Quartalszahlen:"Licht und Schatten" bei der Commerzbank

Lesezeit: 2 min

Quartalszahlen: Commerzbank-Turm vor Mondsichel: Die Bank präsentiert gute Zahlen, der Blick nach vorn sei aber mit Unsicherheiten behaftet, heißt es.

Commerzbank-Turm vor Mondsichel: Die Bank präsentiert gute Zahlen, der Blick nach vorn sei aber mit Unsicherheiten behaftet, heißt es.

(Foto: Michael Probst/AP)

Deutschlands zweitgrößte Privatbank überrascht die Märkte mit einem deutlichen Gewinnplus. Beim Ausblick auf das weitere Jahr ist das Institut aber betont zurückhaltend.

Mehr Gewinn als erwartet, deutlich niedrigere Kosten: Der Umbau der Commerzbank unter Vorstandschef Manfred Knof kommt voran. Beim Ausblick für das Geschäft im weiteren Jahresverlauf ist Deutschlands zweitgrößte Privatbank allerdings zurückhaltend. "Wir erwarten Licht und Schatten im zweiten Halbjahr", sagte Knof am Mittwoch bei der Präsentation der Quartalsbilanz. Mit einem Nettogewinn im zweiten Quartal von 470 Millionen Euro übertraf die Commerzbank die Erwartungen von Analysten deutlich. Wegen der Restrukturierungskosten hatte sie vor einem Jahr noch 527 Millionen Euro Verlust verbucht. Sowohl das Geschäft mit Privat- als auch das mit Firmenkunden habe sich besser entwickelt als erwartet, sagte Knof. Der Blick nach vorn sei aber mit Unsicherheiten behaftet.

Das liege vor allem an der drohenden Gas-Krise in Deutschland und deren Auswirkungen auf die Wirtschaft, sagte er. Die Commerzbank legte 564 Millionen Euro als Risikovorsorge für den Ausfall von Krediten zurück, um negative Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der gekürzten Gas-Lieferungen aus Russland abzufedern. Bisher seien nur wenige Kredite ausgefallen. Sollte Russland die Gaslieferungen einstellen, "würde die deutsche Wirtschaft vermutlich ähnlich wie nach der Finanzkrise 2009 in eine schwere Rezession stürzen", heißt es allerdings im Zwischenbericht. Die Belastungen durch den Krieg im zweiten Quartal bezifferte die Bank mit 228 Millionen Euro. Seit Kriegsbeginn reduzierte sie ihre Russland-bezogenen Forderungen bis Mitte Juli um 45 Prozent auf netto 1,02 Milliarden Euro.

Bereits 7700 Stellen abgebaut

Die Erträge - also die gesamten Einnahmen der Bank - stiegen im zweiten Quartal auf 2,4 Milliarden Euro von 1,9 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Knof, 56, hatte im vergangenen Jahr einen Umbau eingeleitet, um das in der Finanzkrise von Staat gerettete Institut wieder auf einen stabilen Gewinnkurs zu führen. Von etwa 1000 Filialen blieben nur 450 übrig. 10 000 Stellen sollen wegfallen. Bis Ende Juni habe man bereits 7700 Jobs abgebaut, teilte die Bank mit. Weitere Abbauprogramme stünden zur Zeit nicht an, sagte Finanzchefin Bettina Orlopp.

Für das Gesamtjahr peilt die Bank weiterhin einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro an, machte das aber von der konjunkturellen Lage abhängig. Nach dem ersten Halbjahr standen unter dem Strich 768 Millionen Euro Gewinn. Die hohen Kosten bleiben weiterhin ein Thema. Im zweiten Quartal sank der Aufwand um ein Zehntel auf 1,57 Milliarden Euro, die Aufwand-Ertrag-Relation verbesserte sich von 94 auf 65 Prozent. Als Ziel hat sich die Bank für das Jahr 2024 einen Wert von 60 Prozent gesetzt. An der Börse kamen die Zahlen insgesamt gut an: Die Aktien der Commerzbank legten zwischenzeitlich um mehr als drei Prozent zu.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB