CSU-Vorstoß zur Rente mit 63:Erkaufte Abschlagfreiheit

Der SPD-Rentenexperte Martin Rosemann warnt deshalb davor, freiwillig Versicherte in die Rente ab 63 einzubeziehen: "Das sieht nur auf den ersten Blick gerecht aus. Denn es wird dazu führen, dass freiwillig Versicherte sich mit einem sehr geringen Beitrag die Abschlagsfreiheit erkaufen können."

Wem für die abschlagfreie Rente mit 63 etwa nur ein Versicherungsjahr fehlt, der zahlt einfach den Betrag nach und schon geht es aufs Altenteil.

Die CSU sagt, Arbeit dürfe nicht schlechter gestellt sein als Arbeitslosigkeit. Schon deshalb müssten freiwillige Versicherungsjahre für die Rente mit 63 anerkannt werden. Nur ist eben gar nicht sichergestellt, dass alle 324 000 freiwillig Versicherten auch tatsächlich arbeiten. Darunter können - zugespitzt formuliert - auch Lottogewinner oder Großerben sein, die sich mit 43 zu Ruhe setzen, aber freiwillig weiter in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Die würden dann nach den Plänen der CSU ihre abschlagfreie Rente schon mit 63 bekommen können.

Es spricht also weniger dafür, dass die CSU ihren eigenen Vorschlag wirklich ernst nimmt, als dass sie damit nur die Anrechenbarkeit von Arbeitslosenzeiten torpedieren will. In der Psychologie wird so ein Verfahren paradoxe Intervention genannt: Das als problematisch erkannte Verhalten wird gefördert, statt es zu bekämpfen. In der Hoffnung, dass der Patient es dann lässt.

Ohne Rente mit 63 gäbe es die Mütterrente nicht

Die Rente mit 63 haben nämlich viele in der CSU geschluckt. Ohne sie gäbe es die Mütterrente nicht. Außerdem wächst die Rente mit 63 bis 2029 ohnehin nach und nach zur Rente mit 65, betrifft also nur jene, die zwischen 1951 und 1963 geboren wurden.

Mit der Anrechenbarkeit der kurzzeitigen Arbeitslosigkeit aber wollen sich viele aus CDU und CSU nicht anfreunden. Sie fürchten eine neue Welle der Frühverrentung, wenn Versicherte mit 61 aufhören zu arbeiten und dann noch zwei Jahre ALG I bis zur Rente mit 63 beziehen.

Und jetzt sollen noch mehr Menschen die Rente mit 63 bekommen können. Ob die CSU mit dieser paradoxen Intervention die SPD heilt, wird sich erst noch erweisen müssen.

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