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Coronavirus und die Wirtschaft:US-Notenbank rechnet mit Wirtschaftseinbruch um bis zu 30 Prozent

Fed-Chef Jerome Powell, Coronavirus

Fed-Chef Jerome Powell befürchtet kurzfristig starke Einbrüche in der US-Wirtschaft, zeigt sich langfristig aber zuversichtlich.

(Foto: AFP)

Zudem könne die US-Arbeitslosenquote auf 20 bis 25 Prozent steigen, sagt Fed-Chef Powell. Langfristig zeigt er sich jedoch verhalten optimistisch.

Hier finden Sie aktuelle Meldungen aus der Wirtschaft in chronologischer Reihenfolge, die neuesten Nachrichten stehen an erster Stelle.

Montag, 18. Mai, 6:45 Uhr: Die US-Wirtschaft könnte im laufenden Quartal nach Einschätzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) um bis zu 30 Prozent schrumpfen. Es sei gut möglich, dass das Bruttoinlandsprodukt um 20 bis 30 Prozent abnehme, sagte Fed-Chef Jerome Powell in einem Interview mit dem TV-Sender CBS. Zudem sei es wahrscheinlich, dass die US-Arbeitslosenquote auf 20 bis 25 Prozent steige. Derzeit liegt diese bei 14,7 Prozent.

Was die weitere Entwicklung angeht, äußerte sich Powell verhalten optimistisch. Unter der Annahme, dass es keine zweite Welle des Coronavirus gebe, rechne er mit einer stetigen Erholung im zweiten Halbjahr diesen Jahres. Die US-Wirtschaft werde sich erholen, sagte er. Der Prozess könne sich jedoch bis Ende 2021 hinziehen. Eine gänzliche Erholung sei jedoch wahrscheinlich erst möglich, wenn es einen Impfstoff gebe.

Der Einbruch sei kein Resultat einer tiefsitzenden Instabilität im Finanzsystem, wie beim Immobiliencrash und dem exzessiven Risikoverhalten von Banken, das zu der Weltwirtschaftskrise beitrug. Dass der Einbruch von einem externen Ereignis wie der Pandemie ausgegangen sei, bedeute, "wir können ziemlich schnell wieder zu einer gesunden Wirtschaft zurück". AP/dpa/CNN

Montag, 18. Mai, 4.45 Uhr: Wie Deutschland ist auch Japan im Zuge der Corona-Krise in eine Rezession gerutscht. Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im ersten Vierteljahr gegenüber dem Vorquartal um 0,9 Prozent, wie die Regierung in Tokio am Montag auf vorläufiger Basis bekannt gab. Auf das Jahr hochgerechnet sank das BIP um 3,4 Prozent. Die vor Deutschland drittgrößte Volkswirtschaft der Welt war bereits im Schlussquartal 2019 wegen Erhöhung der Mehrwertsteuer geschrumpft, und zwar nach neuesten Berechnungen um eine hochgerechnete Jahresrate von 7,3 Prozent. Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer "technischen Rezession".

Der Rückgang im ersten Quartal fiel geringer aus als von Ökonomen erwartet. Deutschland war noch deutlicher als Japan um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft. Doch wie in Deutschland befürchten Volkswirte auch für Japan, dass die Talsohle noch nicht erreicht ist. Einer Umfrage des Japan Center for Economic Research (JCER) unter Ökonomen zufolge dürfte Japans Wirtschaft im Quartal April bis Juni drastisch um weitere 5,8 Prozent zum Vorquartal beziehungsweise um eine hochgerechnete Jahresrate von 21 Prozent schrumpfen. Japan hatte erst am 7. April den Notstand ausgerufen, wobei das allerdings keine harte Abschottung wie in Europa bedeutete.

Freitag, 15. Mai, 11.45 Uhr: Die EU-Staaten haben sich auf Details des angekündigten Kurzarbeiterprogramms "Sure" geeinigt, das in der Corona-Krise Jobs retten soll. Vorgesehen ist, dass die EU-Kommission mit Garantien aus den Mitgliedsstaaten bis zu 100 Milliarden Euro Schulden am Kapitalmarkt aufnimmt und das Geld dann als preiswerte Kredite für Kurzarbeiterhilfen an EU-Staaten weitergibt.

