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Conti und Schaeffler:Heavy Rotation

Der Chef geht, ein Nachfolger steht schon fest - und auch auf anderen Vorstandspositionen gibt es Bewegung: Beim Autozulieferer Continental könnte nach den Querelen endlich wieder Ruhe einkehren.

Abschied und Neubeginn: Nach den Chaos-Wochen könnte beim niedersächsischen Autozulieferer Continental schon am Mittwoch wieder Ordnung einkehren. Dann trifft sich der Aufsichtsrat, um die Führungsmannschaft des MDax-Konzerns neu aufzustellen. Schon am Dienstagabend wollen die Vertreter der Arbeitgeberseite im Conti-Aufsichtsrat zusammenkommen, um in Vorgesprächen die wichtige Sitzung vorzubereiten.

Continental, Foto: dpa

Brechstange ade: Im Konflikt zwischen Continental und Schaeffler ist jetzt Fingerspitzengefühl gefragt.

(Foto: Foto: dpa)

Elmar Degenhart, derzeit Leiter der Automotive-Sparte des Conti-Großaktionärs Schaeffler, soll auf Conti-Chef Karl-Thomas Neumann folgen. Schaefflers Versuch, Neumann aus dem Amt zu jagen, war auf einer Sitzung des Kontrollgremiums vor zwei Wochen gescheitert. Neumann selbst hatte Teilnehmern zufolge jedoch seinen Rücktritt angeboten. Seitdem ist Neumann nur noch ein Chef auf Zeit.

Die Fahndung nach einem neuen Chef-Kontrolleur

Neben Vorstandschef Neumann soll aber auch der von Schaeffler installierte Aufsichtsratschef Rolf Koerfer seinen Platz räumen. Der enge Vertraute von Maria-Elisabeth Schaeffler soll als einfaches Mitglied in dem Kontrollgremium bleiben, hieß es. Koefers Rückzug könnte vor allem das Lager der Arbeitnehmer beruhigen. Sie hatten sich für einen Verbleib Neumanns an der Konzernspitze stark gemacht. Wer Koerfer, einem engen Vertrauten von Maria-Elisabeth Schaeffler, nachfolgen soll, ist offiziell noch völlig offen. Banken haben allerdings schon Linde-Chef Wolfgang Reitzle ins Gespräch gebracht.

Das Handelsblatt berichtete über weitere Vorstands-Personalien, die offenbar bereits festgezurrt wurden. Dabei soll es sich um den Interimschef der Pkw-Reifensparte, Nikolai Setzer, den Chef des Interiorbereichs Helmut Matschi und den Chef der Bremsensparte Chassis & Safety, Ralf Cramer, handeln. Für den vakanten Posten des Finanzchefs solle eine renommierte Personalberatung einen Kandidaten suchen, hieß es in den Kreisen. Schaeffler-Finanzvorstand Klaus Rosenfeld, der früheren Plänen zufolge den Posten mit übernehmen sollte, sei damit offenbar aus dem Rennen. Zwei Conti-Manager, Personalchef Heinz-Gerhard Wente und Lkw-Reifenchef Hans-Joachim Nikolin, blieben im Vorstand.

Damit stehen dem Schaeffler-Mann Degenhart fünf Conti-Manager gegenüber. Der Satzung zufolge entscheidet im Vorstand die einfache Mehrheit, nur bei Stimmgleichheit gibt der Vorstandschef den Ausschlag.

Der mehrfach kleinere Zulieferer Schaeffler hatte seine Conti-Übernahme vor rund einem Jahr gestartet, sich dabei allerdings massiv verspekuliert. Mehr Aktionäre als gedacht dienten Schaeffler ihre Papiere an - und das Unternehmen musste kaufen. Schaeffler hält heute rund 90 Prozent an Conti, ein Teil der Aktien lagert allerdings bei mehreren Banken. Sie hatten die Übernahme mit Krediten vorfinanziert. Nicht nur auf Schaeffler, sondern auch auf Conti lasten jeweils etwa elf Milliarden Euro Schulden.