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Coronavirus und die Wirtschaft:Kleines Jobwunder in den USA

Lage am US-Arbeitsmarkt verschlechtert sich dramatisch

Der US-Arbeitsmarkt steht im Mai bei weitem nicht so schlecht da wie von Ökonomen in Prognosen befürchtet worden war.

(Foto: John Minchillo/dpa)

Überraschung am US-Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit ist anders als erwartet im Mai gesunken. 2,5 Millionen Stellen entstanden neu.

Hier finden Sie aktuelle Meldungen aus der Wirtschaft in chronologischer Reihenfolge, die neuesten Nachrichten stehen an erster Stelle.

Arbeitslosenrate in den USA fällt überraschend

Freitag, 5. Juni 15.30 Uhr: Die Arbeitslosenquote in den USA ist trotz der anhaltenden Folgen der Viruskrise unerwartet gesunken. Sie ging im Mai auf 13,3 Prozent von 14,7 Prozent im April zurück, wie die Regierung mitteilte. Experten hatten mit einem Anstieg auf knapp 20 Prozent gerechnet. Wie aus einer getrennt ermittelten Umfrage hervorgeht, wurden im vorigen Monat rund 2,5 Millionen Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen.

Die Corona-Pandemie hat den jahrelangen Boom auf dem US-Jobmarkt abrupt beendet und zu Massenarbeitslosigkeit geführt: In der vergangenen Woche stellten 1,9 Millionen Bürger einen Antrag auf staatliche Stütze. In den Wochen zuvor lag die Zahl der Erstanträge stets bei mehr als zwei Millionen.

An der Börse sorgte die Nachricht von der Erholung am Arbeitsmarkt für einen kräftigen Kursaufschwung. Die Wall Street eröffnete gut zweieinhalb Prozent höher bei knapp 27 000 Punkten. Der Dax in Deutschland legte in gleicher Größenordnung zu. Der Ölpreis für die Nordseesorte Brent verteuerte sich um knapp fünf Prozent auf 41,87 Dollar für ein Fass. Reuters

Deutsche Wohnen muss Tausende Mieten senken

Freitag, 5. Juni, 12.45 Uhr: Das Immobilienunternehmen muss wegen des Berliner Mietendeckels im November Tausende Mieten in der Hauptstadt senken. Nach dem Gesetz sind dann Bestandsmieten zu reduzieren, die mehr als 20 Prozent über der zulässigen Obergrenze liegen. "Hiervon sind circa 30 Prozent unserer Berliner Mietverhältnisse betroffen", sagte Vorstandsmitglied Lars Urbansky.

Das Unternehmen rechnet in diesem Jahr mit Mietausfällen von neun Millionen Euro durch das Gesetz, im nächsten Jahr sind es 30 Millionen Euro. Bundesweit hatte der Konzern im vergangenen Jahr Mieteinnahmen in Höhe von 862 Millionen Euro.

116 000 von 160 000 Wohnungen des Konzerns liegen in Berlin. Eine Abkehr von ihrem wichtigsten Markt plant die Deutsche Wohnen nicht. "Wir werden hier auch in Zukunft weiterhin ein starkes Standbein haben", sagte Vorstandschef Michael Zahn bei der Hauptversammlung. Bei Neubauprojekten stehen aber auch süddeutsche Städte wie München und Stuttgart im Blick. dpa

Wiesenhof-Mitarbeiterin erkrankt an Covid-19

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Freitag, 5. Juni, 11.37 Uhr: Eine Mitarbeiterin des Schlacht- und Zerlegebetriebs Oldenburger Geflügelspezialitäten in Lohne ("Wiesenhof") ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nach Angaben des Landkreises Vechta befindet sich die Frau in Quarantäne. Sie zeige keine Symptome und sei in einer Privatwohnung untergebracht, nicht in einer Sammelunterkunft. Auch für Angehörige und enge Kontaktpersonen wurde eine Quarantäne angeordnet. Insgesamt lagen am Freitag 581 Testergebnisse aus dem Betrieb vor. Die noch ausstehenden Ergebnisse sollen am Samstag vorliegen.