Abgedeckt werden können Kosten seit dem 1. Februar. Sure ist Teil des 500-Milliarden-Euro-Pakets, das die EU-Finanzminister Anfang Februar ausgehandelt hatten. Die Staats- und Regierungschefs hatten das Paket bereits gebilligt und vorgegeben, dass alle Hilfen ab 1. Juni bereitstehen sollen.

Im Falle von Sure müssen die EU-Staaten zusammen 25 Milliarden Euro an Garantien hinterlegen, damit die EU-Kommission die 100 Milliarden Euro am Kapitalmarkt leihen kann. Die Garantiesumme wird nach der Wirtschaftsleistung der EU-Staaten aufgeteilt. Deutschland als größte Volkswirtschaft der EU übernimmt den größten Anteil. Gedacht sind die Hilfen aber vor allem für diejenigen EU-Staaten, die von der Pandemie und der Wirtschaftskrise am stärksten betroffen sind und die wegen hoher Verschuldung selbst nicht so günstige Konditionen am Kapitalmarkt bekommen wie die EU-Kommission. Dazu zählen zum Beispiel Italien und Spanien. dpa

Freitag, 15. Mai, 8.55 Uhr: Novartis-Chef Vasant Narasimhan mahnt dazu, realistisch zu bleiben bei der Suche nach einem Coronavirus-Impfstoff. "Optimistisch betrachtet, das heißt, wenn alles so läuft, wie wir es erhoffen, dürfte es 24 Monate dauern, bis wir einen Impfstoff haben", sagt er der FAZ. rtr

Freitag, 15. Mai, 8.40 Uhr: In China kommt die Industrie nach den coronabedingten Einschränkungen wieder auf Touren. Im April steigerte sie ihre Produktion mehr als doppelt so stark wie erwartet. Die Produktion wuchs um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt in Peking mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten im Schnitt lediglich mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent gerechnet nach einem Rückgang von 1,1 Prozent im März.

Die Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus hatten die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im ersten Quartal erstmals seit Beginn der Datenerhebung 1992 schrumpfen lassen.

Dass es noch ein weiter Weg zurück zur Normalität ist, zeigt freilich der Einbruch der Einzelhandelsumsätze. Diese sanken im April um 7,5 Prozent und damit etwas stärker als erwartet. Ein Grund für die Zurückhaltung der Verbraucher ist, dass viele Chinesen in der Krise ihren Job verloren haben. Die Arbeitslosenquote kletterte auch im April leicht, und zwar auf sechs Prozent. rtr

Freitag, 15. Mai, 5.20 Uhr: Die Corona-Krise wird der Weltwirtschaft in diesem Jahr Einbußen von 5,8 bis 8,8 Billionen Dollar bringen - das geht aus einer aktualisierten Schätzung der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) hervor. Das wären 6,4 bis 9,7 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Die Prognose ist pessimistischer als noch im April. Damals hatte die ADB noch globale Verluste von zwei bis 4,1 Billionen Dollar vorhergesagt. Inzwischen haben die Experten die Folgen der weitreichenden Corona-Restriktionen in ihre Rechnungen miteinbezogen. rtr

Donnerstag, 14. Mai, 23.41 Uhr: Nach Kritik rudert der französische Pharmakonzern Sanofi bei seiner Ankündigung zurück, mit einem möglichen Corona-Impfstoff zuerst die USA beliefern zu wollen. Sanofi werde sicherstellen, dass ein solches Mittel in allen Regionen der Welt zur gleichen Zeit verfügbar sei, sagte Verwaltungsrat-Chef Serge Weinberg dem Sender France 2. Der Pharmahersteller habe verschiedene Möglichkeiten zur Produktion. Einige davon seien in den USA, noch mehr davon aber in Europa und Frankreich.

