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Cum-Ex-Skandal:Hausarrest im Paradies

SeaBubbles executives are seen aboard a prototype of their water taxi in the harbour of Saint-Tropez

Der Hafen von Saint-Tropez (Symboldbild)

(Foto: REUTERS)

Die Staatsanwaltschaft Köln hat nach Informationen von SZ und WDR im Cum-Ex-Skandal erstmals einen Beschuldigten im Ausland festgenommen. Zwei weitere Banker haben sich bei der Staatsanwaltschaft gemeldet.

Es gibt schlimmere Orte für einen Hausarrest als Saint-Tropez. Doch gefreut haben dürfte der Banker sich nicht, als er am Freitag im Süden Frankreichs festgenommen wurde. Dort wartet er nach Informationen von WDR und Süddeutscher Zeitung aktuell auf seine Anhörung. Anschließend könnte er zunächst nach Deutschland überführt und einem Haftrichter vorgeführt werden. Hintergrund der Festnahme ist der Steuerskandal Cum-Ex, in dem der Banker von der Staatsanwaltschaft Köln als Beschuldigter geführt wird.

In diesem Zusammenhang sollen sich außerdem zwei britische Banker bei den Ermittlern in Deutschland gemeldet haben. Gesucht wird nach ihnen mit internationalem Haftbefehl. Sie stellten in Aussicht, sich freiwillig zu stellen. Gemein haben alle drei, dass sie Beschuldigte im Cum-Ex-Skandal sind, bei dem findige Aktienhändler, Banker und Anwälte den Staat jahrelang ausgetrickst und ausgenommen haben. Den Schaden beziffern Steuerfahnder heute auf mehr als zehn Milliarden Euro.

Erstmals Beschuldigter im Ausland festgesetzt

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln bestätigte auf Anfrage lediglich, dass ein Beschuldigter in Frankreich festgenommen wurde.

Die Festnahme im deutschen Nachbarland markiert einen deutlichen Einschnitt in die bisherige Aufarbeitung des Steuerskandals. Denn es ist das erste Mal, dass die Ermittler auch einen Beschuldigten im Ausland festsetzen und nicht nur auf heimischem Boden. Damit senden die Ermittler ein klares Signal an all jene Beschuldigte, die zurzeit noch im Ausland sitzen und sich bisher sicher gefühlt haben. Insgesamt stehen auf der Liste der Staatsanwaltschaft Köln mehr als 88 Beschuldigte in 68 Ermittlungskomplexen.

© SZ/mane
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