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Geldpolitik:Britische Notenbank senkt wegen Coronavirus den Leitzins

Die Bank of England hatte den Leitzins auf 0,25 Prozent gesenkt.

(Foto: Matt Dunham/AP)
  • Die Bank of England senkt den Leitzins auf 0,25 Prozent. Damit sollen die Folgen der aktuellen Coronavirus-Krise für die Wirtschaft abgefedert werden.
  • Die britische Regierung könnte heute außerdem ein Hilfspaket verkünden.
  • Zu Beginn der Woche hatte die weltweite Verunsicherung für heftige Kursstürze an den Börsen gesorgt.

Die britische Notenbank senkt angesichts der Coronavirus-Epidemie ihren Leitzins. Statt bei bisher 0,75 liegt er nun bei 0,25 Prozent, teilte die Bank of England am Mittwoch in London mit. Sie kündigte zugleich ein Maßnahmepaket an. Ziel sei es, Unternehmen und Bürgern zu helfen, den ökonomischen Schock zu überstehen. Dieser werde "scharf und groß, aber zeitlich begrenzt" sein. "Diese Maßnahmen werden dazu beitragen, Unternehmen und Menschen in Arbeit zu halten und zu verhindern, dass eine vorübergehende Unterbrechung länger andauernden wirtschaftlichen Schaden verursacht", hieß es zur Begründung.

Die Notenbank erklärte auch, sie werde sich mit dem Finanzministerium und anderen Zentralbanken absprechen. Zudem senkte sie den sogenannten inländischen antizyklischen Kapitalpuffer (CCyB) für Banken von 1,0 Prozent auf null Prozent. Dieser Puffer soll dafür sorgen, dass Banken in wirtschaftlich guten Zeiten zusätzliches Kapital zurücklegen. So sollen sie besser mit Krisen wie einem Konjunkturabschwung umgehen können. Das britische Pfund geriet nach der Ankündigung der Notenbank unter Druck: Der Kurs fiel leicht auf 1,2847 Dollar, nachdem zuvor bei 1,2936 gelegen hatten.

Weil Großbritannien die größte wirtschaftliche Krise seit einem Jahrzehnt fürchtet, soll Finanzminister Rishi Sunak laut Medienberichten an diesem Mittwoch ein milliardenschweres Hilfspaket verkünden. Damit sollen Arbeitsplätze und Krankengeld gesichert werden, außerdem seien Steuererleichterungen für Unternehmen denkbar.

Heftige Kursstürze an den Börsen

In der vergangenen Woche hatte auch die US-Notenbank Fed ihren Leitzins gesenkt. Das war die erste außerplanmäßige Zinssenkung seit der Finanzkrise 2008. US-Präsident Donald Trump kündigte ebenfalls Hilfen für die Wirtschaft an, Details sind allerdings noch nicht bekannt. Die Europäische Zentralbank entscheidet am Donnerstag über ihren Kurs.

Zu Beginn dieser Woche hatte die weltweite Unsicherheit für massive Kursstürze an den Börsen gesorgt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) war zum Handelsstart um 8,2 Prozent eingebrochen, so stark wie zuletzt nach den Anschlägen am 11. September 2001. Auch die US-Leitindizes Dow Jones und S&P 500 fielen zum Handelsstart um jeweils etwa sieben Prozent, der Handel an der Wall Street wurde kurzzeitig unterbrochen. Finanzexperten sprachen deshalb gar von einem "schwarzen Montag".

© SZ.de/Reuters/vd/jps

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