Sanofi-Vorstandschef Paul Hudson hatte am Mittwoch der Nachrichtenagentur Bloomberg gesagt, die US-Regierung habe das Recht auf die größte Vorbestellung eines Impfstoffes, da sie das Risiko finanziell mittrage. Die USA erwarteten deshalb, dass sie die ersten Dosen eines möglichen Impfstoffes erhielten. Die französische Regierung hatte das kritisiert. "Es wäre natürlich inakzeptabel für uns, wenn das eine oder andere Land aus finanziellen Beweggründen einen privilegierten Zugang erhalten würde, insbesondere im aktuellen Kontext", hatte Wirtschafts-Staatssekretärin Agnès Pannier-Runacher erklärt.

Die Kontroverse wirft gleichwohl die Frage auf, ob Europa nicht zu langsam bei der Organisation und Finanzierung der Impfstoffforschung war. Sanofi hatte erklärt, dass die USA in dieser Hinsicht schneller gewesen seien. Das Unternehmen befinde sich in Gesprächen mit der EU sowie der französischen und der deutschen Regierung, um seine regionale Impfstoffentwicklung zu beschleunigen. Sanofi hat sich bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes mit der britischen GlaxoSmithKline zusammengetan und hofft, 2021 einen Impfstoff verfügbar zu haben. Beide Konzerne erhalten finanzielle Unterstützung von der staatlichen Organisation Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA) des US-Gesundheitsministeriums. rtr

Donnerstag, 14. Mai, 14.40 Uhr: In der Woche bis zum 9. Mai stellten in den USA knapp drei Millionen Menschen einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe. In den sieben Wochen zuvor hatten bereits mehr als 33 Millionen Menschen solche Hilfe beantragt - so viele wie nie zuvor in derart kurzer Zeit.

Vor der Corona-Krise hatten die Erstanträge in der größten Volkswirtschaft der Welt zuletzt meist unter 100 000 pro Woche gelegen. Die Anträge gelten als verlässlicher Indikator für die kurzfristige Entwicklung des US-Arbeitsmarkts.

Die US-Arbeitslosenquote lag im April bei 14,7 Prozent. Wegen Fehlern bei der Erhebung der Daten warnte die zuständige Behörde jedoch, dass die Quote bereits bei etwa 20 Prozent liegen dürfte. Es handelt sich um die dramatischste Lage am Arbeitsmarkt seit dem Zweiten Weltkrieg. Vor der Corona-Pandemie in den USA hatte die Arbeitslosenquote noch bei extrem niedrigen 3,5 Prozent gelegen.

Infolge der Pandemie hatten die meisten US-Bundesstaaten strikte Ausgangsbeschränkungen verhängt, weswegen viele Geschäfte, Fabriken und Restaurants schließen mussten. Seit Anfang des Monats lockern viele Bundesstaaten die Auflagen wieder - obwohl die Pandemie in vielen Landesteilen noch längst nicht unter Kontrolle scheint und Experten daher eindringlich vor übereilten Schritten warnen. Auf den Arbeitsmarkt dürften sich die Lockerungen aber positiv auswirken.

US-Präsident Donald Trump sagte in einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview mit dem Sender Fox Business mit Blick auf die Bundesstaaten: "Ich will, dass sie wieder öffnen, wenn sie können, wenn sie wollen." Das Land müsse wieder an die Arbeit gehen. Erneut versprach er eine baldige Erholung der Wirtschaft. "Es wird schnell gehen." Die verlorenen Jobs kämen zurück, versicherte er. Dem Land stehe wirtschaftlich ein großartiges nächstes Jahr bevor. Erneut brachte Trump auch mögliche Lohnsteuererleichterungen ins Spiel, um die Wirtschaft anzukurbeln. Details nannte er jedoch nicht. dpa

Donnerstag, 14. Mai, 8:55 Uhr: Der Zahlungsdienstleister Wirecard ist zum Jahresauftakt nicht so rasch gewachsen wie bisher. Der Umsatz kletterte im ersten Quartal um knapp ein Viertel auf 700,2 Millionen Euro, wie der Dax-Konzern auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Der Betriebsgewinn (Ebitda) stieg um 26 Prozent auf 199,2 Millionen Euro. In jedem Quartal des vergangenen Jahres hatte Wirecard Umsatz und Gewinn jeweils deutlich stärker ausgebaut, teilweise um mehr als 40 Prozent. Die Aktien lagen im frühen Geschäft mehr als drei Prozent im Minus.

