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Commerzbank:Blessings roter Zahlensalat

Massiver Verlust bei der teilverstaatlichten Commerzbank: Das von Martin Blessing geführte Institut schreibt fast 750 Millionen Euro Miese. Doch der Chef gibt sich optimistisch.

Die Commerzbank macht weiter Verluste. Die zweitgrößte deutsche Privatbank, die zu einem Viertel dem Staat gehört, fuhr im zweiten Quartal ein Minus von 746 Millionen Euro ein, wie das Institut am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte.

Commerzbank, Martin Blessing, Getty

Miese Zahlen, miese Stimmung: Commerzbank-Chef Martin Blessing.

(Foto: Foto: Getty)

Der Verlust, der etwas niedriger als im ersten Quartal lag, resultierte nach Angaben der Bank unter anderem aus den Kosten für die Eingliederung der Dresdner Bank.

"Auf dem richtigen Weg"

"2009 bleibt ein herausforderndes Jahr, aber wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Bankchef Martin Blessing - und versuchte sich damit in Optimismus.

Erfolge verzeichnete das teilverstaatlichte Institut im laufenden Geschäft. Der operative Verlust zwischen April und Ende Juni habe 201 Millionen Euro nach einen einem Minus von 591 Millionen Euro im ersten Quartal betragen, hieß es.

Experten hatten im Durchschnitt mit einem operativen Verlust von rund 300 Millionen Euro gerechnet. Die Bank legte dabei im Vergleich zum ersten Quartal sowohl beim Zins- als auch Provisionsüberschuss zu.

Die Bank wies von April bis Juni zudem etwas niedrigere Belastungen für sogenannte strukturierte Wertpapiere aus. Das sind die Papiere, die durch die Finanzkrise massiv an Wert verloren und zahlreiche Banken, darunter auch die Commerzbank, in Schieflage gebracht hatten.

Risikovorsorge aufgestockt

Zugleich vergrößerte die Commerzbank angesichts der Wirtschaftskrise ihre Risikovorsorge für Kreditausfälle von 844 Millionen Euro auf knapp eine Milliarde Euro.

Das Institut betonte, das Volumen der Kredite an Firmen sei im zweiten Quartal auf den Rekordwert von 134 Milliarden Euro gestiegen. Zuletzt hatte es eine Debatte gegeben, ob die deutschen Banken die Wirtschaft ausreichend mit Darlehen versorgen. Der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin, der mit 25 Prozent an der Commerzbank beteiligt ist, hat die ausreichende Finanzierung vor allem des Mittelstands zu einem Kriterium für die Gewährung von Hilfen gemacht.

Die Commerzbank, die die Zahl ihrer Kunden im zweiten Quartal um 73.000 steigern konnte, teilte mit, sie werde Garantien in Höhe von fünf Milliarden Euro vorzeitig an den Soffin zurückzahlen. Bislang war vereinbart, die Rückzahlung der stillen Einlagen des Soffin "unter normalen Marktbedingungen" 2012 zu beginnen. Sollten sich die Märkte positiv entwickeln, könne dies schon 2011 der Fall sein.

Altlasten bereiten Kopfschmerzen

Die Altlasten der Dresdner Bank werden der Commerzbank aber wohl noch länger Kopfschmerzen bereiten. Mit einem zügigen Abbau des Engagements in strukturierten Wertpapieren (ABS) sei 2009 wegen des unverändert schwierigen Marktumfelds nicht zu rechnen, erklärte die zweitgrößte deutsche Bank.

"Das Geschäftsjahr 2009 wird unverändert hohe Belastungen im ABS-Portfolio mit sich bringen." Die Rezession in vielen Ländern Europas führe dazu, dass sich nun auch mit europäischen Baufinanzierungen besicherte Papiere schlechter entwickelten. Im ersten Halbjahr musste die Bank Belastungen auf das gesamte Portfolio von knapp 1,8 Milliarden Euro verkraften.

Insgesamt bezifferte die Commerzbank den Marktwert des Bestands an ABS-Papieren zum Ende des ersten Halbjahres auf 38 Milliarden Euro. Davon bezeichnet sie gut 26 Milliarden Euro als kritisch, das sind lediglich rund drei Milliarden Euro weniger als noch Ende März.

Die Bank will diese vor allem aus dem Handelsbuch der Dresdner-Investmentbanksparte stammenden Papiere systematisch abbauen. Da es an den entsprechenden Märkten aber weiter kaum Käufer gibt, gestaltet sich dies schwierig. Der Abbau stelle die Bank vor "große Herausforderungen", heißt es in dem Bericht.

Neben den ABS-Papieren gibt es weitere Altlasten, die die Commerzbank seit der Dresdner-Bank-Übernahme beschäftigen. Hierzu gehören große Übernahmefinanzierungen (leveraged loans) von 6,1 Milliarden Euro, die die Risikovorsorge nach oben treiben. Zudem drohen weitere Belastungen aus dem insgesamt 8,7 Milliarden Euro schweren Engagement bei den kriselnden Kreditversicherern (Monolinern).