Coca-Cola:Und es hat pffft gemacht

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Coca-Cola: Produktion von Cola-Flaschen in Indonesien: Umweltschützer haben den Konzern schon länger im Visier.

Produktion von Cola-Flaschen in Indonesien: Umweltschützer haben den Konzern schon länger im Visier.

(Foto: Bay Ismoyo/AFP)

Coca-Cola ist für mehr Plastikverschmutzung verantwortlich als jedes andere Unternehmen. Jetzt will der US-Konzern 100-prozentig recycelte Flaschen einführen. Umweltschützer halten das aber für "Greenwashing".

Von Michael Kläsgen

Das klingt doch erst mal erfrischend ökologisch: Coca-Cola will 100-prozentig recycelte Flaschen in den USA einführen. Mit den neuen Flaschen werde das Unternehmen den Einsatz von neuem Plastik in Nordamerika bis 2030 um über 20 Prozent im Vergleich zu 2018 reduzieren, teilt der Konzern mit. Coca-Cola reagiert damit auf die anhaltende Kritik von Umweltschützern. Laut der Break Free From Plastic Campaign, eines globalen Bündnisses zum Kampf gegen Plastikmüll, ist der US-Konzern für mehr Plastikverschmutzung verantwortlich als jedes andere Unternehmen in der Welt.

Auch in Deutschland sind Cola-Flaschen weit verbreitet und werden zum Teil recycelt. Es handelt sich dabei um sogenanntes "Post-Consumer-Rezyklat" (PCR), um haushaltsnahes Plastik, meist PET, das schon einmal in den vier Wänden eines Verbrauchers war. Die Frage, woher das recycelte Plastik stammt, entscheidet wesentlich darüber, ob von einem umweltfreundlichen Wiederverwertungskreislauf gesprochen werden kann.

Bei Cola-Flaschen ist es oft so: Das Plastik kann geschreddert, zu Granulat und dann zum Teil zu neuen Plastikflaschen etwa für Reinigungsmittel verarbeitet werden - aus hygienischen Gründen nicht aber zu neuen Lebensmittelverpackungen wie Cola-Flaschen. In dem Fall entsteht also bestenfalls ein Kreislauf für PET-Kunststoff. Der hat zwar den Vorteil, dass kein neuer Kunststoff aus Erdöl hergestellt werden muss, was die Umwelt belastet. Es ist aber kein Plastik aus dem Gelben Sack. Nur wenn es der Getränke- und Plastikindustrie gelänge, daraus Kunststoff auch für neue Lebensmittelverpackungen herzustellen, wäre ein ökologisch nachhaltiger Kreislauf in Gang gesetzt.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) geht noch härter mit Coca-Cola ins Gericht. "Wir halten die ,Recycling-Aktion' für den verzweifelten Versuch das unökologische Image von Einweg-Plastikflaschen aufzupolieren", sagt DUH-Leiter Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer. Die DUH hatte zuvor Kampagnen von Lidl, Danone und Pepsi zu Einweg-Plastikflaschen aus Rezyklat als "Greenwashing" kritisiert. Das seien "Showprodukte", weil sie nur einen geringen Marktanteil hätten und einen geschlossenen Materialkreislauf nur vortäuschten. Eine Studie der Kunststoffindustrie belege, dass zumindest in Deutschland 70 Prozent der Einweg-Plastikflaschen aus fossil basiertem Neumaterial, meist Rohöl, hergestellt werden. Auch das Umweltbundesamt hält Mehrwegflaschen aus Glas und Produkte aus der Region mit kurzen Transportwegen für die ökologisch sinnvollste Lösung beim Getränkekauf.

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