Finanzchef Alexander von Knoop sagte, Wirecard habe die Folgen der Corona-Krise im Geschäft mit Flug- und Reisekonzernen zu spüren bekommen. Die negativen Effekte seien aber durch Zuwächse im Geschäft mit Konsum- und Digitalgütern ausgeglichen worden. Von Knoop bestätigte die Prognose, im Gesamtjahr ein Ebitda von 1,0 bis 1,12 Milliarden Euro zu erzielen. Die endgültigen Geschäftszahlen für das erste Quartal will Wirecard am 16. Juni veröffentlichen. Am 4. Juni soll der Jahresabschluss 2019 präsentiert werden.

Der Konzern aus dem Münchener Vorort Aschheim steht zur Zeit unter Druck: Nach einer missglückten Kommunikation im Rahmen einer Bilanzsonderprüfung durch KPMG wurde vom Aufsichtsrat entschieden, dass sich Vorstandschef Markus Braun, der rund sieben Prozent der Anteile an Wirecard hält, künftig nur noch um strategische Themen kümmern soll. Die Fondgesellschaft Deka sowie andere Investoren fordern den Rücktritt Brauns. Wirecard steht im Visier der Finanzaufsicht BaFin, zudem gibt es Schadensersatzklagen von Anlegern. Reuters

Donnerstag, 14. Mai, 6.35 Uhr:

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) pocht auf Gegenleistungen wie einer Beschäftigungssicherung, falls der Staat in der Corona-Krise Unternehmen wie der Lufthansa oder Tui unter die Arme greift. "Wenn der Staat hilft, müssen unterm Strich mehr Arbeitsplätze erhalten bleiben", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann der Neuen Osnabrücker Zeitung. Stille Beteiligungen ohne Gegenleistungen seien "eine einseitige Vollkaskoversicherung für die Kapitaleigentümer, bei der die Interessen der Beschäftigten auf der Strecke bleiben", warnte Hoffmann. Leistung könne es nur mit Gegenleistung geben.

Die Lufthansa ist wegen der Folgen der Corona-Pandemie stark unter Druck geraten und verhandelt derzeit mit dem Bund über Staatshilfe in Höhe von neun Milliarden Euro. Im Gegenzug sind eine Staatsbeteiligung von rund 25 Prozent sowie Aufsichtsratsmandate im Gespräch. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte vor einem zu großen staatlichen Einfluss auf den Konzern gewarnt. Der weltgrößte Reisekonzern Tui bekommt über die staatliche Förderbank KfW einen Kredit von 1,8 Milliarden Euro, Vorstandschef Fritz Joussen kündigte am Mittwoch den Abbau Tausender Jobs an.

Hoffmann sagte, eine Staatsbeteiligung könne auch als längerfristiges Engagement Sinn ergeben. Dies könne etwa für strategisch wichtige Unternehmen gelten, die besonders große strukturelle Herausforderungen meistern müssten und die notwendigen Investitionen in die Transformation nicht am Markt bestreiten könnten. "Wir sollten deshalb ohne Scheuklappen diskutieren, welchen Beitrag der Wirtschaftsstabilisierungsfonds bei dieser Frage längerfristig leisten kann." dpa

Mittwoch, 13. Mai, 15.00 Uhr: In vielen Läden gehören sie nun zur Standardeinrichtung - durchsichtige Kunststoffplatten sind in der Corona-Krise als Hygieneschutzmaßnahme stark gefragt. Der Branche beschere das eine beispiellose Auftragslage, sagte Joachim Wehmeyer vom Einkaufs-Verband Deutscher Kunststoffhändler (EVDK). Durch die Wertschöpfungskette hinweg sei man davon überrascht worden. Nun gebe es in ganz Europa kein Material mehr.

Kunststoffplatten werden derzeit an vielen Orten eingebaut: in Restaurants und Cafés ebenso wie in Altersheimen, Schulen, Firmen und Geschäften.

