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Condor:Finanzinvestor Indigo Partners hat Interesse

Condor

Ein Flugzeug von Condor vor dem Start.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)
  • Die US-Beteiligungsgesellschaft Indigo Partners wird als Favorit für die Übernahme der Condor Airline gehandelt.
  • Der Finanzinvestor hat bei Banken und Herstellern einen exzellenten Ruf.

Am 15. November 2017 machte Bill Franke den damaligen Airbus-Chef Tom Enders zu einem sehr glücklichen Mann. Am Rande der Dubai Air Show unterzeichnete der heute 82-jährige Milliardär und Chef des Finanzinvestors Indigo Partners einen Auftrag über 430 Flugzeuge, eine der größten Bestellungen in der Geschichte der zivilen Luftfahrt.

Es deutet viel darauf hin, dass Franke bald auch Ralf Teckentrup wieder zu einem sehr glücklichen Menschen machen wird. Denn Indigo Partners ist nach Informationen aus Branchenkreisen stark daran interessiert, die Ferienfluggesellschaft Condor zu übernehmen. Die Verhandlungen mit Condor-Chef laufen wieder, seit der Mutterkonzern Thomas Cook in der Nacht auf Montag Insolvenz anmeldete und den Geschäftsbetrieb einstellte. Teckentrup sagt, er glaube, die Suche nach einem Eigentümer könne "in den nächsten sechs bis acht Wochen" abgeschlossen werden. Namen nannte er nicht.

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Indigo Partners ist dem Vernehmen nach einer von mehreren Interessenten an Condor, eine Einigung ist nicht sicher. Aber mit dem Investor hätte Condor sich einen großen Namen in der Luftfahrt geangelt. Derzeit hält das Unternehmen Anteile an vier Fluggesellschaften: Frontier (USA), Jet Smart (Chile), Volaris (Mexiko) und Wizz Air (Ungarn). Im Frühjahr stand Indigo in Verhandlungen mit der angeschlagenen isländischen Fluggesellschaft Wow Air und konnte sich nicht einigen. Franke sagte ab und Wow Air verschwand vom Markt.

Franke gilt als einer der großen Förderer der Billigfluggesellschaften - alle vier aktuellen Beteiligungen sind in die Kategorie einzuordnen. Condor hat zwar relativ niedrige Stückkosten, verfolgt aber ein anderes Geschäftsmodell als die vier Indigo-Airlines: Sie ist keine Billigfluggesellschaft, sondern setzt neben dem Einzelplatzverkauf auf das Veranstaltergeschäft und hat ein großes Langstreckennetz. Sie ist überhaupt eine der wenigen Airlines weltweit, die auf den Fernstrecken zu Ferienzielen noch Geld verdient.

Das Amtsgericht Frankfurt hat dem Antrag auf Schutzschirmverfahren stattgegeben

Für Condor hätte der Einstieg von Indigo Partners Charme: Frankes Finanzinvestor hat bei Banken und Herstellern einen exzellenten Ruf, er hat eine Menge Flugzeuge zu günstigen Preisen gekauft, die er unter seinen Airlines verteilen kann. Und er hat Zugang zu niedrigeren Leasingraten, die Condor braucht, um die Langstreckenflotte ersetzen zu können. Allerdings muss Indigo eine rechtlich wasserdichte Eigentumskonstruktion finden: Als amerikanisches Unternehmen darf es nicht die Mehrheit an einer europäischen Airline halten.

Das Amtsgericht Frankfurt hat unterdessen dem Antrag der Condor, ein Schutzschirmverfahren zu eröffnen, stattgegeben. Sachwalter ist Lucas Flöther, der auch Insolvenzverwalter von Air Berlin ist. Mit dem Schritt will sich Condor gegen finanzielle Ansprüche von Thomas Cook schützen. Das Unternehmen teilte mit, der Flugbetrieb und der Ticketverkauf liefen unverändert weiter - die Bundesregierung und das Land Hessen hatten für einen Kredit in Höhe von 380 Millionen Euro gebürgt.

Nach der Pleite der deutschen Thomas Cook können die 97 000 Pauschalurlauber zwar ihre Reise fortsetzen. Kunden können aber bis 13. Oktober keine neuen Reisen mehr antreten. Ansprüche der Kunden soll die Zurich Insurance über den Reise- Sicherungsschein abdecken. In Deutschland wickelt diese der Dienstleister Kaera (www.kaera-ag.de) ab.

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