen laut Fotin-Mleczek im Herbst vorliegen. Läuft alles gut, könnte in eineinhalb Jahren ein Impfstoff vorliegen, "das wäre schon Rekordzeit, normalerweise dauert das Jahre". Curevac wolle nicht nur schnell einen sicheren Impfstoff entwickeln, sondern auch Produktionskapazitäten aufbauen, erklärte von der Mülbe. Mit bestehenden Anlagen könne Curevac bis zu 40 Millionen Dosen jährlich herstellen. Mit neuen Anlagen könnten es bis zu einer Milliarde sein. Dafür bekommt Curevac jetzt Geld von der EU-Kommission. Sie gewährt gibt Curevac einen Kredit von bis zu 80 Millionen Euro. Kommissionschefin Ursula von der Leyen hofft unterdessen noch vor Herbst auf einen wirksamen Impfstoff.

© SZ vom 18.03.2020
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