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Commerzbank:Es gibt  wieder  was

EZB entscheidet über weiteres Vorgehen in Corona-Krise

Mit dem Bike vor dem EZB-Tower im Frankfurter Osten. Europas Währungshüter ändern ihren Kurs in der Corona-Pandemie.

(Foto: Andreas Arnold/dpa)

Banken dürfen wohl bald wieder Dividenden ausschütten.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Gute Nachrichten für Aktionäre von Banken oder jene, die Genossenschaftsanteile an Volksbanken halten: Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt Banken möglicherweise im nächsten Jahr wieder Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten. Die EZB werde im Dezember ihre Empfehlung zum Dividendenstopp überprüfen und womöglich zu einer flexibleren Praxis übergehen, sagte EZB-Direktor Yves Mersch am Freitag auf einem Finanzforum in Berlin. "Diese Empfehlung ist und muss außergewöhnlich und befristet bleiben", sagte Mersch, Vizechef der EZB-Bankenaufsicht. Die Kontrolleure würden dann zu ihrer üblichen Praxis zurückkehren, Ausschüttungen an die Aktionäre im Einzelfall zu überprüfen. Es sei denn, die Aufsicht komme zu dem Schluss, dass die Kapitalprognosen der Banken weiterhin unsicher seien. Das ist derzeit zwar nicht mehr der Fall, kann sich aber freilich schnell ändern, sollte die befürchtete Pleitewelle doch noch größere Löcher in die Bankbilanzen reißen.

Die Bankenaufseher der EZB hatten den Instituten empfohlen, wegen der Corona-Krise drei weitere Monate bis zum 1. Januar 2021 auf die Auszahlung von Dividenden und auf Aktienrückkäufe zu verzichten. Damit soll es den Banken ermöglicht werden, drohende Verluste zu verkraften und die Wirtschaft zu unterstützen. Im Gegenzug sind die Aufseher den europäischen Banken in der Coronakrise entgegengekommen und haben einige wichtige Regeln gelockert oder aufgeschoben. Die EZB ist seit Herbst 2014 für die Kontrolle der großen Banken im Euroraum zuständig. Aktuell überwacht sie 115 Institute, darunter in Deutschland die Deutsche Bank, die Commerzbank und die DZ Bank.

Die EZB wollte das Verbot für die ihr direkt unterstellten großen Banken eigentlich konsequent durchsetzen. Die im deutschen Börsenindex M-Dax vertretenen Banken Aareal und Deutsche Pfandbriefbank hatten daher ihre Dividende ausgesetzt - allerdings nur vorerst. Anders als die Commerzbank, welche die Dividende für 2020 gleich mit strich, hatten sich sowohl Aareal als auch Deutsche Pfandbriefbank offengehalten, die Lage im Oktober 2020 neu zu bewerten.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hatte diese Empfehlung aber ohnehin schon deutlich milder formuliert und die Maßgabe ausgegeben, eine Ausschüttung von Dividenden sei möglich, "wenn das jeweilige Institut über eine nachhaltige positive Ertragsprognose verfügt und die Kapitalsituation auch in einer anhaltenden Stressphase weiterhin ausreichende Puffer ausweist". Viele Volksbanken hielt an der Ausschüttung fest. Auch der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken erwartet deshalb, dass die Genossenschaftsbanken mit entsprechend soliden Bilanzen von Oktober 2020 an die Dividenden für das Jahr 2019 auszahlen dürfen.

© SZ vom 12.09.2020

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