Die Händler seien wegen der gestiegenen Nachfrage teilweise mit Lieferzeiten seitens der Industrie von bis zu einem halben Jahr konfrontiert und bedienten sich aus den Beständen, bereits zuvor platzierten Bestellungen oder Rahmenverträgen, so der EVDK. Die Produktionskapazitäten der Industrie seien maximal ausgelastet.

Der Deutsche Ladenbau-Verband klagte angesichts stark gestiegener Preise für das Material über "Raubrittertum".

In den kommenden Monaten rechne man nicht mit einer Abnahme der Nachfrage, hieß es vom EVDK. Ein Grund für diese Einschätzung sei, dass die Kunststoffplatten schon nach ein paar Monaten ersetzt werden müssten. Acrylglas eigne sich langfristig nicht für die Behandlung mit Desinfektionsmittel, zeige nach einiger Zeit Spannungsrisse und werde milchig.

Mittwoch, 13. Mai, 7.15 Uhr: Der Tui-Konzern steht nach den üblichen Verlusten im Winter vor einer extrem schwierigen Sommersaison 2020 und will mehrere Tausend Jobs abbauen. Wegen der Unsicherheiten durch die Corona-Krise müsse man die Verwaltungskosten beim größten Reiseanbieter der Welt um 30 Prozent drücken, sagte Vorstandschef Fritz Joussen am Mittwoch zur Vorlage der Zahlen für das abgelaufene erste Geschäftshalbjahr in Hannover. "Weltweit wird das Auswirkungen auf rund 8000 Stellen haben, die wir nicht besetzen oder abbauen."

Von Oktober bis März war das bereinigte Ergebnis von Tui vor Zinsen und Steuern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 175 Prozent auf minus 828,7 Millionen Euro abgerutscht. Verluste in dieser Zeit sind in der Branche an sich typisch, die Unternehmen verdienen das meiste Geld im Sommer. Dieser bringt im laufenden Jahr aber besondere Probleme: Im März musste Tui sein Programm zunächst einstellen, weltweit gibt es weiter Reisebeschränkungen, das Sommerprogramm ist nur zu 35 Prozent ausgebucht. Der Konzern sicherte sich in Deutschland einen staatlich garantierten Überbrückungskredit von 1,8 Milliarden Euro. Aktuell verfüge das Unternehmen über 2,1 Milliarden Euro liquider Mittel. dpa/rtr

Dienstag, 12. Mai, 8.45 Uhr: Europas größter Billigflieger Ryanair will seinen Flugbetrieb zum Sommer wieder deutlich hochfahren. Ab 1. Juli sollen 40 Prozent der regulären Flüge wieder stattfinden, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Voraussetzung sei, dass die Regierungen die Reisebeschränkungen für Flüge innerhalb der EU lockern und an den Flughäfen Sicherheitsmaßnahmen zum Gesundheitsschutz eingeführt würden. Täglich würde Ryanair nach eigenen Angaben dann fast 1000 Flüge anbieten und damit 90 Prozent der Strecken abdecken, die die Airline vor der Corona-Krise angesteuert hatte.

Seit Ende März hat Ryanair den Großteil seines Flugbetriebs eingestellt und bietet derzeit täglich nur rund 30 Flüge zwischen Irland, Großbritannien und Kontinentaleuropa an.

Um die Übertragung des Coronavirus zu verhindern, sollen die Passagiere am Flughafen und an Bord laut Ryanair Gesichtsmasken tragen. Zudem sollen sie der Airline bei Flügen im Juli und August am Check-in ihre Kontaktdaten und die Dauer ihres Aufenthalts nennen. Ryanair plädiert zudem dafür, dass die Passagiere schon beim Betreten des Flughafens auf ihre Körpertemperatur überprüft werden. dpa

Tesla startet Produktion entgegen Behördenanweisung

Dienstag, 12. Mai, 1.25 Uhr: Tesla-Chef Elon Musk will das Hauptwerk in Kalifornien umgehend wieder hochfahren und eskaliert damit seinen Streit mit den Behörden um Corona-Einschränkungen. Er werde selbst an der Produktionslinie sein, schrieb Musk bei Twitter. "Wenn jemand festgenommen wird, werde ich darum bitten, dass es nur ich bin."

