Schweizer Bank:Credit Suisse erhält Rüge und muss Millionen-Geldbußen bezahlen

The headquarters of Swiss bank Credit Suisse are seen in Zurich

Das Hauptquartier der Schweizer Großbank Credit Suisse in Zürich.

(Foto: ARND WIEGMANN/REUTERS)

Die Finanzmarktaufsicht rügt die Schweizer Großbank wegen der Bespitzelung von Mitarbeitern. Zusätzlich muss sie wegen eines Korruptionsskandals in Mosambik hohe Strafzahlungen leisten.

Von Isabel Pfaff, Bern

Sie sei "zufrieden", meldet die Schweizer Großbank Credit Suisse, und könne nun "einen Schlussstrich" ziehen. Das ist eine erstaunlich positive Umschreibung dessen, was am Dienstagabend publik wurde, denn im Grunde kann man zweifelsohne von einem schwarzen Tag für die Bank sprechen: Sie muss sich nicht nur mit einem vernichtenden Zeugnis der Schweizer Finanzmarktaufsicht auseinandersetzen, sondern auch Strafzahlungen von insgesamt 475 Millionen Dollar an britische und US-Behörden leisten.

Es geht dabei um zwei verschiedene Themenkomplexe, die am Dienstag beide zu einer Art Abschluss fanden: Zum einen handelt es sich um die 2019 publik gewordene Beschattungsaffäre rund um den Spitzenbanker Iqbal Khan. Dieser hatte nach seiner Ankündigung, zur Konkurrentin UBS zu wechseln, festgestellt, dass er von seiner Noch-Arbeitgeberin Credit Suisse bespitzelt wurde. Im Zuge der Aufdeckung dieses Skandals kam heraus, dass die Bank noch andere Mitarbeiter hatte beschatten lassen. Der damalige Konzernchef Tidjane Thiam reichte wegen der Vorfälle seinen Rücktritt ein, und noch einige andere Top-Leute der Bank mussten gehen.

Auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) schaltete sich in die Affäre ein: Im September 2020 leitete sie ein sogenanntes Enforcement-Verfahren gegen die Bank ein, also ihr zentrales Instrument zur Durchsetzung des Aufsichtsrechts. Dies, so teilte sie am Dienstagabend mit, sei nun abgeschlossen. Das Ergebnis: Ganze sieben Observationen hatte die Credit Suisse zwischen 2016 und 2019 geplant und größtenteils durchgeführt. Laut Finma hat die Bank mit diesen Observationen "schwere Aufsichtsrechtsverletzungen" begangen. "Im Ergebnis verfügte die Credit Suisse damit im betroffenen Sicherheitsbereich über keine angemessene Organisation im Sinne des Schweizer Bankengesetzes." Zwei Personen seien deshalb nun schriftlich gerügt worden, und gegen drei weitere Personen hat die Finma Enforcement-Verfahren eingeleitet. Zudem verpflichtet sie die Bank zu Reformen, deren Umsetzung sie überprüfen werde. Schlussstrich klingt anders.

475 Millionen Dollar Strafe in der Mosambik-Affäre

Auch bei dem zweiten Komplex dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Es geht dabei um Kredite von insgesamt einer Milliarde US-Dollar an Staatsunternehmen in Mosambik, die die britischen Tochtergesellschaften der Credit Suisse 2013 arrangiert hatten. Mit den - staatlich garantierten - Krediten sollten vor allem Küstenwachschiffe sowie eine Thunfischfangflotte finanziert werden, doch wie eine Untersuchung der US-Behörden nahe legt, ist ein Teil des Geldes versickert - in den Taschen mosambikanischer Beamter, aber auch der beteiligten Banker.

Britische und amerikanische Behörden strengten im Zusammenhang mit dieser Kreditvergabe Gerichtsverfahren gegen die Credit Suisse an. Am Dienstagabend teilten das US-Justizministerium, die Börsenaufsicht SEC und die Credit Suisse selbst mit, dass sie sich auf einen Vergleich geeinigt hätten: Er umfasst den Aufschub der Strafverfolgung um drei Jahre, interne Reformen seitens der Bank und eine Strafzahlung von rund 275 Millionen Dollar. Auch mit den britischen Behörden hat die Bank eigenen Angaben zufolge einen Vergleich geschlossen, der neben dem Eingeständnis von Fehlverhalten eine Strafzahlung von 200 Millionen Dollar sowie einen Schuldenerlass für Mosambik in Höhe von 200 Millionen Dollar vorsieht. Und auch die Schweizer Aufsicht erklärte ihr Enforcement-Verfahren im Zusammenhang mit Mosambik am Dienstag für beendet: Sie schreibt von "schwerwiegenden Mängeln" beim Risikomanagement der Gruppe und einem Verstoß gegen die geldwäschereirechtliche Meldepflicht. Beim Kreditneugeschäft mit finanzschwachen Staaten zwingt die Finma der Bank deshalb neue Regeln auf.

Nur: Mit den jüngsten Mitteilungen hat die Aufarbeitung von Skandalen eigentlich erst angefangen. Die Credit Suisse wird sich künftig noch mit ihrer Rolle beim Zusammenbruch des US-Hedgefonds Archegos Capital und der Pleite des britisch-australischen Finanzinstituts Greensill Capital auseinander setzen müssen. Seit 2020 hat die Bank einen neuen Konzernchef namens Thomas Gottstein, und seit einigen Monaten amtet mit António Horta-Osório ein neuer Verwaltungsratspräsident. Auf sie wartet viel Arbeit.

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