bedeckt München 17°

Conti mit Gerhard Schröder:Der Retter vom Dienst

Alte Liebe rostet nicht: Am Heimatort Hannover wird Gerhard Schröder für die soeben verkaufte Continental AG aktiv. Als Retter ist er in seinem Element.

Aus seiner Nähe zur Wirtschaft hat Gerhard Schröder nie einen Hehl gemacht. Als er, ein Jahr vor der Bundestagswahl 1998, gefragt wurde, was ihn von Helmut Kohl unterscheide, antwortete er prompt: "Ich würde als Kanzler ein Manager sein, Vorsitzender der Deutschland AG."

Altkanzler Gerhard Schröder wacht über Continental.

(Foto: Foto: AP)

Vorsitzender, Strippenzieher, Deutschland AG - mit weniger hat sich Gerhard Schröder nie zufrieden gegeben. Der SPD-Politiker sah sich als "Genosse der Bosse" und wurde so gesehen. In seinem Dunstkreis, den sogenannten "Frogs" (Friends of Gerd), tummelten sich Unternehmer wie der jetzige RWE-Chef Jürgen Großmann oder Staatsführer wie der russische Ministerpräsident Wladimir Putin, den Schröder einen "lupenreinen Demokraten" nennt.

Schon als niedersächsischer Ministerpräsident mischte sich Schröder ein, wo er nur konnte - alles nach der Formel: Kriselndes Unternehmen plus organisierte Hilfe gleich Wählerstimmen. Dafür gab sich der damalige Regierungschef von Hannover auch gerne mit der Niedersachsen AG zufrieden.

Als in den 90er Jahren der Reifenhersteller Continental aus Hannover vom italienischen Konkurrenten Pirelli geschluckt werden sollte, eilte er zur Hilfe. Schröder führte Gespräche, schmiedete Allianzen, zog Fäden. Mit Hilfe der NordLB installierte er eine Bietergemeinschaft, die zeitweise sogar ein Viertel der Conti-Papiere übernahm. Der Angriff von Pirelli war abgewendet, die Arbeitsplätze blieben in Niedersachsen - und Schröder hatte sich Sympathien erworben.

Nicht nur die Belegschaft fand die Schröder-Show wichtig, auch die Anerkennung eines mächtigen Mannes war dem Politiker gewiss: Der damalige Conti-Chef Hubertus von Grünberg lobte den Sozialdemokraten.

Fehlendes Rampenlicht

Alte Bande reißen nicht. Und so erinnerte sich Grünberg, der heute Conti-Aufsichtsratschef ist, auch an den Altkanzler, als ein unabhängiger "Garantor" gesucht wurde, der den Einfluss des neuen Großgesellschafters Schaeffler im Auge behält. Als graue Eminenz - oder, im Fall von Schröder, als dunkelhaariger Wächter.

Die Weggefährten von einst sind jetzt wieder eng miteinander verbunden - und das hat Vorteile für beide Seiten. Grünberg holt einen namhaften Mann an Bord, dessen Verbindungen weit über Hannover hinaus reichen. Und der Altkanzler wiederum hat eine weitere Möglichkeit, dem verhassten politischen Vorruhestand zu entgehen und die heißen Scheinwerfer der großen Bühnen auf sich zu richten.

Es ist kein Geheimnis, dass es Schröder schwerfällt, das Rampenlicht der Weltpolitik gegen das Vorgartenidyll seines Reihenendhauses in Hannover einzutauschen. Wer den Altkanzler in diesen Monaten sieht, der trifft auf einen kraftstrotzenden 64-Jährigen, der ganz offensichtlich nicht ausgelastet ist von seiner Beratertätigkeit beim Schweizer Ringier-Verlag, von seinem Aufsichtsratsposten bei einem deutsch-russischen Gaspipeline-Projekt mit Beteiligung des russischen Gazprom-Konzerns sowie seinen zahlreichen Vorträgen und Reisen.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie Gerhard Schröder mit der Krise von Firmen seine Beliebtheitswerte aufpolierte - und warum er trotzdem nicht als Unternehmensretter in die Annalen eingehen wird.