Schifffahrt:Große Schiffe, große Risiken

Taiwan tries to contain oil spill from grounded container

Die Schifffahrt wird zwar seit Jahren sicherer, immer wieder kommt es auf See aber zu Unglücken wie hier 2016 in Taiwan - und die sind meist schwer.

(Foto: Taiwan Epa/dpa)

Die Zahl der Feuer an Bord hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Den Versicherern bereitet das Sorgen - denn es kann sehr schnell sehr teuer werden.

Von Patrick Hagen, Köln

Das Großcontainerschiff Maersk Honam war noch nicht einmal ein Jahr alt, als es 2018 auf dem Weg von Singapur nach Suez in Brand geriet. Das Feuer breitete sich rasch aus und konnte erst nach Wochen gelöscht werden. Fünf Besatzungsmitglieder kamen bei der Katastrophe ums Leben. Das war eines der größten Schiffsunglücke der neueren Zeit - und blieb leider kein Einzelfall. Die Zahl der Brände an Bord von Containerschiffen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, beklagt Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS), der Industrieversicherer der Allianz-Gruppe, im neuesten Report über Sicherheit in der Schifffahrt.

Das Jahr 2019 markierte einen Rekord: 40 Mal brach Feuer an Bord von Containerfrachtern aus. Im vergangenen Jahr gab es etwas Entspannung, allerdings fuhren im Corona-Jahr 2020 auch weniger Schiffe. Und: Im Schnitt brannte immer noch alle zwei Wochen ein Feuer auf einem Frachter. Den Versicherern macht das Sorgen. "Brände an Bord von Schiffen können schnell sehr kostspielig werden", sagte Allianz-Schiffsexperte Justus Heinrich. Brennt es etwa im Maschinenraum, erreicht der Schaden leicht eine zweistellige Millionenhöhe. Greift der Brand auf das ganze Schiff über wie bei der Maersk Honam, wird es deutlich teurer. Vor allem Schäden, die mehr als 500 000 Euro kosten, treten immer häufiger auf.

Insgesamt wird die Schifffahrt zwar seit Jahren immer sicherer. Die Zahl der Totalverluste lag im vergangenen Jahr bei 49 und damit auf dem zweitniedrigsten Niveau in diesem Jahrhundert. Für die Versicherer sind die vielen teuren Teilschäden aber ein Problem, denn die Prämien in der Schiffsversicherung sind ohnehin kaum hoch genug, um profitabel arbeiten zu können.

Das größte Problem: Fehlerhaft deklarierte Ladung

Das größte Risiko für verheerende Brände auf Containerschiffen ist fehlerhaft deklarierte Ladung. Wenn die Stahlboxen gefährliche Güter wie leicht entzündliche Chemikalien enthalten oder nicht fachgerecht an Bord des Schiffes verstaut werden, kann es zu Selbstentzündungen und zu Feuern kommen, die vor allem bei großen Schiffen schwer zu löschen sind. "Wenn ein falsch deklarierter Container an Bord ist, hat man schon fast verloren", sagte Anastasios Leonburg, Schifffahrtsexperte bei AGCS. Auch die Reeder sehen dies als wichtigen Grund für die Brände an Bord. "Wir drängen darauf, dass diese Sicherheitslücke geschlossen wird", sagt Ralf Nagel, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder. "Crew, Schiff und sonstige Ladung dürfen dadurch nicht gefährdet werden."

Die stark gestiegenen Schiffsgrößen spielen ebenfalls eine Rolle. Je größer ein Schiff ist, desto größer ist die Gefahr eines Feuers und desto schwieriger sind die Löscharbeiten. Denn: Je mehr Container an Bord sind, desto höher ist das Risiko, dass einer davon falsch deklariert wurde und Feuer fängt. Dazu kommt, dass es schwieriger ist, den Feuerherd zu finden. Bei der Maersk Honam etwa konnte die Ursache des Feuers nie gänzlich geklärt werden, dafür waren Schiff und Ladung zu stark zerstört. Die Behörden in Singapur vermuten allerdings, dass eine Chemikalie, die in Bleiche und Reinigungsmitteln verwendet wird, der Auslöser war.

Die immer größer werdenden Containerschiffe bereiten den Versicherern auch aus anderen Gründen Sorgen. Welche Folgen Havarien dieser Megafrachter haben können, hat jüngst das Containerschiff Ever Given gezeigt, das im Suez-Kanal auf Grund gelaufen war. Die für die weltweiten Lieferketten extrem wichtige Wasserstraße war daraufhin mehrere Tage blockiert. Hätte das Bergungsunternehmen das Schiff nicht wieder flottgekriegt, hätte es vor Ort entladen werden müssen. Dafür wären Spezialkräne erforderlich gewesen, die das Bergungsunternehmen erst an Ort und Stelle hätte bringen müssen. Der Suez-Kanal wäre dann noch länger nicht befahrbar gewesen.

Ein weiteres Risiko für Reeder und Versicherer stellt die Corona-Pandemie dar. Sie hat bislang zwar zu wenigen direkten Schäden in der Schifffahrt geführt, AGCS befürchtet aber indirekte Folgen, etwa durch die Situation der Schiffsbesatzungen. Sie müssen aufgrund der Pandemie länger an Bord ausharren. Im März befanden sich schätzungsweise 200 000 Seeleute an Bord von Schiffen, die aufgrund von Covid-19-Beschränkungen nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten, heißt es in dem AGCS-Report. Der Versicherer befürchtet, dass die mentale Ermüdung vieler Crew-Mitglieder zu Fehlentscheidungen und damit zu mehr Schäden führen könnte. "Schon vor Covid waren 80 bis 90 Prozent der Probleme an Bord durch Menschen verursacht", sagte AGCS-Experte Leonburg, der früher selbst als Kapitän zur See gefahren ist.

© SZ
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