Credit Suisse:Greensill-Pleite ruft Ermittler auf den Plan

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FILE PHOTO: Switzerland's national flag flies above the logo of Swiss bank Credit Suisse in Zurich

Kunden der Credit Suisse haben im Zusammenhang mit der Greensill-Pleite Milliarden verloren. Es war nicht der einzige Fehltritt dieses Jahr.

(Foto: Arnd Wiegmann/Reuters)

Razzia bei Schweizer Bank. Auch in Deutschland ist der Skandal nicht aufgearbeitet

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Für die Schweizer Großbank Credit Suisse gab es zuletzt reichlich Erklärungsbedarf: Erst verloren Kunden des Geldhauses Milliarden mit Lieferkettenfonds, die die Bank mit dem britisch-australischen Pleite-Fintech Greensill betrieben hatte. Dann brach auch noch der US-Hedgefonds Archegos zusammen, der das Institut enorme fünf Milliarden Dollar kostete und Erinnerungen an dunkle Zeiten der Finanzkrise weckte. Die Aktie des Instituts verlor seit Jahresanfang rund zwanzig Prozent an Wert. Der im Mai angetretene Verwaltungsratsvorsitzende Antonio Horta-Osorio wird nun erst einmal die Strategie der Bank überarbeiten müssen.

Zur Ruhe kommen wird das traditionsreiche Haus vorerst jedenfalls nicht. So wurde jetzt bekannt, dass Staatsanwälte die Credit Suisse im Zusammenhang mit der Greensill-Insolvenz durchsucht haben. Die Ermittler beschlagnahmten in der vergangenen Woche Unterlagen in Büros der Schweizer Großbank, wie zuerst die Neue Zürcher Zeitung am Sonntag berichtete. Das Blatt schrieb unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft, dass nicht gegen aktive und ehemalige Mitarbeiter des Hauses ermittelt werde. Dem Onlineportal Finews zufolge richtet sich das Verfahren gegen einen Vertreter von Greensill sowie gegen Unbekannt. Auslöser ist offenbar ein durch das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft in Gang gebrachtes Verfahren. Es geht wohl um einen Verstoß gegen Wettbewerbsgesetze, möglicherweise also um irreführende Werbung.

Die Aktien der Bank notierten am Montag zwar leicht im Plus: Nicht nur die Behörden, auch viele Aktionäre des Geldhauses dürften aber noch Fragen dazu haben, wie es zu den teuren Fehltritten kommen konnte. Im November, wahrscheinlich zusammen mit den Quartalszahlen, wird die Credit Suisse wohl ihren Untersuchungsbericht zum Greensill-Skandal veröffentlichen. Im Sommer hatte die Bank bereits ihren Bericht zum Archegos-Debakel ins Netz gestellt - ein in der europäischen Unternehmens- und Bankenlandschaft seltenes Ausmaß an Transparenz.

Auch in Deutschland ist die Greensill-Pleite noch längst nicht aufgearbeitet. Die britisch-australische Gruppe hatte ausgerechnet über eine deutsche Bank mit Sitz in Bremen Milliarden an Spareinlagen eingesammelt - Geld, das weitgehend verloren ist, und das die Kunden nun von der Sicherungseinrichtung der privaten Banken erstattet bekommen. Zahlreiche Kommunen, die dort ebenfalls Geld angelegt hatten, mussten ihre Spareinlagen indes abschreiben. Nachdem die deutsche Finanzaufsicht Bafin Anfang März Strafanzeige erstattet hatte, ermittelt seither die Staatsanwaltschaft Bremen gegen fünf Beschuldigte. Es geht um den Verdacht der unrichtigen Darstellung in der Bilanz.

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