Commerzbank Große Rochade in der Chefetage

Die gelb erleuchtete Commerzbank-Zentrale ist Ankerpunkt in der Frankfurter Skyline. Im Dax findet man die Bank seit September nicht mehr.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Die Commerzbank tauscht mehrere Vorstandsmitglieder aus. Während das Privatkundengeschäft wächst, bleiben die großen Probleme im Geschäft mit den Firmenkunden ungelöst.

Von Jan Willmroth, Frankfurt

Über die Zukunft von Commerzbank-Vorstand Michael Reuther wurde in Frankfurt lange spekuliert. Die Probleme in seinem Bereich, dem Geschäft mit Firmenkunden, waren nicht mehr zu übersehen und ein Dauerthema für Investoren: Würde Reuther das noch in den Griff bekommen? Die Gelegenheit dazu, so steht seit Mittwochabend fest, wird er nicht mehr lange haben. Am Ende einer langen Aufsichtsratssitzung teilte die Bank mit, Reuther wolle seinen im kommenden Jahr endenden Vertrag nicht verlängern. Ende September 2019 ist für ihn Schluss.

Vorstandschef Martin Zielke ließ sich mit den Worten zitieren, er bedauere Reuthers Entscheidung, respektiere sie aber. "Er hat die Neuorganisation im Firmenkundengeschäft sehr gut vorangebracht", sagte Zielke. Allerdings sind die erhofften Erträge ausgeblieben, was Reuther viel Kritik einbrachte. Unter Zielkes Führung hatte sich die Bank 2016 eine neue Strategie verpasst, im Zuge derer sie auch die Mittelstandssparte kräftig umbaute, ihr einstiges Aushängeschild. Das Firmenkundengeschäft verschmolz die Commerzbank mit den Resten ihres Investmentbankings, die kleineren Geschäftskunden ordnete sie den Privatkunden zu. Die Erosion der Erträge in diesem Bereich konnte der Umbau nicht stoppen. Allein im dritten Quartal schrumpften sie erneut um fünf Prozent. Im Sommer hatte das Geldhaus bereits seinen Ausblick für die Sparte gesenkt. Und Ende November war bekannt geworden, dass sich die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank um den Geschäftsbereich Sorgen machen.

Nicht zuletzt wegen des lahmenden Firmenkundengeschäfts stieg die Commerzbank Anfang September aus dem deutschen Aktienindex Dax ab, dem sie seit dessen Gründung vor 30 Jahren angehört hatte. Die Aktie - seit einiger Zeit zum Spekulationsobjekt geworden - ist im Jahresvergleich mit mehr als 40 Prozent im Minus, der Marktwert der Bank liegt inzwischen deutlich unter zehn Milliarden Euro.

Einige Analysten bezweifeln, ob die bereits angepassten Wachstumsziele für das kommende Jahr überhaupt zu erreichen sind. Einziger Lichtblick ist das Geschäft mit Privatkunden. 117 000 neue Kunden gewann die Bank im dritten Quartal, davon je die Hälfte über ihre etwa 1000 Filialen und die Direktbank-Tochter Comdirect.

Reuther war 13 Jahre im Commerzbank-Vorstand. Jetzt, hieß es, wolle er noch einmal "ein neues Kapitel in seinem beruflichen Leben aufschlagen". Anders als in seinem Fall hat die Bank für dessen Kollegen Frank Annuscheit bereits einen Nachfolger bestimmt. Annuscheit, Vorstand für das operative Geschäft und zuständig für die Konzern-IT, gebe seinen Posten bereits Ende Februar aus gesundheitlichen Gründen ab, teilte die Bank mit. Auf ihn folgt Strategiechef Jörg Hessenmüller.