Hauptversammlung:Curevac will erwachsen werden

Curevac-Gründer Ingmar Hoerr

Mitgründer Ingmar Hoerr zieht, anders als geplant, doch nicht in den Curevac-Aufsichtsrat ein.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Nach der Impfstoff-Enttäuschung soll die Firma ihre Zeit als Start-up hinter sich lassen.

Von Claudia Henzler, Stuttgart

Das Tübinger Biotechnologie-Unternehmen Curevac setzt trotz des Rückschlags mit seinem ersten Impfstoff gegen das Corona-Virus weiter auf Wachstum - und die Aktionäre stützen diesen Kurs. Das ehemalige Start-up, das mittlerweile mehr als 700 Mitarbeiter hat, befindet sich in der Transformation von einem Biotechnologie- Unternehmen in ein Biopharma-Unternehmen. So sagte es zumindest Curevac-Chef Franz-Werner Haas auf der Hauptversammlung am Dienstag.

Haas gab sich erneut zuversichtlich, dass Curevac mit seinen Impfstoffen gegen das Corona-Virus doch noch Erfolg haben wird. Die Firma hat im vergangenen Jahr mit der EU einen Vertrag über mindestens 225 Millionen Impfdosen abgeschlossen und will diesen auch erfüllen.

Bei der Hauptversammlung, die wegen der Pandemie rein virtuell abgehalten wurde, segneten die zugeschalteten Aktionäre die Pläne der Unternehmensführung in nur 40 Minuten ohne Diskussionen ab: Die Führungsspitze wird vergrößert, man setzt weiter auf die Zusammenarbeit mit großen Unternehmen wie Bayer, Wacker oder GlaxoSmithKline. Dass nicht alle Aktionäre vollauf zufrieden sind, ließ sich daran ablesen, dass zwar die Personalien mit fast hundertprozentiger Zustimmung bestätigt und sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat entlastet wurden, sich aber lediglich drei Viertel der Aktionäre für die Zahlung diverser Prämien aussprachen.

Vor einem Jahr hatte das Unternehmen, das seit 20 Jahren an der neuartigen mRNA-Technologie forscht, noch als Hoffnungsträger in der Corona-Pandemie gegolten. Doch dann gab es eine Serie schlechter Nachrichten: Erst zogen andere Firmen bei der Impfstoffentwicklung an den Tübingern vorbei, vergangene Woche informierte Curevac schließlich darüber, dass die zweite Zwischenanalyse zu seinem Covid-Vakzin nur eine durchschnittliche Wirksamkeit von 47 Prozent ergeben habe. Damit würde der Impfstoff nicht die Wirksamkeits-Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation von 50 Prozent erfüllen. Die Folge: Der Kurs brach ein. Er liegt allerdings immer noch über dem Ausgabepreis vom Börsenstart Mitte August 2020. Die Aktie ist an der US-amerikanischen Technologiebörse Nasdaq notiert.

Die Bundesregierung wolle Curevac weiter unterstützen, versichern Minister

Einen Tag vor der Hauptversammlung hatte das Unternehmen auch noch mitgeteilt, dass der frühere Aufsichtsratsvorsitzende Ingmar Hoerr aus gesundheitlichen Gründen nicht wie geplant auf seinen alten Posten zurückkehren werde. Der 53-jährige Curevac-Gründer hatte sich im Frühjahr 2020 nach einer Hirnblutung aus dem Unternehmen zurückgezogen. Geleitet wurde das Treffen von dem Belgier Jean Stéphenne, ehemaliger Vorsitzender und Präsident von GlaxoSmithKline Biologicals, der den Aufsichtsratsvorsitz im April 2020 übernommen hat.

Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr stark auf die Tübinger Biotüftler gesetzt, die vor der Pandemie an Vakzinen gegen das Lassa-Fieber, Tollwut und Gelbfieber und an Medikamenten zur Krebsbekämpfung arbeiteten. Der Staat zahlte für deren Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus bisher 100 Millionen Euro Zuschuss. Und er beteiligte sich vor einem Jahr über die Förderbank KfW mit 300 Millionen Euro selbst an dem Unternehmen - nach Gerüchten, dass die USA unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump versuchen könnte, sich die Rechte an dem Curevac-Impfstoff zu sichern.

Hauptaktionär ist der SAP-Mitgründer und Investor Dietmar Hopp, der über seine Holding Dievini etwa 47 Prozent der Anteile hält. Ebenfalls beteiligt sind der Pharmakonzern GlaxoSmithKline mit acht Prozent und die Bill & Melinda Gates Stiftung mit 1,7 Prozent. Die KfW ist mit 16 Prozent zweitgrößter Aktionär. Mehrere Minister haben in den vergangenen Tagen versichert, dass die Bundesregierung Curevac weiter unterstützen werde, etwa Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU). Am Montag will sie persönlich nach Tübingen kommen, wohl als Zeichen dieses Vertrauens.

© SZ/pauw
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