Die Frau wurde zusammen mit ihren Arbeitskollegen im Zusammenhang mit den vom Land angeordneten Reihenuntersuchungen für Mitarbeiter der Fleischindustrie getestet. Die Testergebnisse der Arbeitskollegen seien allesamt negativ. Sicherheitshalber seien sie nach dem positiven Testergebnis aber nochmals auf das Virus untersucht worden, um auszuschließen, dass sie sich in der Zwischenzeit infiziert haben, erklärte der Landkreis. Die Frau habe sich wahrscheinlich bei einem privaten Treffen in einem anderen Landkreis angesteckt, nicht auf der Arbeit. dpa

Elon Musk fordert die Zerschlagung von Amazon

Freitag, 5. Juni, 9.15 Uhr: Tesla-Chef Elon Musk hat sich nach kurzer Twitter-Auszeit mit der Forderung nach einer Zerschlagung des weltgrößten Onlinehändlers Amazon im Kurznachrichtendienst zurückgemeldet. "Es ist an der Zeit, Amazon aufzuspalten. Monopole sind unrecht!", schrieb der 48-Jährige. Musk empörte sich, dass Amazon angeblich den Verkauf eines Buchs ablehnte, das sich mit der Corona-Pandemie befasst. "Das ist verrückt", erklärte er und adressierte den Twitter-Account von Amazon-Chef Jeff Bezos.

Musk ist ein großer Kritiker der Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, wegen der zu seinem großen Ärger unter anderem auch Teslas Produktion zwischenzeitlich gestoppt werden musste. Ende April hatte er gefordert, den Menschen "ihre gottverdammte Freiheit" zurückzugeben und die Lockdown-Maßnahmen sogar als "faschistisch" bezeichnet. Die Tech-Milliardäre Musk und Bezos sind in einigen Geschäftsbereichen Rivalen, sie konkurrieren vor allem mit ihren Weltraumfirmen SpaceX und Blue Origin. Zudem stützt Amazon den Tesla-Kontrahenten Rivian als Investor. dpa

Sachverständigenrat senkt Konjunkturprognose deutlich

Freitag, 5. Juni, 7.50 Uhr: Die sogenannten Wirtschaftsweisen werden ihre im März aufgestellte Konjunkturprognose für Deutschland angesichts der inzwischen größeren Ausmaße der Corona-Pandemie nach unten korrigieren. Das kündigte der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Lars Feld, in den Zeitungen der Funke Mediengruppe an. "Der Lockdown hat länger gedauert, und die Außenwirtschaft wird härter getroffen als erwartet. Vor allem im Hinblick auf die USA waren wir deutlich zu optimistisch", sagte der Freiburger Wirtschaftsprofessor. "Wir haben in diesem Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts zu erwarten, der voraussichtlich zwischen minus sechs Prozent und minus sieben Prozent liegen wird." Im März hatten die Regierungsberater, auch "Wirtschaftsweisen" genannt, drei Szenarien vorgelegt, wonach im günstigen Fall die Wirtschaftsleistung um 2,8 Prozent sinkt und bei einer negativeren Entwicklung um 5,4 Prozent. Zuletzt bewegten sich die Prognosen verschiedener Ökonomen und Wirtschaftsverbände für Deutschland zwischen einem Konjunkturminus von sieben und zehn Prozent in diesem Jahr. dpa

EZB weitet Notfallprogamm drastisch aus

Donnerstag, 4. Juni, 13.55 Uhr: Angesichts des Konjunktureinbruchs im Zuge der Corona-Pandemie weitet die EZB ihr Notfallprogramm kräftig aus. Sie erhöhte das Volumen ihrer dafür eingesetzten Anleihenkäufe von bislang 750 Milliarden auf 1,35 Billionen Euro. Wie die EZB nach ihrer geldpolitischen Sitzung am Donnerstag weiter mitteilte, soll das bislang bis Jahresende terminierte sogenannte Pandemic Emergency Purchase Programme - kurz PEPP - bis mindestens Ende Juni 2021 verlängert werden. Den Leitzins ließen die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde unverändert bei null Prozent. Reuters/dpa

Auto-Aktien verlieren deutlich

Donnerstag, 4. Juni, 9.45 Uhr: Der Dax geht mit einem leichten Minus in den Handel: Im frühen Geschäft verlor der Börsenindex ein halbes Prozent auf 12 423 Punkte. Deutlicher rutschten die Kurse der Autohersteller ab, da sich die Industrielobby mit ihrer Forderung nach einer umfassenden Kaufprämie nicht durchsetzen konnte: Der Kauf von Fahrzeugen mit Benzin- und Dieselmotoren wird nicht gefördert, dafür umso mehr der von Elektrofahrzeugen.

