CoronavirusNot und Tugend

Lesezeit: 2 Min.

Im Kampf gegen den Impf-Mangel wird der Pariser Pharmakonzern Sanofi zum Auftragsfertiger von Biontech. Praktisch für den französischen Konzern: Er zeigt sich behilflich - und kaschiert zugleich seine Niederlage.

Von Leo Klimm, Paris

SZ bei Google bevorzugen

Stets positiv kommunizieren, erst recht, wenn die Lage schwierig ist. Paul Hudson beherrscht diese goldene Manager-Regel meisterlich."Nachdem wir mit unserem Haupt-Impfstoff einige Monate verspätet sind, haben wir uns gefragt, wie wir uns nützlich machen können", sagt der Chef des Pharmakonzerns Sanofi. Und da habe sich sein Unternehmen entschieden, den bereits zugelassenen Anti-Corona-Stoff von Biontech und Pfizer herzustellen: Von Sommer an wird Sanofi im Werk Frankfurt mehr als 125 Millionen Dosen für den EU-Markt produzieren.

Hudson macht aus der Not eine Tugend. Der Deal, mit dem der französische Pharmamulti Sanofi zum Auftragsfertiger des deutschen Start-ups Biontech wird, kaschiert zumindest ein wenig die Niederlage des Konzerns im Wettlauf um den Impfstoff. Im Dezember hatte Sanofi einräumen müssen, das Unternehmen werde frühestens Ende 2021 einen Impfstoff anbieten. Zugleich hilft Hudson durch die Vereinbarung, den Impfdosen-Mangel in Europa zu bekämpfen. Der ist von Sanofi mit verursacht, aber auch durch Lieferengpässe bei den Konkurrenten Astra Zeneca und beim Biontech-Partner Pfizer, der mit der Produktion von bis zu 600 Millionen Dosen für die EU kaum nachkommt.

Nationale Befindlichkeiten

Für Hudson ist bisher ziemlich viel schiefgelaufen im Kampf gegen Corona - und im Kampf um das Geschäft mit dem Virus. Der Impfstoff ist ein hoch politisches Thema, bei dem es, aller Mühen um einen europäischen Ansatz zum Trotz, viel um nationale Befindlichkeiten geht: In Frankreich wird es als Schmach empfunden, dass Sanofi nicht zu den ersten Impfstoff-Anbietern gehört. Zählt der Konzern doch zu den wichtigsten Herstellern von Vakzinen überhaupt. Hinzu kommt, dass das Pariser Forschungsinstitut Pasteur, benannt nach dem Impf-Pionier Louis Pasteur, diese Woche die Suche nach einem Wirkstoff ganz aufgegeben hat.

Schon im vergangenen Mai hatte sich der Brite Hudson in Frankreich maximalen politischen Ärger zugezogen, weil er angekündigt hatte, die USA hätten den ersten Zugriff auf ein Corona-Schutzmittel aus seinem Hause; schließlich habe Washington als erstes darin investiert. Später sorgten Aussagen deutscher Politiker wie des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach in Paris für Empörung. Die Behauptung: Die französische Regierung habe Sanofi bei den EU-Bestellungen bevorzugen wollen. "Das ist vollkommen falsch", wehrt sich Hudson im Figaro.

400 Jobs werden gestrichen

Jetzt vergibt er den Biontech-Zulieferjob intern nach Deutschland. Auch das ist heikel: An französischen Sanofi-Standorten baut er parallel dazu 400 Stellen in der Forschung und Entwicklung ab. Die Gewerkschaften stellen selbstverständlich einen Zusammenhang zum verlorenen Impfstoff-Rennen her. Hudson aber begründet die Vergabe nach Frankfurt mit der Nähe zum Biontech-Sitz in Mainz. "Das wird die Dinge vereinfachen", sagt er.

An der Suche nach einem eigenen Corona- Impfstoff hält Hudson fest. Zusammen mit dem Partner GSK entwickelt Sanofi einen Stoff, der auf der sogenannten rekombinanten Technologie beruht. Sie wird auch für herkömmliche Grippeimpfungen genutzt. Das Sanofi-Vakzin "könnte gegen Mutanten des Virus wirksamer sein", frohlockt Hudson. Und dass er "sehr stolz auf die geleistete Arbeit" sei. Stets positiv.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: