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Staatshilfe für Unternehmen:Kurzarbeit für Kapital

Lufthansa Technik - Werkstatt

Arbeit und Kapital zusammen steigern das Bruttoinlandsprodukt: Arbeiter in einer Werkstatt von Lufthansa in Hamburg.

(Foto: dpa)

Der Staat hilft Firmen mit Milliarden - das ist gut, aber: Das sind Kredite. Zu hohe Schulden sind schlecht für die Wirtschaft. Helfen könnte eine Art "Kurzarbeit für Kapital".

Kommentar von Bastian Brinkmann

Jetzt gibt es also einfach so Geld: Bis zu 800 000 Euro können Unternehmen bekommen. Auflagen gibt es fast keine, die Summe soll unbürokratisch und schon in den nächsten Tagen fließen. Das ist das erweiterte Hilfsprogramm der staatlichen Förderbank KfW, das die Bundesregierung diese Woche beschlossen und vorgestellt hat. Der Staat wird für Milliarden Euro bürgen.

Doch Geld ist nicht Geld. Die KfW-Hilfe bleibt ein Kredit. Lässt sich eine Firma darauf ein, trägt sie auch alle Nachteile eines Kredits. Es fallen Zinsen an, hier drei Prozent, das ist nicht viel, aber auch nicht nichts. Und die Firma bindet sich, die Laufzeit beträgt zehn Jahre, auch wenn die Rückzahlung früher möglich ist. Dieses KfW-Programm ist eine gute Ergänzung der Corona-Staatshilfe, es wird manchen Firmen das Überleben in der Krise erleichtern. Aber zusätzliche Notkredite können ausgerechnet die soliden Unternehmen belasten, die bisher aus eigener Kraft ablehnen, sich zu stark zu verschulden. Ist die Kreditlast zu hoch, muss eine Firma Investitionen absagen oder beispielsweise Maschinen verkaufen, die dann nach der Krise fehlen, wenn sie eigentlich dringend gebraucht werden.

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Es braucht also weitere Ideen, wie Unternehmen geholfen werden kann, und zwar ohne Schulden. Eine gute Initiative ist, über eine Art "Kurzarbeit für Kapital" nachzudenken. Der Impuls kommt von Leo Kaas von der Goethe-Universität in Frankfurt. Die Idee: Der Staat sollte für Kapitalströme ebenso wie für Arbeitsplätze ein Hilfsprogramm anbieten. Kurzarbeit greift, wenn Arbeit in der Krise wegfällt - der Staat übernimmt dann 60 Prozent des wegfallenden Lohns. Betriebsräte und Arbeitgeber müssen sich einigen, wie viel Arbeit wegfällt - wenig, die Hälfte, alles.

Das ist analog für Kapitalströme denkbar. Kann ein Unternehmen in Folge der Corona-Pandemie Mieten, Kredite, Leasingraten nicht mehr zahlen, verhandelt es mit den Empfängern des Geldes. Einigen sie sich, die Rate zu reduzieren, kompensiert der Staat einen Teil des Ausfalls. Über Kurzarbeit halten Firmen Mitarbeiter, statt sie zu entlassen, was sich nach der Krise rächt. Über ein ähnliches Programm für Kapital könnten Firmen ihre Maschinen, Büroräume und andere Hardware behalten. Ein Taxi-Unternehmen könnte beispielsweise seine Autos parken, sich mit der Leasingfirma dank der Zuschüsse einigen - und nach der Krise direkt wieder losfahren.

Mit dieser "Kurzarbeit für Kapital" würden alle einen Beitrag dazu leisten, die Kosten der Corona-Krise jetzt zu tragen. Es würde nicht nur die Unternehmen oder nur die Empfänger der Kapitalströme treffen, sondern beide. Die Last wird geteilt. Das wäre Adidas in fair, von vornherein. Der Fall - der deutsche Sportartikler wollte keine Mieten mehr zahlen - hat gezeigt, dass es keine Lösung ist, das Problem einfach von einem zum anderen zu schieben.

"Kurzarbeit für Kapital" wäre die nächste gigantische Transferleistung. Aber es sind eben Krisenzeiten

Würden Unternehmen über ein solches Programm ihre Ladenmiete reduzieren, bekämen Immobilienfonds etwas weniger Geld. Die Investoren, darunter auch normale Sparer, würden etwas weniger bekommen. Und Privatvermieter fielen nicht auf Null, sondern bekämen einen Zuschuss.

Die "Kurzarbeit für Kapital" würde den Staat weitere Milliarden Euro kosten, es wäre die nächste gigantische Transferleistung. Aber in extremen Krisen gilt: Der Staat muss lieber zu viel als zu wenig geben und lieber zu früh als zu spät handeln. Wenn der Staat jetzt investiert, um die Infrastruktur der Volkswirtschaft zu erhalten, zahlt sich das später enorm aus. Diese Lehre hat sich mit der Kurzarbeit in der Finanzkrise bestätigt - und gilt auch für Kapital. Dass man ein paar Firmen mitschleppen würde, die nicht so profitabel wirtschaften, ist zweitrangig.

Will der Staat eine "Kurzarbeit für Kapital" schnell umsetzen, könnte er die Teilnahme daran an die echte Kurzarbeit koppeln, schlägt Ökonom Kaas vor. Bei diesen Firmen hat die Bundesagentur für Arbeit schon geprüft, ob sie in einer Krise stecken. Das würde nicht alle betroffenen Firmen abdecken und wäre wie alle Hilfsprogramme nicht hundertprozentig frei von Missbrauch. Jedoch wäre die Kopplung eine sehr schnelle Lösung. Und auf Schnelligkeit kommt es jetzt an.

© SZ vom 08.04.2020
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