Auch wenn die Autoindustrie natürlich trotzdem von der geplanten Senkung der Mehrwertsteuer profitiert, verloren die Aktien von Daimler, Volkswagen und BMW deutlich, Daimler gaben mehr als vier Prozent ab, VW und BMW büßten rund zwei Prozent ein.

Die Papiere der Lufthansa verloren in der gleichen Größenordnung. Die Anleger bereiten sich auf ein mögliches Ausscheiden der Fluglinie aus dem Dax vor: Die jüngsten Ranglisten der Deutschen Börse deuteten darauf hin, dass an diesem Donnerstagabend die Entscheidung fällt. Möglicherweise wird sie durch den Berliner Immobilienkonzern Deutsche Wohnen ersetzt. Umgesetzt würden die Änderungen zum 22. Juni dieses Jahres

Die Deutsche Börse überprüft regelmäßig die Zusammensetzung ihrer Aktienindizes. Maßgeblich für die Zugehörigkeit zum Kreis der 30 Dax-Konzerne sind Börsenumsatz (Handelsvolumen) und Börsenwert (Marktkapitalisierung) eines Unternehmens.

Bei der Lufthansa schlägt nicht nur der zuletzt schwache Aktienkurs ins Kontor, sondern auch der gesunkene Streubesitz. Denn im März war der Münchner Unternehmer und Milliardär Heinz Hermann Thiele über seine Investmentholding KB Holdings als Großaktionär bei der Fluglinien eingestiegen. Sein Anteil beträgt inzwischen zehn Prozent.

Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes exakt nachbilden (ETFs). Dort muss dann entsprechend umgeschichtet werden, was in der Regel Einfluss auf die Aktienkurse hat. dpa/Reuters

Amazon-Angestellte klagen gegen Amazon

Donnerstag, 4. Juni, 05:14 Uhr: Angestellte von Amazon haben in den USA gegen den Online-Riesen Klage wegen unzureichender Corona-Schutzmaßnahmen eingereicht. Laut Anklageschrift habe Amazon im Umschlagszentrum JFK8 zugunsten der Produktivität die Sicherheit der etwa 5000 Mitarbeitern gefährdet. Amazon habe die Angestellten gezwungen, mit "schwindelerregendem Tempo" zu arbeiten, auch wenn diese dadurch daran gehindert wurden, Abstandsregeln einzuhalten, sich die Hände zu waschen und ihre Arbeitsplätze regelmäßig zu desinfizieren. Eine Mitarbeiterin sagte, sie habe im März positiv auf Covid-19 getestet und mehrere Haushaltsmitglieder angesteckt, darunter einen Cousin, der am 7. April an den Folgen der neuartigen Lungenkrankheit gestorben sei. Amazon reagierte nicht sofort auf Anfragen zur Stellungnahme. Reuters

Berliner Flughafen Tegel bleibt am Netz

Mittwoch, 3. Juni, 14.45 Uhr: Der Berliner Flughafen Tegel wird nun doch nicht vorübergehend geschlossen. Man rechne wieder mit steigenden Passagierzahlen, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Mittwoch. Beide Berliner Flughäfen - Tegel und Schönefeld - würden gebraucht. "Damit schaffen wir unter Corona-Bedingungen den notwendigen Platz", sagte Lütke Daldrup. Zuvor hatte die Bundesregierung angekündigt, ihre Reisewarnung für 29 europäische Länder am 15. Juni aufzuheben. An diesem Tag sollte Tegel eigentlich vorübergehend vom Netz gehen. Da wegen der Corona-Beschränkungen kaum noch Menschen flogen, wollte Lütke Daldrup aus Kostengründen schon seit März den Berliner Luftverkehr am Flughafen Schönefeld konzentrieren. Der Bund gab seinen Widerstand aber erst vor zwei Wochen auf.

