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Commerzbank:Der Gegenangriff

Der Fußballclub Hertha BSC Berlin holte sich online einen Kredit.

(Foto: Odd Andersen/AFP)

Die Commerzbank gründet die Online-Plattform "Main Funders" für Mittelstandskredite. Und sie kopiert damit das Geschäftsmodell von Fintechs.

Gute Ideen werden gern geklaut. Und dann wird gern der Eindruck vermittelt, dass es sich dabei um eine ganz eigene, ganz neue Idee handle. Nicht so bei der Commerzbank. Unumwunden gab Markus Beumer, Vorstand der Mittelstandsbank, vor einigen Wochen zu, dass die Commerzbank mit dem Gedanken spiele, die Geschäftsmodelle junger Finanz-Start-ups, sogenannter Fintechs, zu kopieren. Jetzt folgen dieser Aussage Taten: Im ersten Halbjahr 2016 soll die Online-Kredit-Plattform "Main Funders" an den Start gehen, das bestätigte ein Sprecher der Bank. Damit stößt zum ersten Mal eine Großbank in das Terrain der Start-ups vor. Man könnte also sagen: Die Banken gehen zum Gegenangriff über. Denn bisher waren es stets die jungen Gründer, die versucht haben, den etablierten Instituten Konkurrenz zu machen. Nun nimmt die Commerzbank die Verfolgerrolle ein.

Das Geschäft mit Krediten für Mittelstandskunden ist unter Banken heiß umkämpft. Das Kundensegment, das Fintechs ansprechen, lief bisher unter der Wahrnehmungsschwelle vieler Institute: es geht dabei um kleine Kreditsummen, bei denen sich die aufwendige Bonitätsprüfung für viele Banken nicht lohnte. Fintechs wie Auxmoney, Funding Circle oder Kapilendo konnten durch IT-Lösungen die Kosten der Bonitätsprüfung so weit senken, dass das Geschäft mit kleinen Beträgen auf einmal attraktiv aussah. Sie bringen Kreditnehmer auf einem digitalen Finanzierungsmarktplatz mit Geldgebern direkt zusammen. Auf der Website wird das jeweilige Projekt vorgestellt, beispielsweise ein Friseur, der seinen Salon erweitern möchte. Geldgeber können Teilbeträge des Kredits gegen Zinszahlungen übernehmen. Die Plattform fungiert dabei nur als Vermittler, nicht als Geldgeber. Die Bonitätsprüfung der Kreditnehmer läuft dabei weitgehend automatisch über Computermodelle, die Datensätze auswerten.

Das Interesse von Kreditnehmern an den Plattformen ist groß. Schwieriger hingegen ist es, Investoren zu finden. Es gibt offenbar in Deutschland wenige Privatkunden, die ihr Geld in Einzelkredite anlegen wollen. Die Skepsis hat damit zu tun, dass das Geld bei einem Ausfall des Kredits komplett verloren ist. Anders als Banken können Privatleute weniger breit streuen, da sie nur kleinere Beträge zur Verfügung haben. Es verwundert also nicht, dass der Anteil der institutionellen Investoren auf den Plattformen bei bis zu 80 Prozent liegt. Prominentes Gegenbeispiel ist der Kredit über eine Million Euro an den Fußballclub Hertha BSC Berlin, der über Kapilendo abgewickelt wurde. Hier dürften vor allem Fans zugeschlagen haben, was man an den kleinen Teilsummen ablesen kann. Die Fintechs nehmen den Einstieg der Commerzbank sportlich: "Es zeigt, dass das Potenzial unseres Geschäftsmodells von den Banken erkannt wird", sagt Spiros Margaris, Mit-Eigentümer von Kapilendo.

Bei Wagniskapitalgebern sind die digitalen Finanzierungsmarktplätze ebenfalls sehr beliebt. Seit 2012 sind in Deutschland 475 Millionen Euro an sie geflossen, weist die Fintech Money Map von Barkow Consulting aus. 95 Millionen Euro davon als Eigenkapital, 380 Millionen Euro als Fremdkapital. "Wesentlich für den Erfolg der Plattformen ist, dass sie sowohl Kapitalgebern als auch Kapitalnehmern über den gesamten Konjunkturzyklus attraktive Konditionen bieten können", sagt Fintech-Experte Peter Barkow.

Die Commerzbank will Details zu "Main Funders" erst später bekannt geben. In ihrem Jahresbericht findet sich lediglich ein versteckter Hinweis, dass die Plattform beim hauseigenen Mainincubator entwickelt wurde und sich an Kunden der Mittelstandsbank richten soll.