Pandemie:Curevac-Impfstoff ist gescheitert

Schwerer Rückschlag für das Tübinger Unternehmen: Curevac stellt die Arbeit am Covid-Vakzin der ersten Generation ein - und muss produzierten Stoff nun vernichten.

Von Elisabeth Dostert

Curevac gibt die Arbeit am Impfstoff der ersten Generation gegen das Coronavirus auf. Es ist ein schwerer Rückschlag für das Unternehmen aus Tübingen, an dem der Bund über die staatliche KfW mit 17 Prozent beteiligt ist. Knapp die Hälfte des Kapitals hält die Beteiligungsholding Dievini des Milliardärs Dietmar Hopp. Der Impfstoff-Kandidat namens CVnCoV werde auch aus dem Zulassungsverfahren bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA zurückgezogen. Mit einer Zulassung hätte Curevac "frühestens im zweiten Quartal 2022" rechnen können, teilte der Konzern mit. An der New Yorker Technologiebörse Nasdaq, wo die Aktie seit Mitte August 2020 notiert ist, brach der Aktienkurs am Dienstag im frühen Handel um bis zu 13 Prozent ein. Im Verlauf konnte sich das Papier erholen und lag gegen Handelsschluss mit knapp 42 Dollar noch drei Prozent im Minus. Im Dezember 2020 hatte der Kurs noch einen Rekordwert von mehr als 136 Dollar erreicht.

Auch die Anfang 2021 mit viel Tamtam angekündigte Zusammenarbeit mit dem Pharmakonzern Bayer ist damit hinfällig. "Es gibt keinen Gegenstand mehr, auf den sich die Partnerschaft beziehen könnte", sagte ein Sprecher des Leverkusener Konzerns der SZ.

Das von Ingmar Hoerr im Jahr 2000 mitgegründete Unternehmen hatte zwar wie die Konkurrenten Biontech aus Mainz und Moderna aus Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts schon wenige Wochen nach dem Ausbruch der Pandemie in der chinesischen Stadt Wuhan Ende 2019 mit der Entwicklung eines Impfstoffes begonnen, doch Curevac geriet immer mehr in Verzug. Während die Produkte von Biontech und Moderna in den USA bereits im Dezember 2020 zugelassen wurden, vertröstete Curevac immer und immer wieder.

"Für das pandemische Produkt sind wir zu spät", sagt der Chef nun

Die Impfstoffe der drei Firmen basieren auf der neuen mRNA-Technologie; mit der Boten-RNA erhält das Immunsystem genetische Informationen des Virus, um selbst eine Abwehr zu entwickeln. Ursprünglich hatte Curevac mit einer Zulassung für das zweite Quartel 2021 gerechnet. Mitte Juni gab Curevac bekannt, dass der Impfstoff in einer Zwischenanalyse nur eine vorläufige Wirksamkeit von 48 Prozent gegen eine Corona-Erkrankung "jeglichen Schweregrades" erzielen würde.

"Für das pandemische Produkt sind wir zu spät", räumte Vorstandschef Franz-Werner Haas am Dienstag in einer Telefonkonferenz ein: "Das Zeitfenster hat sich geschlossen." Curevac will sich nun auf das Impfstoffprogramm der zweiten Generation mit seinem Partner Glaxo Smith Kline konzentrieren. Der Mitteilung zufolge wird eine Zulassung des verbesserten Impfstoffes im Jahr 2022 angestrebt.

Mit dem Aus für die erste Generation endet auch der Vorvertrag mit der Europäischen Kommission. Im Sommer 2020 hatte sie im Falle einer Marktzulassung bei Curevac 225 Millionen Dosen geordert und auf weiter 180 Millionen Dosen optiert. Bislang flossen laut Vorstandschef Haas 450 Millionen Euro an Vorauszahlungen. Er geht davon aus, dass das Geld nicht zurückgezahlt werden muss. Die bereits produzierten Dosen des Impfstoffes würden nun vernichtet, sagte Haas. Um welches Volumen es gehe, wollte er nicht im Detail sagen, es handele sich um einen überschaubaren Rahmen.

© SZ
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