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Corona-Impfung in Betrieben:Bis zur Landkreisgrenze und nicht weiter

The Wacker Chemie AG manufacturing plant is seen in the south-east Bavarian town of Burghausen

Vorerst dürfen Münchner Mitarbeiter des Wacker-Konzerns nicht nach Burghausen fahren, um sich dort von einem der Werksärzte impfen zu lassen.

(Foto: MICHAELA REHLE/REUTERS)

Schon bald starten in Bayern die Modellprojekte für Betriebsimpfungen - und bringen für landesweit agierende Unternehmen teils absurde Probleme mit sich.

Von Elisabeth Dostert

Bald soll es losgehen: Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege und die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft haben diese Woche jene zehn Unternehmen ausgewählt, die an Modellprojekten für Betriebsimpfungen teilnehmen werden. Das Land Bayern stelle den Betriebsärzten dieser Firmen rund 50 000 Impfdosen unterschiedlicher Hersteller und Impfzubehör zur Verfügung, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. Der Impfstoff werde den Unternehmen über die jeweiligen Impfzentren zugeteilt. Im Juni dann sollen auch in anderen Betrieben die regulären Impfungen beginnen.

Für die Modellprojekte ausgewählt wurden die Firmen Arvena Hotels in Nürnberg, Baywa in Münchberg, Brückner Maschinenbau in Siegsdorf, die Fränkischen Rohrwerke in Königsberg, Jopp Automotive in Bad Neustadt, Magnet-Schultz in Memmingen, Mann + Hummel in Marklkofen, Novartis Pharma in Nürnberg, das Siemens-Werk in Cham und Wacker Chemie in Burghausen.

Gerade das Beispiel Wacker zeigt, wie komplex die Pandemiebekämpfung in der Praxis sein kann. Denn Firmen, die für gewöhnlich über Landesgrenzen hinaus agieren, stoßen hier schon an Landkreisgrenzen. Die Impfungen seien nicht bundeseinheitlich geregelt und würden von jedem Landkreis in Eigenregie koordiniert, teilt Wacker auf Anfrage mit. "Daher sind die Voraussetzungen an jedem Standort anders." Burghausen, wo Wacker mehr als 8000 Mitarbeiter beschäftigt, gehört etwa zum Landkreis Altötting; zuständig ist also das dortige Landratsamt. Es teilt den Impfstoff für das Modellprojekt zu, mit diesem müssen dann aber auch die Mitarbeiter am Standort Burghausen geimpft werden. Er dürfe nicht "in Eigenregie über die Landkreisgrenzen" verbracht werden.

Demnach dürfen die etwa 800 Münchner Mitarbeiter des Konzerns weder mit Dosen aus Burghausen in München geimpft werden, noch dürfen sie nach Burghausen fahren, um sich dort von einem der sieben Werksärzte impfen zu lassen. Sie müssen wohl warten, bis die Betriebsärzte in Bayern regulär in die Impfkampagne einbezogen werden und das Münchner Kreisverwaltungsreferat Impfstoff zur Verfügung stellt. Dann erst dürfen auch Werksärzte aus Burghausen nach München fahren, um dort ihre Kollegen zu impfen.

© SZ/vit
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