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Computerspiele-Industrie:Brot und Spiele

Ebenso stagniert der Verkauf von Spielen für den Computer. "Grand Theft Auto IV" des Hersteller Rockstar etwa - laut dem Magazin Time das beste Computerspiel des Jahres - steht zwar mittlerweile im Guiness Buch der Rekorde, weil die Konsolenversionen am 29. April für den höchsten Umsatz innerhalb von 24 Stunden sorgten. Die PC-Fassung indes, die Anfang Dezember auf den Markt kam, floppte so sehr, dass Publisher Take Two mit einem Umsatzminus von 20 Prozent in diesem Jahr rechnet. Die Aktie verlor innerhalb eines Jahres mehr als die Hälfte ihres Wertes.

Szene aus "Grand Theft Auto IV": Die Konsolenversionen waren überaus erfolgreich, die PC-Variante nicht.

(Foto: Foto: Rockstar Games)

Auch andere Hersteller sind in der Krise. Der Kurs von Spielehersteller THQ, verantwortlich für Spiele wie "Age of Empires" und "Drakensang", brach im vergangenen Jahr um 86 Prozent ein. Das Unternehmen verkündete im November, 17 Prozent der Belegschaft zu entlassen. "Wir wollen in Zukunft weniger Produkte, die allerdings konkurrenzfähig sind", sagt THQ-Chef Brian Farrell.

Farell spricht damit die Problematik der gesamten Branche an: Es gibt zu viele Spiele von zu vielen Entwicklern - und zu wenig innovative Ideen. Publisher Electronic Arts etwa setzt seit jeher auf die Fortsetzung beliebter Serien wie "Need for Speed" und "Fifa". Innovativ war das nicht, aber erfolgreich. In diesem Jahr stagnierten die Verkäufe einiger Spiele, dazu verkaufte sich das groß beworbene Spiel "Spore" nur mittelmäßig. Die Aktie verlor innerhalb eines Jahres mehr als die Hälfte ihres Wertes.

Auch Nintendo ist nicht unverwundbar

Die Verantwortlichen suchten die Schuld nicht in der Finanzkrise, sondern bei sich selbst. "Wir sind sehr enttäuscht, dass unsere Erwartungen nicht erfüllt wurden. Wir sehen erhebliches Verbesserungspotential in der Qualität der Spiele", waren die deutlichen Worte von EA-Chef John Riccitiello. "Deshalb leiten wir Schritte ein, die die Profitabilität unseres Unternehmen erhöhen." Auf gut deutsch: Stellen werden gestrichen, Medienberichten zufolge sind es mehr als 400 Mitarbeiter, die entlassen werden sollen.

Man darf nun nicht Nintendo zum strahenden Sieger im Kampf der Konsolen und zum Retter einer gesamten Branche verklären. Die Aktie des Unternehmens brach an der Tokioer Börse ebenfalls ein - kürzlich um 6,5 Prozent innerhalb eines Tages auf 30.200 Yen. Anfang 2008 lag der Kurs noch bei 64.500 Yen. "Nachdem die Aktie innerhalb von zwei Jahren um mehr als das Vierfache gewachsen war, ist diese Nivellierung nicht erstaunlich. Zumal der Rückgang, betrachtet in Relation zu den weltweiten Einbrüchen an den Börsen, noch recht entspannt verläuft", sagt Fakesch. Dennoch: Selbst das Branchen-Zugpferd Nintendo ist nicht unverwundbar.

Als Devise für das Computerspieljahr 2009 gilt: Weniger Spiele, dafür qualitativ bessere Produkte. Nur wer kreative Innovationen auf den Markt bringt und sowohl Spiele für die Kerngruppen als auch die Casual Gamer entwirft, der wird ein gutes Jahr haben und sich erholen. Eine komplett neue Idee verfolgt der Hersteller Sega mit seinem Spiel "MadWorld". Bei einem der blutrünstigsten Spiele des Jahres muss der mit Kettensäge bewaffnete Spieler ständig Gegner niedermetzeln, um zu überleben. Das Spiel soll im März erscheinen - auf der Jedermann-Konsole Wii. Das ist neu, ob es erfolgreich sein wird, ist indes fraglich.

© sueddeutsche.de/aum
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