Impfstoffe:Biontech verklagt Moderna

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Corona-Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer

Moderna hatte Biontech und Pfizer erstmals im August verklagt. Der Vorwurf: Patentverletzungen.

(Foto: Rogelio V. Solis/dpa)

Der Mainzer Impfstoffhersteller will mit einer Widerklage in den USA Vorwürfe zurückweisen, Patente verletzt zu haben. Es geht um viel Geld.

Von Elisabeth Dostert

Biontech und sein Partner Pfizer haben sich eine Weile Zeit gelassen, um die Patentklage des US-Konkurrenten Moderna zu erwidern. Am Montag holten Pfizer und Biontech nun zum Gegenschlag gegen Moderna aus. Sie verklagten das US-Unternehmen beim Bundesgericht in Boston. Medienberichten zufolge beantragen sie, die Klage von Moderna abzuweisen und festzustellen, dass dessen Patente nicht verletzt worden seien.

Diese Widerklage richtet sich gegen eine Klage, die Moderna Ende August sowohl in den USA als auch Deutschland eingereicht hat. Biontech und Pfizer, so der Vorwurf von Moderna, hätten Patente verletzt, die entscheidend für zwei Eigenschaften des Impfstoffes seien und für dessen Erfolg seien. Zunächst seien Biontech und Pfizer mit vier Impfstoffkandidaten in die klinische Phase gestartet. Später habe man sich, so stellt es Moderna dar, dann für den Kandidaten entschieden "mit der exakt selben chemischen Modifikation wie Spikevax", der Impfstoff von Moderna.

Patentklagen sind schwierig. Und es geht ja auch nicht nur um ein Patent. "Der Impfstoff von Biontech und Pfizer gegen das Corona-Virus und seine Varianten ist durch viele Patente geschützt", sagt Markus Manns, Experte der Fondsgesellschaft Union Investment. Bislang sei unklar, ob die beiden eventuell Patente der Konkurrenz verletzt haben. Es geht um viel Geld. Biontech und Pfizer habe, das zeigen Quartal für Quartal ihre Berichte, Milliarden mit dem Corona-Impfstoff verdient, und sie tun das immer noch. "Eine Klage lohnt sich", sagt Manns.

Sollte ein Gericht feststellen, dass sie Patente verletzt haben, müsste Manns zufolge der Beklagte Lizenzgebühren an den Kläger zahlen. Sie bewegen sich ihm zufolge meist im einstelligen Prozentbereich. Absolut seien das zwar große Beträge, weil die Umsätze mit dem Medikament so hoch waren, "aber für Biontech und Pfizer ist das verkraftbar". Dass die Klagen so weit gehen, dass die Hersteller ihren Impfstoff nicht mehr verkaufen dürfen, schließt Manns aus: "Daran hat niemand ein Interesse."

Die Patentverfahren können sich Jahre hinziehen

Der Impfstoff von Biontech basiert auf einer neuen Technologie, der mRNA. Das Vakzin liefert, vereinfacht gesagt, dem Körper die Bauanleitung, um selbst eine Abwehr gegen das Virus zu mobilisieren. "Verpackt" wird er in Lipide, auch die sind Gegenstand von Patentklagen. Geklagt wird schon seit einer Weile. "Solche Patentklagen sind in der Pharmaindustrie nicht ungewöhnlich", sagt Manns.

Das Tübinger Unternehmen Curevac, es hat bislang noch keinen Impfstoff auf dem Markt, verklagt die Mainzer Firma Biontech. Die US-Firma Arbutus Biopharma verklagt Moderna. Alnylam Pharmaceuticals, ebenfalls aus den USA, verklagt Pfizer und Moderna. Mit schnellen Resultaten rechnet Union-Experte Manns nicht: "Solche Patentverfahren können sich Jahre hinziehen."

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