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Continental:Pläne für Aufspaltung

Gerüchte um eine Aufspaltung des Autozulieferers ließen den Aktienkurs am Dienstag um fünf Prozent steigen. Es soll um eine Dachgesellschaft und eine Börsennotierung einzelner Sparten gehen. Der Konzern bestätigte, man befinde sich "in einem frühen Analysestadium".

Von Max Hägler

Am Mittag kam wieder einmal das Gerücht auf - und prompt legte der Aktienkurs zu: Um mehr als fünf Prozent, auf über 257 Euro, stieg der Kurs des Automobilzulieferers Continental am Dienstag, nachdem eine Nachrichtenagentur über einen großen Konzernumbau spekuliert hatte. Die Rede ist vom Aufbau einer Dachgesellschaft und einer separaten Börsennotierung der profitableren Sparten, also eine sogenannte Holding-Struktur.

Continental bestätigte am Abend, "dass wir uns in einem frühen Analysestadium befinden, Szenarien durchzuspielen, um unsere Organisation noch flexibler auf die Herausforderungen in der Automobilindustrie auszurichten". Bis zum Sommer soll es nähere Informationen geben. In den vergangenen Monaten hätten Investoren und Investmentbanker immer wieder diese Idee vorgetragen, heißt es aus Kreisen des Konzerns, dessen Geschicke maßgeblich vom Großeigner Schaeffler bestimmt werden. Man höre sich das alles an, habe jedoch keinerlei Plan gefasst.

Denkbar wäre etwa, das Geschäft mit Teilen für Verbrennermotoren auszugliedern, dessen Niedergang absehbar ist, sobald die Elektromobilität wirklich relevant wird. Auch von der Loslösung des Reifengeschäfts ist immer wieder die Rede, wobei die Conti-Manager die verschiedenen Säulen bislang schätzten: Größe bringt eben eine gewisse Stabilität, die Sparten können sich ausgleichen, wenn auch die Synergien zwischen Reifen, Motorteilen und Elektronik nicht allzu groß sind. Insgesamt peilt der Konzern mit weltweit über 220 000 Beschäftigten für das Jahr 2017 einen Konzernumsatz von mehr als 44 Milliarden Euro an.

Doch da ginge noch mehr, glauben Aktionäre: Mit mehr Geschäftseinheiten mehr Geschäft machen, diese Aussicht gefällt ihnen. Deswegen der Wertzuwachs an der Börse am Dienstag um etwa 2,5 Milliarden Euro. Im Blick haben sie dabei wohl auch andere Industriekonzerne, die ähnliches vormachen. Der Fahrzeughersteller Daimler oder Contis Konkurrent Delphi streben derzeit Holdingstrukturen an.

Neben dem Geldeinsammeln und dem sauberen Abtrennen von langfristig wenig lukrativen Sparten geht es auch um den unterschiedlichen Arbeitstakt: Die neuen, vor allem software-basierten Produkte verlangen ein viel höheres Tempo als das bisherige Autogeschäft, das auf mehrjährigen Modellzyklen beruht.

© SZ vom 10.01.2018
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