Colt Der letzte Schuss

Die Waffen der Firma Colt sind legendär. Doch die Waffenschmiede ist hoch verschuldet.

(Foto: REUTERS)

Film-Bösewichte und John Wayne trugen ihn, amerikanische Kavalleristen schossen damit: Revolver von Colt wurden zum Inbegriff der Faustfeuerwaffe. Jetzt droht der Legende das Aus.

Von Kurt Kister

Gerade ist Winnetou gestorben, und nun geht auch noch Colt pleite. Zwar kennen in den USA nur deutsche Expats Pierre Brice, der den edlen Apatschenhäuptling in den Karl-May-Filmen verkörperte. Aber Colt gehört zu den Begriffen, mit denen nahezu weltweit mit einem Markennamen eine ganze Gattung von Dingen beschrieben wird. So wie viele Leute "Jeep" für einen Geländewagen sagen, reden sie vom "Colt" wenn sie eine Faustfeuerwaffe, respektive einen Trommelrevolver meinen. Der sechsschüssige Colt war die Waffe von Wyatt Earp und Billy the Kid, er steckte in den Holstern der Kavalleristen und erlangte durch John Wayne und die Cartwrights globalen Ruhm.

An diesem Montag hat die in Hartford im US-Bundesstaat Connecticut ansässige Firma Colt verlauten lassen, dass sie Gläubigerschutz nach dem Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts beantragen wird. Die Waffenschmiede ist hoch verschuldet, sie hat, wie man so schön sagt, ein Liquiditätsproblem und will sich nun in der Planinsolvenz restrukturieren. Mit dem Chapter-11-Prozess haben sich in den USA diverse Fluglinien und der Autogigant General Motors gerettet.

Wie andere US-Traditionsfirmen auch hat Colt nicht die ökonomisch richtigen Antworten auf gesellschaftliche Veränderungen und globalisierte Konkurrenz gefunden. Zwar sollte man meinen, dass in einer so kriegerischen, unordentlichen Welt wie der des 21. Jahrhunderts gerade Waffenhersteller keine Probleme haben dürften. Das trifft aber nicht unbedingt zu, wie man sowohl an einheimischen Firmen wie Heckler & Koch oder Sig Sauer sieht - oder eben auch an Colt. Ähnlich übrigens erging es einer anderen Waffen-Legende aus dem Wilden Westen. Die Firma Winchester, die das berühmte Repetiergewehr herstellte, gehört schon länger einem belgischen Unternehmen. In den USA werden keine Winchesters mehr produziert, dafür in Japan und Portugal.

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Samuel Colt, der Namensgeber, erhielt 1835 ein Patent für eine von hinten zu ladende, mehrschüssige Pistole mit einer drehbaren (revolving) Trommel. Auf diesem Schießgerät beruhte der immense Erfolg der Firma Colt. Die Armee kaufte den Revolver 1847 zu Zeiten des Krieges der USA mit Mexiko erstmals in größeren Stückzahlen. Im Bürgerkrieg und in der Besiedlung des Westens wurde der Colt zum Symbol der gewaltigen und gewalttätigen Expansionsgeschichte der jungen US-Nation.

Einen ähnlichen Status hatte im 20. Jahrhundert ein weiteres Produkt der Firma Colt. Der "45er", eine halbautomatische Pistole mit Griffmagazin vom Kaliber 0,45 Inch (11,63 Millimeter), wurde 1911 die Standardpistole der US-Armee. Das klobige Ding blieb bis Mitte der Achtzigerjahre im Dienst, bevor es gegen den Protest vieler Schießpatrioten durch eine italienische Beretta ersetzt wurde. Damals gab es T-Shirts mit dem Slogan: "I don't eat spaghetti, I don't shoot Beretta".

Es kann gut sein, dass Colt die Planinsolvenz überlebt. Nirgendwo anders gibt es so viele Feuerwaffen in Privatbesitz wie in den USA. Und so wie man in Deutschland Sonderbriefmarken herausgibt, machte Colt gerne gravierte Spezialmodelle zum Unabhängigkeitstag oder zu Jahrestagen großer Schlachten. Die verkauften sich ganz gut.