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Coupon-Portal im Visier der Behörden:US-Börsenaufsicht untersucht Rechenfehler bei Groupon

Der Coupon-Händler hat sich erneut verkalkuliert: Weil viele Kunden ihre Gutscheine nach Weihnachten zurückgegeben haben, musste Groupon nun seine Bilanz nachträglich korrigieren. Das Unternehmen hatte für diesen Fall nicht vorgesorgt. Die amerikanische Börsenaufsicht untersucht den Vorgang.

Mit großen Ambitionen hatte das Schnäppchenportal Groupon seinen Börsengang forciert. Dem Hype folgte schnell Ernüchterung: Am vergangenen Freitag musste der Gutschein-Anbieter Umsatz und Gewinn für das vierte Quartal nachträglich zurücknehmen. Wegen der Zahlenkorrekturen gerät das Unternehmen nun ins Visier der amerikanischen Börsenaufsicht SEC.

Noch befinde sich die Untersuchung aber in einer frühen Phase, die SEC habe keine offizielle Ermittlung eröffnet, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person dem Wall Street Journal.

Es ist nicht das erste Mal, dass Groupon unsauber gerechnet hat. Schon vor dem Börsengang im vergangenen November hatte das Unternehmen seine Geschäftszahlen zweimal korrigieren müssen.

Grund für die aktuelle Berichtigung sind Probleme im zurückliegenden Weihnachtsgeschäft. Im Februar hatte Groupon festgestellt, dass viele Kunden ihre am Jahresende erworbenen Gutscheine im Januar wieder umgetauscht hatten.

"Ich sehe das als Wachstumsschmerz an"

Das 2008 gegründete Unternehmen hatte für diesen Fall nicht vorgesorgt und nicht genug Barreserven vorgehalten. Der Umsatz fiel um 14,3 Millionen Dollar geringer aus als zunächst bekannt gegeben worden war. Der Verlust steigt von bislang 43 Millionen Euro um mehr als 50 Prozent auf 65,6 Millionen Dollar.

Unternehmenschef Andrew Mason und Finanzchef Jason Child bemühten sich vergeblich um Schadensbegrenzung. Als Reaktion auf die neuerlichen Buchhaltungsprobleme fiel die Groupon-Aktie im US-Handel um fast 17 Prozent auf 15,30 US-Dollar. Beim Börsengang war das Papier noch 20 Dollar wert. In Deutschland sank der Kurs um 7,5 Prozent auf 12,15 Euro.

Noch steht das Unternehmen zu Child, der von Analysten und Anlegern für seine Leistungen heftig kritisiert wird. Aus Firmenkreisen heißt es, Mason und andere Spitzenmanager stärkten ihm weiterhin den Rücken.

Neben Ernst & Young hat Groupon jetzt indes mit KPMG einen zweiten Rechnungsprüfer beauftragt. KPMG soll Groupon mit den US-Regeln für börsennotierte Unternehmen konform machen. Zusätzlich will Groupon weiteres Personal für seine Buchhaltung einstellen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person.

Die Korrektur der Geschäftszahlen werfe die Frage auf, "ob es bei Groupon überhaupt eine Unternehmensführung gibt", schreiben die Professoren Anthony Catanach und Ed Ketz in ihrem Blog.

Andere sehen die Schuld in Groupons rasantem Wachstum. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 1,6 Milliarden Dollar, 2009 waren es noch 14,5 Millionen. Vor dem Börsengang musste das Unternehmen seine Buchführung bereits zwei Mal umstellen, um den Vorschriften der SEC zu entsprechen. "Ich sehe das als Wachstumsschmerz an", sagte ein Groupon-Anleger.

"Das ist wie bei einem Schulkind, das in der zehnten Klasse 1,50 Meter groß ist und in der zwölften Klasse 2,10 Meter." Kern des Problems ist allerdings das "Groupon-Versprechen". Das sieht vor, dass jeder Kunde seine Gutscheine umtauschen kann. Daran will das Unternehmen auch in Zukunft nicht rütteln.