CO₂-Kompensation Wer der Umwelt helfen will, sollte aufhören zu fliegen

Die CO₂-Kompensation kann ein erster Schritt zu "Flugscham" sein, wie es in Skandinavien verbreitet ist.

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Emissionen bleiben Emissionen - egal, wie sie kompensiert werden. Die besten Flüge sind die, die vermieden werden.

Kommentar von Vivien Timmler

Keine Art zu reisen belastet das Klima so wie das Fliegen. Immer mehr Urlauber erleichtern seit Neuestem ihr Gewissen, indem sie den CO₂-Ausstoß ihrer Flugreise "kompensieren": Sie zahlen ein paar Euro an eine Online-Plattform - und schwups ist die Klimasünde gar nicht mehr so verwerflich.

Das ist natürlich Unsinn. Kritiker werfen den Plattformen zu Recht vor, eine moderne Form des Ablasshandels zu betreiben, den Kunden also gegen Geld ihre ökologischen Fehltritte zu verzeihen. Aber ist das wirklich so schlimm?

Allein die Tatsache, dass immer mehr Menschen ihren CO₂-Verbrauch hinterfragen und kompensieren, zeigt doch, dass die Sensibilität für das Thema steigt. Noch ist hierzulande kaum jemand bereit, auf seinen Wochenendtrip nach Paris und die Fernreise nach Thailand zu verzichten. In Skandinavien jedoch ist "Flugscham" bereits ein gängiger Ausdruck. Die Kompensation kann ein erster Schritt dahin sein.

Natürlich lassen sich die Schäden, die durch das Fliegen in der Umwelt entstehen, durch Kompensation jedweder Art weder verringern noch rückgängig machen. Emissionen bleiben Emissionen. Und wer den Anspruch an sich selbst hat, im Einklang mit der Umwelt zu leben, der muss auf das Fliegen verzichten. Denn die besten Flüge sind immer noch die, die vermieden werden.

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