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Audio-Apps:Was nach Clubhouse kommen könnte

FILE PHOTO: Illustration picture of social audio app Clubhouse

Clubhouse gibt es jetzt auch für Android-Geräte.

(Foto: FLORENCE LO/REUTERS)

Die Audio-App Clubhouse ist nun auch für Android-Geräte verfügbar, dennoch gehen die Downloadzahlen zurück. Und es droht weitere Konkurrenz von Facebook und Twitter.

Von Maximilian Flaig

Jetzt kommen also die Android-Nutzer. Seit Anfang dieser Woche steht der Audio-App Clubhouse im Google Play Store zum Download bereit. Tatsächlich nutzen können die App allerdings nur US-Amerikaner, sofern sie ein Mitglied einlädt. Hierzulande wird man lediglich auf eine Vorabregistrierung für den Start der Beta-Version vertröstet. Ob künstliche Verknappung erneut Begehrlichkeiten weckt und ob die App wieder einen Hype auslöst wie im Januar, als deutsche iPhone-Besitzer exklusiven Zugang erhielten, bleibt allerdings fraglich. Der Android-Start kommt dafür womöglich zu spät.

Denn es ist ruhig geworden auf Clubhouse — einer Audio-App, die eigentlich ihren Charme daraus beziehen soll, dass Menschen bei Podiumsdiskussionen lauschen, oder mitdebattieren. Clubhouse zeichnet keine Gespräche auf. Trotzdem schaffte es in der Vergangenheit so mancher Talk in die Schlagzeilen. Zum Beispiel als Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow preisgab, während Corona-Krisenkonferenzen Handyspiele zu daddeln. Außerdem nannte er die Bundeskanzlerin "das Merkelchen".

Das war im Januar, zur Hochphase des Hypes. Doch mit dem Momentum der ersten Stunde hat ebenso das Interesse von Prominenten und Politikern an der Plattform nachgelassen. Das von vielen beschworene Wahlkampf-Instrument ist Clubhouse bisher nicht. Ein Grund dafür dürfte neben Bedenken, sich wie Ramelow um Kopf und Kragen zu reden, die stagnierende Anzahl der Zuhörer sein. Bis April hatten nur rund vier Prozent der Deutschen die App zumindest einmal genutzt. Scrollt man heute durch die Liste der Talkrunden, stößt man überwiegend auf Räume, in denen Englisch und auffallend häufig Persisch gesprochen wird. Meistens geht es um Start-ups, Marketing- und Karrierethemen oder die Plattform selbst.

Downloadzahlen gehen zurück

Ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Leute auf Clubhouse immer weniger zu sagen haben: International gehen die Downloadzahlen zurück. Während im Februar der Analysedienst Sensor Tower noch 9,6 Millionen Downloads verzeichnete, wurde die App im April nur rund 900 000 Mal heruntergeladen. Der Android-Start könnte zumindest für eine Trendwende in der Statistik führen. In Deutschland kommt das Google-Betriebssystem auf einem Marktanteil von etwa 70 Prozent. Aber anders als im März 2020, als die Gründer Paul Davison and Rohan Seth die App in den USA für Apple-Smartphones herausbrachten, sieht sich das Mutter-Start-up Alpha Exploration Co. nunmehr hochkarätiger Konkurrenz gegenüber.

Twitter etwa lancierte vor kurzem in "Spaces" eine Funktion, die es Nutzern mit mehr als 600 Followern erlaubt, eigene Talkrunden zu erstellen. Bald sollen sie damit auch Geld verdienen können: Twitter arbeitet an der Möglichkeit, Tickets für einzelne Sessions zu verkaufen und schafft damit Anreize für Nutzer, denen viele andere folgen. Andere Social-Media-Schwergewichte ziehen nach: Facebook, in der Branche berüchtigt für das Kopieren von Ideen, hat einen eigenen Clubhouse-Klon entwickelt. "Hotline" befindet sich derzeit in der Testphase.

Der Vorteil von Twitter und Facebook gegenüber Clubhouse: Sie besitzen bereits eine gigantische Nutzerbasis. "Die entscheidende Frage ist immer: Warum sollen Nutzer die Plattform wechseln," sagt Stephan Schreyer, Berater für digitale Kommunikation. Die Liste derer, die ein Stück von dem Live-Audio-Kuchen abhaben wollen, ist lang. Auf ihr stehen neben Twitter und Facebook beispielsweise die Musikstreaming-Plattform Spotify oder das Business-Netzwerk Linkedin.

Die Investoren setzen auf Clubhouse

Investoren setzen allerdings weiter auf die App, die Medienberichten zufolge mit vier Milliarden US-Dollar bewertet wird. Eine Summe, die Twitter im April davon abgehalten haben soll, Clubhouse zu übernehmen. Investieren will der Clubhouse-Entwickler, das Start-up Alpha Exploration, angesichts der Konkurrenzsituation vor allem in die Qualität der Inhalte auf der Plattform.

Der US-amerikanische Markt steht dabei im Fokus. Dort ist die Popularität der App verhältnismäßig stabil geblieben, Tech-Größen wie Elon Musk sprechen regelmäßig. Jedoch deutet einiges darauf hin, dass sich Clubhouse langfristig vom Image einer Business-App lösen möchte: Beispielsweise soll eine Partnerschaft mit der Football-Liga NFL eine breitere Klientel anziehen. Gleiches gilt für das Unterhaltungsformat "NYU Girls Roasting Tech Guys", bei dem sich nerdige Tech-Typen als potenzielle Dating-Partner vorstellen - vor den kritischen Ohren acht junger Moderatorinnen. Mit einer Option zum Verteilen von Trinkgeld oder einem monatlichen Einkommen will Clubhouse beliebte Talker wie seine "NYU Girls" an die App binden. Viel Zeit bleibt den Clubhouse-Machern nicht mehr. Twitter und Co warten nicht.

© SZ
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