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Zwischen den Zahlen:Geht unter die Haut

Coronavirus - Impfung beim Kinder- und Jugendarzt

Mit einem Pflaster-Foto kann man in den sozialen Medien mittlerweile niemanden mehr beeindrucken. Mit einem Pflaster-Tattoo aber sehr wohl.

(Foto: Fabian Sommer/dpa)

Vor drei Monaten konnte man mit einem Foto seines Impfnachweises noch richtig angeben. Jetzt braucht es Nadel und Farbstoff, um hervorzustechen.

Von Helena Ott

Noch vor wenigen Monaten spalteten die Selfies mit den kleinen weißen (alternativ den kleinen braunen) Pflastern auf dem Arm den impfaffinen Teil der Gesellschaft. In die einen, bei denen die Fotos Neid und die Frage "Warum denn der schon?" auslösten. Und die anderen, für die Impfselfies - liebevoll Impfies - hoffnungsvolle Leuchtraketen am anderen Ende des Tunnels waren.

Mehr als zehn Tage nach Aufhebung der Priorisierung beindruckt man mit einem gepflasterten Oberarm mittlerweile jedoch niemanden mehr. Die Selfies haben nun mehr eine Chronistenfunktion. Um zu zeigen: Ich bin jetzt wieder Mitglied im Club der Distanzlosen. Und nein, ich bin kein Impfgegner.

Zweifellos ist der Stichtag ein lang herbeigesehntes Ereignis, das man gerne festhalten möchte. Der ein oder andere offenbar gern auch für immer: In den sozialen Netzwerken verkünden bereits die ersten Impf-Enthusiasten, sich das kleine Pflaster auf den Oberarm tätowieren lassen zu wollen. Wenn nur die Hälfte von ihnen das in die Tat umsetzt, haben Tätowierer bald einen ziemlich öden Job.

Eine kleine Stichprobe in der Branche ergibt jedoch, dass es noch zu früh wäre, einen Trend auszurufen. Pflaster und gelbe Impfausweise seien noch nicht nachgefragt, heißt es dort übereinstimmend. Aber das muss nichts heißen. Schließlich haben die meisten Tattoo-Studios erst seit vier Wochen wieder geöffnet.

Was dagegen sehr wohl schon bestellt wurde, sagt Ali Akdag vom Münchner Studio "Cleopatra", seien Virusmotive mit Widerstandsymbolen, also etwa Fäusten oder Gasmasken. Und eine Kollegin stach einen kleinen Virus mit bedrohlich abflachender Herzlinie. Dabei wäre der Impfnachweis eigentlich so viel praktischer. Doch bevor man sich den - zugegebenermaßen sehr feschen - QR-Code unter die Haut stechen lässt, lohnt wohl eine kurze Nachfrage beim technischen Fachpersonal, ob die Scanner auch bei gut gebräunter Haut ansprechen.

© SZ/vit
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