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Cornwall:Jungunternehmer überlegen bereits, sich in der EU eine Basis aufzubauen

Geholfen hat stattdessen die EU. Die Grafschaft verfügt inzwischen über eine gut ausgebaute Autobahn, das beste Internet-Breitbandnetz außerhalb von London. Die EU hat die kleine Kunsthochschule in dem Hafenstädtchen Falmouth für 120 Millionen Euro zu einer vollen Universität ausgebaut. Sie hat heute 5000 Studenten und die Aufgabe, junge Menschen auszubilden, die nach ihrer Ausbildung den Arbeitsmarkt bereichern oder selbst neue Unternehmen gründen sollen.

Robin Kirby ist Berater des Universitätskanzlers. Er muss dafür sorgen, dass die junge Universität genügend Studenten bekommt und ihre Finanzierung gesichert ist. Er macht sich nach dem Brexit-Beschluss Sorgen, wie es weitergeht. Im September, sagt er, kommen 200 neue Studenten aus der EU in Falmouth an. Deren Aufnahme sei noch gesichert, sagt Kirby erleichtert. "Doch was danach passiert, ist offen. Wir müssen für die Zeit nach 2020 vorsichtig planen." Wichtiger ist für den Universitätsmann, welches Signal von dem Referendum ausgeht. "Es ist ein kulturelles Risiko", sagt er: "Es geht um die Frage, ob das Vereinigte Königreich für europäische Studenten noch attraktiv sein wird."

Toby Parkins profitiert davon, dass die Attraktivität von Cornwall bei jungen Menschen zunimmt und nicht alle jungen Software-Spezialisten in London leben wollen. Parkins' junge Firma Headforwards entwickelt Software, sein Geschäft wächst wie verrückt. Im Moment hat er 60 Mitarbeiter. Zehn stammen aus der EU, weil es gar nicht genug Einheimische gibt, die für ihn arbeiten könnten. In diesem Jahr will er 40 weitere Mitarbeiter einstellen, bis 2021 will er 250 Beschäftigte haben. Der Brexit könnte sein Wachstum bremsen. Wenn EU-Arbeitskräfte hier künftig ein Visum brauchen, kann er seine Wachstumspläne vergessen: "Ich überlege schon, eine Basis in der EU aufzubauen." Wo? In Barcelona oder Tallin, der Hauptstadt Estlands. An dritter Stelle nennt er Berlin. "Du musst Strategien haben", sagt er ungeduldig. "Es muss weitergehen."

Der Tourismus könnte ein wenig ausgleichen

Kammer-Chef Conchie schüttelt den Kopf über seine Landsleute, die die helfende Hand in Brüssel beißen. Sie hätten von den EU-Mitteln profitiert, deren Früchte langsam erkennbar werden. Aber das reicht noch nicht. "Der Erfolg ist noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen." Es gebe eine starke Lobby der Bauern, sagt Conchie. Auch die EU-feindlichen Fischer fänden bei den Politikern starkes Gehör. Die hätten allerdings "ein Recht zu klagen", räumt der Mann der Wirtschaft ein. Die Fischer seien durch die Quoten der EU eingeschränkt worden. Auf der anderen Seite exportieren sie aber heute 90 Prozent ihrer Fänge in die EU. "Wenn der Austritt kommt, geraten die in wirkliche Schwierigkeiten."

Die Industrie dagegen kann noch nicht mit gewaltigen Erfolgen auftrumpfen. Sie ist kleinteilig. Nur 40 Unternehmen in dem County haben mehr als 250 Beschäftigte. Der größte Wirtschaftsbereich der Region ist der Tourismus. Er steht für 28 Prozent des Sozialproduktes der Region.

Der Fremdenverkehr kann ein wenig ausgleichen, was andere Sektoren verlieren, sollte das britische Pfund nach dem Brexit dauerhaft schwach bleiben. Der Wechselkurs könnte den Hoteliers oder Privatvermietern helfen, zusätzliche Touristen ins idyllische Cornwall zu locken. Bisher sind es etwa vier Millionen im Jahr. Nicht einmal zehn Prozent kommen aus dem Ausland. Das ist keine große Zahl, obwohl das ZDF regelmäßig so schöne Werbung für den Landstrich im Westen Englands macht.