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Pharmaindustrie:Trump heizt Kräftemessen um Corona-Impfstoff an

Biotech-Unternehmen CureVac

Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac eine blaue Flüssigkeit.

(Foto: dpa)
  • US-Präsident Trump hat diverse Pharma-Manager ins Weiße Haus geladen, um mit ihnen über das neuartige Coronavirus zu sprechen.
  • Er ist interessiert an Strategien, schnell Impfstoffe und Therapien zu entwickeln.
  • Auch ein deutscher Manager von Curevac ist dabei. Er sagt: "Wir glauben, dass wir einen Impfstoff gegen Covid-19 sehr, sehr schnell entwickeln können."

Von Elisabeth Dostert

Die Einladung an Daniel L. Menichella, 50, den Chef des Tübinger Biotechunternehmens Curevac, kam am Wochenende. Es war eine dieser Einladungen, die man schwerlich absagen kann, da mag der Terminkalender noch so voll sein und der Weg noch so weit. US-Präsident Donald Trump hatte für Montag ins Weiße Haus nach Washington gebeten, um mit Managern aus der Pharma- und Biotechnologie-Industrie über das neue Coronavirus Sars-CoV-2 zu reden und über Strategien, schnell Impfstoffe und Therapien gegen die Lungenkrankheit Covid-19 zu entwickeln. Im Internet gibt es ein Video von dem Treffen. Es sei eine große Herausforderung, sagt Trump darin und lobt anschließend eine lange Weile sich selbst. Seine Regierung unternehme nie dagewesene Anstrengungen, um die Einwohner zu schützen. Der Präsident nutzt selbst diese Krise für den Wahlkampf. Es sei wichtig, die Produktion wieder zurück in die Vereinigten Staaten zu holen, sagt er. "Wir wollen bestimmte Dinge zu Hause machen." Trump schmeichelt den Managern. Das war schon mal anders. Noch vor seiner Amtseinführung 2017 hatte er die Pharmaindustrie wüst beschimpft wegen hoher Medikamentenpreise.

Preise sind an diesem Montag im Weißen Haus kein Thema. Am Tisch sitzt alles, was Rang und Namen in der Pharmaindustrie hat. Emma Walmsley, die Chefin des britischen Pharmaunternehmens Glaxo Smith Kline, Daniel O'Day, Chef des US-Konzerns Gilead Sciences, Mikael Dolsten, Forschungschef des "stolzen amerikanischen Unternehmens Pfizer", Paul Stoffels, Forschungschef des US-Konzerns Johnson & Johnson. Menichella ist der einzige Vertreter eines deutschen Unternehmens. Er bedankt sich wie alle artig für die Einladung und erzählt, was Curevac kann. "Wir glauben, dass wir einen Impfstoff gegen Covid-19 sehr, sehr schnell entwickeln können", sagt Menichella. Die Männer aus der Industrie klingen im Video, als würden sie sich um eine attraktive Stelle bewerben. Sie wirken ein wenig devot, die meisten reden schnell.

Die Entwicklung eines Impfstoffes ist für die Unternehmen auch ein Kräftemessen. Wer liefert am schnellsten das beste Präparat? Schon seit Januar sucht Curevac nach einem Impfstoff auf Basis seiner mRNA-Technologie. Das "m" steht für Messenger, also Bote, und das RNA für Ribonukleinsäure. Der mRNA-Impfstoff liefert dem Körper den Bauplan für ein Eiweiß des Coronavirus. Es wird im Körper gebaut und löst eine Immunreaktion aus, der Körper wehrt sich und produziert Antikörper gegen den Angreifer.

Die Manager wissen, was Trump hören will

Daniel L. Menichella arbeitet seit Anfang 2017 für Curevac, 2018 löste er Mitgründer Ingmar Hoerr als Vorstandschef ab. Es ist nie leicht, als angestellter Manager einem Gründer zu folgen. Und Menichella ist Betriebswirt, kein Naturwissenschaftler wie Hoerr. Das ist jetzt also auch eine Bewährungsprobe für ihn. Vor seiner Berufung zum Vorstandschef leitete der Amerikaner das Curevac-Geschäft in den USA, er pendelt zwischen Boston und Tübingen. Auch einer seiner direkten Konkurrenten sitzt am Tisch wie Stéphane Bancel, Chef der US-Firma Moderna Therapeutics. Sie hat den Impfstoff mRNA-1273 entwickelt, der schon in den nächsten Wochen an Menschen getestet werden soll. Curevac arbeitet nach eigenen Angaben mit mehreren Impfstoffkandidaten. Mit einem könnten im Juni klinische Studien beginnen, sagt Menichella. Bis zur Zulassung kann es, selbst wenn sie beschleunigt erfolgt, noch Monate dauern. Diese Zeitpläne sind es, die Trump vor allem abfragt. Curevac habe ausreichend Produktionskapazitäten, um den Impfstoff selbst herzustellen, und brauche keine Partner, sagt Menichella. Die Manager wissen, was der Präsident hören will.

© SZ vom 04.03.2020/vit
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