Im Alameda County, in dem sich das Tesla-Werk in Fremont befindet, gelten weiterhin Ausgehbeschränkungen, die eine Ausbreitung des Coronavirus verhindern sollen. Tesla hatte am Wochenende eine Klage dagegen eingereicht - und Musk hatte gedroht, den Firmensitz des Elektroauto-Herstellers von Kalifornien zum Beispiel nach Texas oder Nevada zu verlegen. Kaliforniens Gouverneur Gavon Newsom hatte kurz vor Musks Tweet eine Wiederaufnahme der Produktion möglicherweise in der kommenden Woche in Aussicht gestellt. Musk sagte auf eine Nachfrage hin via Twitter, dass das County eine Entscheidung des Staates Kalifornien zur Öffnung der Fabrik außer Kraft gesetzt habe. Der Bezirk unterrichtete Tesla am Montag, dass das Werk nur "minimale, wesentliche Grundoperationen" ausführen dürfe, bis ein genehmigter Plan zur Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung des Virus vorliege.

Musk hatte die Coronavirus-Gefahr von Anfang an heruntergespielt und vergangene Woche die Ausgehbeschränkungen im Alameda County als "faschistisch" beschimpft. In Fremont werden die mit Abstand meisten Fahrzeuge von Tesla gebaut, während die Produktion in dem neuen zweiten Werk in China gerade erst hochgefahren wird. dpa/Reuters

Montag, 11. Mai, 19.30 Uhr: Die angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof informiert ihre Angestellten über bevorstehende Standortschließungen und einen weiteren Stellenabbau im Zuge des Anfang April eingeleiteten Schutzschirmverfahrens.

In einem Brief an die Mitarbeiter berichtete die Unternehmensführung am Montag, der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz hätten klargemacht, dass es angesichts der Corona-Krise "leider auch zu Standortschließungen und dementsprechend auch zu einem Arbeitsplatzabbau kommen muss". Angaben zur Zahl der bedrohten Filialen oder der gefährdeten Arbeitsplätze machte das Unternehmen nicht.

In dem zweiseitigen Schreiben betonte die Konzernführung, Galeria Karstadt Kaufhof habe während der Zeit der Komplettschließungen mehr als eine halbe Milliarde Euro an Umsatz verloren. Aufgrund der anhaltenden Kaufzurückhaltung werde sich der Umsatzverlust wahrscheinlich sogar noch auf bis zu eine Milliarde Euro erhöhen. Deshalb seien weitere Sanierungsmaßnahmen nötig.

Bei der Gewerkschaft Verdi sorgte der Mitarbeiterbrief für Empörung. Der Verdi-Fachbereichsleiter Einzelhandel, Orhan Akman, sagte: "Es ist ein Armutszeugnis, dass den Insolvenzverwaltern und der Unternehmensführung nichts anderes einfällt, als die Axt an die Personalkosten zu legen und Filialen zu schließen." Das Unternehmen solle lieber Wege finden, Beschäftigten und Filialen eine Zukunft zu bieten, verlangte der Gewerkschafter.

Montag, 11. Mai, 13 Uhr: Der Bund will die Deutsche Bahn mit einem Zuschuss von fast sieben Milliarden Euro über die Corona-Krise retten. Mit dieser Eigenkapital-Erhöhung sollen mehr als die Hälfte des erwarteten Schadens von bis zu 13,5 Milliarden Euro ausgeglichen werden, heißt es in einem Konzeptpapier von Bahn, Verkehrs- und Finanzministerium, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Eine erste Tranche von 4,5 Milliarden Euro solle demnach schon in den kommenden Wochen fließen. Voraussetzung sei aber, dass die EU-Kommission dem im Rahmen einer Beihilfe-Prüfung zustimme. Dies gilt wegen möglichen Einflusses auf den Wettbewerb auf der Schiene nicht als sicher.