Bedingung war jedoch, dass jederzeit der Flugbedarf der Hauptstadtregion sichergestellt werden kann und das keine Probleme beim Regierungsflugbetrieb entstehen. In aller Eile wurde daher damit begonnen, das neue Regierungsterminal am künftigen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld fertig einzurichten. Der innenstadtnahe Berliner Flughafen Tegel war mit mehr als 24 Millionen Fluggästen im vergangenen Jahr unter den deutschen Standorten die Nummer vier nach Frankfurt, München und Düsseldorf. Schönefeld an der südöstlichen Stadtgrenze in Brandenburg ist kleiner, dort waren es gut elf Millionen Passagiere.

Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg hat durch die Krise mit Einnahmeausfällen in dreistelliger Millionenhöhe zu kämpfen. Ende des Jahres soll Tegel ohnehin endgültig vom Netz gehen. Nach mehreren geplatzten Terminen ist geplant, dass am 31. Oktober der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnet wird und am 8. November die letzte Maschine in Tegel abhebt. Daher hätte die vorübergehende Schließung auch den endgültigen Abschied von dem Flughafen bedeuten können. dpa

Lufthansa macht zwei Milliarden Euro Verlust

Mittwoch, 3. Juni, 7.01 Uhr: Der Geschäftseinbruch durch die Corona-Pandemie hat der Lufthansa im ersten Quartal einen hohen Verlust eingebrockt. Von Januar bis März summierte sich der Fehlbetrag nach Steuern und Abschreibungen auf 2,1 Milliarden Euro, teilte die Lufthansa mit. Hauptgrund für die schlechten Zahlen sind die Einschränkungen durch die Corona-Krise, ein Großteil der Lufthansa-Flugzeuge musste über Wochen am Boden bleiben. In das Konzernergebnis floss aber auch ein erwarteter Verlust bei Termingeschäften mit Treibstoff in Höhe von 950 Millionen ein. Die Lufthansa nahm zudem Abschreibungen auf 50 dauerhaft stillgelegte Flugzeuge sowie auf andere Firmenwerte vor.

Die Corona-Pandemie hat den Luftverkehr weltweit seit März weitgehend lahmgelegt. Die Airline-Gruppe muss wegen dieses Schocks mit staatlichen Finanzhilfen vor der Pleite gerettet werden. Der Rettungsplan sieht vor, dass der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds sich über Aktien mit 20 Prozent am Grundkapital der Fluggesellschaft beteiligt. Zudem sind stille Einlagen von insgesamt bis zu 5,7 Milliarden Euro sowie ein Kredit in Höhe von bis zu drei Milliarden Euro geplant. Am Montag stimmte der Aufsichtsrat der Lufthansa auch den von der EU-Kommission gestellten Auflagen für das staatliche Rettungspaket zu: Die EU-Auflagen verpflichten den Konzern, an seinen Drehkreuzen in Frankfurt und München jeweils einem Wettbewerber bis zu 24 Start- und Landerechte für jeweils bis zu vier Flugzeuge zu übertragen. Der nächste Schritt ist die Zustimmung der Hauptversammlung am 25. Juni zum Rettungsplan samt Auflagen. Reuters/dpa

Union will mit SPD über Konjunkturpaket in aller Ausführlichkeit sprechen

Dienstag, 2. Juni, 14.20 Uhr: Die Union hat den Koalitionspartner SPD nach Informationen der Süddeutschen Zeitung um mehr Zeit für die Beratungen des geplanten Konjunkturpakets gebeten. CDU und CSU wollten "nichts überstürzen, sondern genau über alles sprechen", bestätigten Unionskreise. Man wolle am Dienstag bis 23 Uhr beraten und die Gespräche am Mittwochvormittag fortsetzen. "Wir wollen keinen Zeitdruck" hieß es weiter aus der Union. "Fest steht nun: Der Koalitionsausschuss endet am späten Abend und wird Mittwochvormittag fortgesetzt", twitterte Sprecher Hero Warrings.

