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Impfstoffe:Curevac plant offenbar Börsengang im Herbst

Tuebingen 22.06.2020 Prof. Dr. Peter Kremsner (Institut fuer Tropenmedizin Tuebingen) impft den Proband Patrick R. mit

Der Corona-Impfstoff von Curevac wird bereits in Deutschland getestet.

(Foto: imago images/ULMER Pressebildage)

Vorbereitend auf den Gang an die Börse erhält Curevac vom britischen Pharmakonzern Glaxo Smith Kline eine Millionensumme - allerdings nicht für die Forschung an einem Corona-Impfstoff.

Der Tübinger Impfstoffentwickler Curevac hat mit dem britischen Pharmakonzern Glaxo Smith Kline (GSK) einen weiteren Anteilseigner gewonnen. GSK habe für 150 Millionen Euro knapp zehn Prozent an dem Börsenaspiranten erworben, teilte das Unternehmen mit. Damit wird die im Jahr 2000 gegründete Firma mit ihren rund 450 Mitarbeitern inzwischen mit 1,5 Milliarden Euro bewertet. Im Juni erwarb der Bund im Rennen um einen Corona-Impfstoff für 300 Millionen Euro 23 Prozent an dem Biotechunternehmen.

Hauptinvestor bei Curevac ist weiter Dievini, die Beteiligungsgesellschaft des SAP-Gründers Dietmar Hopp. Zudem sind diverse Investoren engagiert, etwa die Bill & Melinda Gates Foundation.

Wie Reuters von mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfuhr, plant Curevac im September oder Oktober den bereits angekündigten Gang aufs Parkett in den USA. Die GSK-Bewertung sei ein guter Indikator für die Bewertung des Unternehmens beim Börsengang, der von der Bank of America, der Credit Suisse und Jefferies organisiert wird.

Curevac, Biontech und Moderna gehen ähnliche Wege

Curevac teilte zudem mit, mit der GSK eine Kooperation zur Entwicklung und Vermarktung von fünf Impfstoffen vereinbart zu haben. Dafür zahle GSK einmalig 120 Millionen Euro. Die beiden bestehenden klinischen Curevac-Entwicklungsprogramme zu Impfstoffen gegen Covid-19 und Tollwut, die jeweils in der Phase eins der klinischen Studie sind, seien aber nicht Teil der Zusammenarbeit.

Curevac stünden darüber hinaus Zahlungen für Entwicklungs- und Zulassungsmeilensteine von bis zu 320 Millionen Euro und für kommerzielle Meilensteine von bis zu 380 Millionen Euro zu. Curevac gehört zu den wenigen deutschen Unternehmen, die sich im Wettlauf um einen Corona-Impfstoff befinden. Die Gesellschaft war im März in die Schlagzeilen geraten, weil die US-Regierung angeblich Interesse an Curevac hatte.

Das Biotechunternehmen hatte im Juni mit der klinischen Erprobung seines Covid-19-Impfstoffkandidaten begonnen und will diesen bis Mitte kommenden Jahres marktreif haben. Die Tübinger setzen bei ihren Forschungsarbeiten - wie auch der US-Biotechkonzern Moderna und die Mainzer Biotechfirma Biontech - auf Impfstoffe auf Basis der sogenannten Boten-RNA (mRNA). Bei Impfstoffen dieses Typs sollen die Zellen im menschlichen Körper angeregt werden, Antigene zu produzieren, auf die das Immunsystem mit Antikörpern reagiert.

Großbritannien bestellt bei Biontech

Unterdessen haben das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Konzern Pfizer mit Großbritannien eine erste Liefervereinbarung zu einem in der Entwicklung befindlichen Corona-Impfstoff geschlossen. Vorbehaltlich einer behördlichen Genehmigung oder Zulassung sollen 30 Millionen Dosen des Impfstoffkandidaten "BNT 162" geliefert werden, voraussichtlich in den Jahren 2020 und 2021. Finanzielle Details wurden nicht bekannt. "Wir befinden uns in fortgeschrittenen Gesprächen mit verschiednen anderen Regierungen und hoffen, bald weitere Liefervereinbarungen bekannt geben zu können", sagte Biontech-Mitgründer und Chef Uğur Şahin.

Zu insgesamt vier RNA-Impfstoffkandidaten von Biontech und Pfizer laufen derzeit in den USA und in Deutschland Studien der Phase eins und zwei. Für zwei dieser Kandidaten genehmigte die US-Arzneimittelbehörde FDA kürzlich ein beschleunigtes Zulassungsverfahren.

Erste Ergebnisse der bisherigen Studien in den USA haben Biontech und Pfizer schon offengelegt und nannten sie "ermutigend", auch mehrere Experten hatten von positiven Ergebnissen gesprochen. Probanden - insgesamt waren es 45 gesunde Menschen im Alter von 18 bis 55 Jahren - hatten Antikörper gegen den Erreger Sars-CoV-2 entwickelt. Unklar ist aber noch, ob diese Antikörper tatsächlich vor einer Infektion schützen. Das sollen weitere Tests mit bis zu 30 000 Probanden zeigen, die noch in diese Monat beginnen könnten. Falls auch diese erfolgreich verlaufen, könnte nach Angaben des Unternehmens noch im Oktober das Zulassungsverfahren beantragt werden. Zu den Tests in Deutschland stehen erste Ergebnisse noch aus, sie werden noch für Juli erwartet.

© Reuters/dpa
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