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Corona-Krise:Ökonomen warnen vor zweiter Welle

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will die Export-Industrie zusätzlich stützen.

Von Alexander Hagelüken

Die Zunahme neuer Corona-Infektionen besorgt Ökonomen und Wirtschaftsvertreter. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Pandemie die deutsche Wirtschaft von April bis Juni um zehn Prozent schrumpfen ließ - trauriger Rekord in der Bundesrepublik. Zwar erholt sich die Wirtschaft seit Frühsommer wieder. Eine zweite Infektionswelle könnte aber nun die Hoffnungen zunichte machen, dass die wirtschaftlichen Einbußen bald aufgeholt werden können. Mancher Politiker bringt schon neue Hilfsmaßnahmen ins Spiel.

"Eine zweite Infektionswelle könnte wirtschaftlich schädlicher sein als die erste Welle", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher. "Denn viele Unternehmen sind angeschlagen, haben hohe Schulden und kaum mehr Rücklagen." Anlass für die Sorgen ist die Zunahme der Infektionen. Das Robert-Koch-Institut meldete am Samstag 955 neue Ansteckungen. Die Neuinfektionen sind derzeit auf einem deutlich höheren Niveau als in den Wochen zuvor.

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, warnt die Bundesregierung davor, übereilt einen zweiten bundesweiten Lockdown mit weitreichenden Einschränkungen der Wirtschaft zu verhängen. Dies sei wegen der sozialen und ökonomischen Folgen nicht zu verantworten. Auch Mittelstandspräsident Mario Ohoven wandte sich gegen einen zweiten Lockdown. Die wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Maßnahme seien nicht abzusehen, zumal die Bundesregierung mit dem Corona-Hilfspaket von 1,2 Billionen Euro ihr Pulver verschossen habe.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) macht sich angesichts des wirtschaftlichen Einbruchs schon für neue staatliche Eingriffe stark. Dabei hat er vor allem die Industriebranchen im Blick, die vom Export abhängen. Deutschlands Hauptproblem sei, dass es unter den internationalen Schwierigkeiten leide, sagte der CSU-Vorsitzende der ARD. Es gebe keine Alternative zu einer sinnvollen Gesundheitspolitik und der Stärkung der Binnennachfrage. Erwogen werden sollte darüber hinaus aber ein Stützprogramm für die industriellen Branchen, die vom Ausland stark betroffen seien. "Das sind nicht nur Automobilzulieferer. Das gilt für Luft-, Raumfahrt und besonders den Maschinenbau." Der CSU-Chef sprach sich außerdem dafür aus, die Kurzarbeit, so lange es notwendig sei zu verlängern. Das könne Arbeitslosigkeit verhindern. "Ich fürchte, es kommen noch schwierige Zeiten auf uns zu."

© SZ vom 03.08.2020

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