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Compliance und der Fall Hoeneß:Harte Verhöre in der Compliance-Abteilung

Nur beim FC Bayern München wird "Hart, härter, Höttges" plötzlich ganz weich. Und lässt zu, dass der Steuerhinterzieher Uli Hoeneß Aufsichtsratschef des Großklubs bleibt. Höttges gehört dem Kontrollgremium des FC Bayern an, ebenso wie einige andere Konzernchefs. Am Montag hat der Aufsichtsrat einstimmig beschlossen, dass Hoeneß das Amt des Vorsitzenden "weiter ausüben soll". Man werde "die Angelegenheit weiter beobachten". Auch Höttges war einverstanden.

So billig ist in Deutschland schon lange kein Spitzenmanager mehr davon gekommen, der ein Vergehen begangen hat, das kein Kavaliersdelikt mehr ist. Immerhin hat Hoeneß bei seinen Zockereien in der Schweiz Steuern in Millionenhöhe hinterzogen.

Darunter leidet jetzt nicht mehr nur das Ansehen des Bayern-Bosses, sondern auch die Glaubwürdigkeit von gleich vier Topmanagern, die im Bayern-Aufsichtsrat sitzen. Herbert Hainer (Adidas), Rupert Stadler (Audi), Martin Winterkorn (VW) und Höttges legen sonst ja größten Wert auf Compliance, wie alle anderen großen Unternehmen seit dem Schock bei Siemens, als dort wegen weltweiter Schmierereien nahezu der gesamte Vorstand gehen und Schadenersatz zahlen musste.

Höttges will sich nicht mehr äußern

Streng genommen gilt Compliance für die Firmen-Geschäfte. Der aus dem Anglo-Amerikanischen stammende Begriff kann aber auch so ausgelegt werden, dass ein Manager, der privat Steuern in Millionenhöhe hinterzieht, nicht mehr tragbar ist - weil das nicht dem Geist von Compliance entspricht. Höttges mag sich zu dem Thema nicht weiter äußern. Er verweist auf die Erklärung des Bayern-Aufsichtsrats. Damit sei "alles gesagt".

Dabei müsste Höttges nur mal nachlesen, was die Telekom unter Compliance versteht: Nichts weniger als das "klare Bekenntnis zu ethischen Grundsätzen wie Wertschätzung und Integrität", an das sich alle Beschäftigten halten müssen. Immer und überall. Gerade auch beim Fußball.

Ein Telekom-Prüfer hatte im Juni 2010 sogar daran Anstoß genommen, dass der Konzern einen Beschäftigten eines kommunalen Unternehmens zu einem Spiel von Energie Cottbus eingeladen hatte. Die Telekom stuft solche Leute als Amtsträger ein, und die dürfen keine Tickets geschenkt bekommen. Nicht einmal für Energie Cottbus. Der Prüfer kündigte an, die Karten-Vergabe werde künftig zentral gesteuert, um für Transparenz zu sorgen.

Uli Hoeneß

Weltmeister, Anpacker, Steuerhinterzieher