Bis 2024 rechnet das Unternehmen mit Einbußen zwischen elf und im schlechteren Szenario von 13,5 Milliarden Euro. Bis zu fünf Milliarden Euro sollen allein bei der Bahn in Deutschland durch Sparen bei Personal und Sachaufwand aufgebracht werden, heißt es in dem Papier, über das zuerst die Funke-Mediengruppe berichtet hatte. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft lehnt dies ab. Auch der Konzernbetriebsrat ist der Auffassung, der Eigentümer müsse eine Finanzierung bereitstellen, die den laufenden Betrieb und die laufenden Investitionsprogramme sichere. Die Mitarbeiter hielten mit hohem persönlichen Einsatz den Betrieb aufrecht, hob der Vorsitzende Jens Schwarz hervor. "Die Folgen der Corona-Krise dürfen nicht auf den Rücken der Kolleginnen und Kollegen ausgetragen werden."

Neben Einsparungen bei Personal und Sachaufwand soll der bisherige Schuldendeckel des Staatskonzerns von gut 25 Milliarden Euro aufgehoben werden. Die Bahn werde 2020 daher Anleihen im Wert von drei Milliarden Euro ausgeben. Die bisher geplanten Hybrid-Anleihen, die bilanziell nicht als Schulden galten, wird es wegen der höheren Zinssätze in der Corona-Krise nicht geben. Reuters/dpa

VW-Absatz in Deutschland fällt im April um 67 Prozent

Montag, 11. Mai, 9.05 Uhr: Volkswagen hat im April wegen der Corona-Krise in Deutschland zwei Drittel weniger Fahrzeuge verkauft. Damit habe sich der Heimatmarkt verglichen mit anderen europäischen Ländern noch einigermaßen gut gehalten, sagte VW-Marken-Vertriebschef Jürgen Stackmann am Montag bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Europaweit sei der Absatz der Marke VW um mehr als 83 Prozent eingebrochen. In den am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich seien im vergangenen Monat fast gar keine Autos verkauft worden.

In den USA schlug VW 35 Prozent weniger Fahrzeuge los als im Vorjahresmonat. In China, wo die Lungenkrankheit ihren Ausgang genommen hatte, sanken die Verkäufe - nach starken Rückgängen in den Monaten davor - im April nur noch um 2,5 Prozent. "Wir rechnen im Mai damit, das Vorjahresniveau wieder zu erreichen", sagte Stackmann mit Blick auf die Erholung in China.

Um den Vertrieb in Deutschland und Europa anzukurbeln, will die Hauptmarke des Wolfsburger Konzerns einen hohen zweistelligen Millionenbetrag ausgeben, unter anderem für günstige Leasing- und Finanzierungskonditionen und Angebote wie einen monatlichen Ratenschutz bei Verlust des Arbeitsplatzes. Reuters

Bericht: Bund vor milliardenschweren Stützungsmaßnahmen für die Bahn

Montag, 11. Mai, 3.25 Uhr: Der Bund plant einem Medienbericht zufolge milliardenschwere Hilfen für die Bahn, um die Schäden aus der Corona-Pandemie auszugleichen. Das berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf ein Konzept, das die Bahn mit dem Finanzministerium und dem Verkehrsministerium ausgearbeitet habe. Geplant sei eine Eigenkapitalerhöhung. Zudem solle die Verschuldungsgrenze des bundeseigenen Konzerns erhöht werden. Im Gegenzug sage die Bahn massive Einsparungen bei Personal- und Sachkosten zu. Bei der Bahn war auf Anfrage zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Die Einbußen für die Bahn einschließlich der Beteiligungen Arriva und Schenker würden für den Zeitraum 2020 bis 2024 in einem Basisszenario mit 11,0 Milliarden Euro und in einem "negativeren Szenario" mit 13,5 Milliarden Euro beziffert. Auf den Systemverbund Bahn würden dabei 8,2 beziehungsweise 10,2 Milliarden Euro entfallen. Die Hälfte davon solle die Bahn durch "Gegensteuerungsmaßnahmen" erbringen. So solle es etwa 2020 für den Vorstand keinen Bonus geben. Zudem würden kurz- und langfristige Sparmaßnahmen bei Mitarbeitern von Kurzarbeit bis hin zur Überprüfung der Personalplanung genannt. Reuters

© SZ.de/vit/bix/hgn
Ralf Fleischer, Stadtsparkasse München, Vorstand

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