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CSR - Corporate Social Responsibility:Gutes Wirtschaften

Seit jeher engagieren sich Firmen sozial oder kulturell. Doch Corporate Social Responsibility - verantwortliches Handeln von Unternehmen - muss mehr sein: Die Wirtschaft muss sich selbst zu sozialverträglichem und umweltschonendem Verhalten verpflichten.

Marc Beise

Wenn die Bundesregierung sich mit Macht und mit Hilfe von Papieren, Tagungen und Ministeransprachen eines Themas aus der Welt der Unternehmen annimmt, kann dies dreierlei bedeuten.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der irische Musiker Bob Geldof und Bundesarbeitsminister Olaf Scholz auf der Corporate Social Responsibility-Konferenz "Unternehmen in Verantwortung."

(Foto: Foto: ddp)

Es handelt sich entweder um eine Materie, die sich in der realen Wirtschaft schon zur Blüte entwickelt und jetzt auch von der Politik entdeckt wird; man nennt das ein "Me-too"-Thema: Es ist alles gesagt, nur nicht von jedem.

Firmen engagieren sich seit jeher

Oder es handelt sich um eine Aufgabe, die nach Ansicht der Politik in der Wirtschaft noch nicht so richtig angekommen ist und "angeschoben" werden muss. Es kann auch schlicht darum gehen, dass Wirtschaft und Staat gleichermaßen gefragt sind.

Alle drei Möglichkeiten waren berührt, als die Bundesregierung in dieser Woche in Berlin eine große "CSR-Konferenz" veranstaltete, unter Teilnahme gleich zweier Kabinettsmitglieder, des Bundesaußenministers und Vizekanzlers Frank-Walter Steinmeier und des Arbeitsministers Olaf Scholz.

CSR - der Kundige spricht das Kürzel "Zi-ess-arr" aus, weil es in der Tat aus dem Amerikanischen kommt und für Corporate Social Responsibility steht. Was das genau ist, darüber können Experten ziemlich lange streiten. Reden wir der Einfachheit halber von "verantwortungsvollem Handeln von Unternehmen".

Schon die Übersetzung zeigt, worum es geht - und worum nicht. Seit jeher engagieren sich Firmen sozial oder kulturell. Das beginnt bei der plakativen Vermarktung von Kulturevents, bei denen beispielsweise der gefeierte Opernstar in aller Schamlosigkeit vor dem riesigen Emblem des Förderers auftritt. Mit CSR hat das wenig zu tun. Es ist schlicht Sponsoring und sollte auch so heißen.

Wenn der Staat Not leidet

Die nächste Eskalationsstufe unternehmerischen Engagements ist schon ehrenwerter. Wirtschaftsbetriebe unterstützen, oft sogar in aller Verschwiegenheit, die örtliche Kunstsammlung oder das große Symphonieorchester, speisen Stiftungen und stellen neuerdings sogar Mitarbeiter ab, die in Straßenprojekten die raue Wirklichkeit kennenlernen sollen.

Große Konzerne geben jährlich Beträge im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, mancher betuchte Spitzenmanager spendet Millionen aus der Privatschatulle. Dieses Engagement wird immer wichtiger angesichts der wachsenden Geldnot des Staates, die durch die noch sprudelnden Steuereinnahmen ja nur vorübergehend kaschiert wird. Das alles ist gut, aber noch immer nicht genug.

CSR, verantwortliches Handeln von Unternehmen, muss mehr sein: Die Wirtschaft verpflichtet sich selbst zu sozialverträglichem und umweltschonendem Verhalten.

Zu häufig nur Lippenbekenntnis

Das betrifft die Mitarbeiterführung, die Art, Geschäfte zu machen, das öffentliche Engagement. Idealerweise verändern Unternehmen dafür ihre Strukturen. Dieser Prozess hat erst begonnen, zu häufig noch ist nachhaltiges Wirtschaften nur ein Lippenbekenntnis.

Zwar gibt es kaum ein großes Unternehmen, das nicht seinen jährlichen CSR-Report erstellt. Papier freilich ist geduldig. Schon der CSR-Beauftragte, der im Unternehmen Einfluss hat, ist nicht mehr die Regel, allzu oft läuft Konzernhandeln im alten Stil ab. Dass Theorie und Praxis nicht übereinstimmen müssen, zeigt der Fall Siemens. Während die früheren Chefs schriftlich ethisches Wirtschaften einforderten, gedieh im Unternehmen die Korruption.

Der Mittelstand liegt vorn

Besser macht es der Mittelstand. Er ist noch dabei, mit Hilfe der Politik, das Thema für sich zu entdecken - wo dies aber geschieht, durchzieht das Denken die ganze Struktur. Ob es der sauerländische Elektro-Mittelständler Walter Mennekes ist oder Alfred T. Ritter von der gleichnamigen quadratischen Schokolade: immer mehr Mittelständler engagieren sich. Mennekes organisiert, dass jeder in seiner Region einen Ausbildungsplatz bekommt, Ritter engagiert sich für umweltgerechtes Produzieren auf der Schwäbischen Alb und in China.

Staatsbürgerliches Engagement und Profitstreben sind nicht zwei getrennte Themen, sondern eine (Unternehmens-)Welt. CSR kann - und soll - wirtschaftliche Vorteile bringen. Nur mit diesem Argument kann auch dem Vorwurf des verstorbenen Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman begegnet werden, jedenfalls in Aktiengesellschaften dürfe soziales Engagement nichts kosten. Wieso, fragte Friedman, dürften angestellte Manager entscheiden, was gefördert werden solle, statt dass sie das Geld ausschütteten und jeder Aktionär selbst bestimme, wie wohltätig er sein wolle?

Gutes Wirtschaften ist gut fürs Geschäft

Die Antwort lautet: CSR ist nicht nur gut fürs Land, sondern auch gut fürs Geschäft. Unternehmen, die sich entsprechend positionieren, haben zu Recht ein gutes Image - und kommen bei Kunden und Mitarbeitern besser an. Sie haben einen Vorsprung beim Wettbewerb um die raren Nachwuchskräfte, sie punkten auch im internationalen Maßstab. Ein Unternehmen wie Siemens geht soeben durchs Fegefeuer der Korruptionsjäger, wird aber nach der Reinigung besser als andere dastehen und davon hoffentlich in klingender Münze profitieren.

Am Ende geht es um eine Neuverteilung der Aufgaben zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Deshalb ist es wichtig, dass die Politik sich an diesem Prozess beteiligt. Die SPD hat das eher erkannt als die Union. Arbeitsminister Olaf Scholz ist der Kabinettsbeauftragte für CSR - wo aber bleibt der konservative Wirtschaftsminister?

© SZ vom 03.05.2008/jkr
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