Union und SPD ringen um Maßnahmen, mit denen die Wirtschaft angekurbelt und die Folgen des vom Coronavirus ausgelösten Pandemie gemildert werden können. Die Regierungspartner haben Forderungen aufgelistet, die sich auf bis zu 160 Milliarden Euro summieren. Nicht alle davon sollen umgesetzt werden. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) will deutlich unter der 100-Milliarden-Euro-Marke bleiben. von Cerstin Gammelin

Ifo ermittelt Rekordwert bei der Kurzarbeit

Dienstag, 2. Juni, 8.10 Uhr: Wegen der Corona-Krise ist die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland dem Ifo-Institut zufolge im Mai auf 7,3 Millionen gestiegen. "Diese Zahl war noch nie so hoch", sagte Ifo-Arbeitsmarktexperte Sebastian Link am Dienstag. "In der Finanzkrise lag der Gipfel der Kurzarbeit im Mai 2009 bei knapp 1,5 Millionen Menschen." Ursprünglich wurden von den Unternehmen sogar 10,1 Millionen Beschäftigte angemeldet. Tatsächlich seien davon 71,6 Prozent in Kurzarbeit geschickt worden, ergab die Auswertung einer Umfrage unter Tausenden Unternehmen.

"Im Gegensatz zur Finanzkrise, als über 80 Prozent der Kurzarbeiter in der Industrie beschäftigt waren, wird Kurzarbeit in der Corona-Krise über fast alle Wirtschaftszweige hinweg eingesetzt", erklärte das Institut. Allein bei den wirtschaftsnahen Dienstleistern sind demnach 2,4 Millionen Menschen in Kurzarbeit, fast ein Viertel der Beschäftigten. In der Industrie zählte das Institut 2,2 Millionen Menschen und damit 31 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit, im Handel 1,3 Millionen und somit 29,7 Prozent der Beschäftigten. Besonders gering liegt die Zahl im Hoch- und Tiefbau mit 163 000 oder 4,1 Prozent. Für die übrigen Wirtschaftszweige schätzen die Münchner Forscher die Kurzarbeit auf 1,3 Millionen Menschen oder 11,3 Prozent der Beschäftigten. Reuters

Deutsche Manager kehren mit Sonderflügen nach China zurück

Samstag, 30. Mai, 5.50 Uhr: Hunderte deutsche Manager, Angestellte und deren Angehörige kehren mit einer Sondergenehmigung nach China zurück. Mit einem ersten Sonderflug sind rund 200 in China tätige Vertreter der deutschen Wirtschaft oder Angehörige, die durch die Corona-Pandemie in Deutschland feststeckten, am Samstag in Tianjin gelandet. Bei einem der Passagieren wurde das Coronavirus nachgewiesen. Obwohl der 34-Jährige wie alle anderen Insassen vor dem Abflug in Frankfurt getestet worden war, fiel eine weitere Untersuchung nach Ankunft in der nordchinesischen Stadt Tianjin positiv aus. Nach Angaben der städtischen Gesundheitskommission von Sonntag hat der Ingenieur keine Symptome. Trotzdem wurde er zur medizinischen Beobachtung in eine Quarantäneeinrichtung gebracht.

In der nordchinesischen Metropole unweit von Peking müssen die meisten Heimkehrer - je nach Zielort in China - zwei Wochen in Quarantäne, bevor sie weiterreisen können. Der Lufthansa-Charterflug war von der deutschen Handelskammer in China in Zusammenarbeit mit der Botschaft und der chinesischen Seite organisiert worden. Rund 2000 bis 2500 Personen haben ihr Interesse bekundet, nach China zurückzukehren.

Es handelt sich um die ersten Rückflüge ausländischer Staatsbürger von Europa nach China seit Einführung von Sperrmaßnahmen angesichts der Corona-Pandemie. Die Regierung in Peking hat zwar praktisch für alle Ausländer ein Einreiseverbot verhängt - doch internationale Konzerne streben an, ihren Betrieb in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde wiederaufzunehmen. Daher gab es für die Passagiere eine Ausnahme vom Einreisestopp.

Dies sei ein wichtiger Schritt, um die Volkswirtschaften Chinas und Deutschlands wieder miteinander zu verbinden, wurde Jens Hildebrandt, Exekutivdirektor der deutschen Handelskammer in Nordchina, in einer Pressemitteilung zitiert. Es sei im gemeinsamen Interesse, einen Beitrag zu leisten, die Wirtschaft wieder zur Normalität und auf ein Niveau zurückzuführen, das vor der Corona-Krise gängig gewesen sei. AP/dpa

© SZ/hgn

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