Club of Rome Viel erforscht, wenig erreicht

Pinguine in der Antarktis – erst vor Kurzem ist dort ein gewaltiges Stück Eis abgebrochen.

(Foto: Alexandre Meneghini/Reuters)

Bereits vor 50 Jahren warnte der Club of Rome vor den Grenzen des Wachstums und forderte einen Wandel der Wirtschaft. Damals wurden die Prognosen als Unsinn abgetan. Heute ist klar: Das war ein Fehler.

Von Silvia Liebrich

Automanager mit erklärtem Hang zum Umwelt- und Klimaschutz sind heute eine äußerst rare Spezies. Kaum vorstellbar, dass etwa VW-Chef Herbert Diess oder BMW-Top-Mann Harald Krüger in eine Organisation gründen, die einen grundlegenden Wandel der Weltwirtschaft fordert. Dennoch ist vor genau 50 Jahren dieser unwahrscheinliche Fall eingetreten. Damals ließ der italienische Automanager Aurelio Peccei 30 anerkannte Wissenschaftler nach Rom einfliegen, auf Rechnung der Fiat-Dynastie Agnelli. Ihr Arbeitsauftrag lautete ein zukunftsträchtiges "Modell der Welt" zu entwerfen.

Der Zirkel von Visionären gab sich den Namen Club of Rome und erreichte wenige Jahre später mit seinem Bericht "Die Grenzen des Wachstums" fast über Nacht weltweite Bekanntheit. Finanziell gefördert wurde er damals auch von der Volkswagenstiftung. Das 1972 erschienene Buch dazu verkaufte sich millionenfach. Die Analyse "zur Lage der Menschheit", markierte zugleich den Beginn einer kritischen Zukunfts- und Umweltforschung.

Fünf Jahrzehnte später befindet sich der Think Tank, dem hundert Forscher und Experten aus der ganzen Welt angehören, selbst im Umbruch. Erstmals in der Geschichte stehen zwei Frauen an der Spitze der Organisation: die südafrikanische Medizinerin und Menschenrechtlerin Mamphela Ramphele sowie die Belgierin Sandrine Dixson-Declève, eine Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin. Die neue Doppelspitze soll die schwerfällige Organisation, die bislang von älteren weißen Männern dominiert wurde, reformieren.

"Es ist ein wichtiges Signal, dass sich etwas ändert", sagt Uwe Schneidewind, Club-Mitglied und Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Der Club of Rome soll jünger, weiblicher und multikultureller werden - und so mehr Aufmerksamkeit erregen. Als treibende Kraft des Umbaus gilt der deutsche Naturwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker, bis Herbst Co-Präsident des Clubs. Auch dessen früherer Generalsekretär Graeme Maxton hält die Neuausrichtung für überfällig. Der Schotte geht hart mit dem Gremium ins Gericht: "Der Club hat nicht erreicht, was er erreichen sollte. Da arbeiten viele kluge Menschen daran, die Welt zu verändern, aber nach den 'Grenzen des Wachstums' haben sie nicht viel erreicht".

Tatsächlich warnte der Club of Rome bereits vor einem halben Jahrhundert vor einem zerstörerischen Klimawandel, der Verschwendung von Rohstoffen und dem Verlust der Artenvielfalt und mahnte einen grundlegenden Wandel an. In Politik und Wirtschaft stießen die Warnungen zum großen Teil auf heftigen Widerspruch. Die Lösungsvorschläge der Wissenschaftler galten als zu radikal und wurden einfach ignoriert. Kritiker taten die düsteren Zukunftsszenarien als Unsinn ab.

Am düsteren Tenor des Expertengremiums hat sich wenig geändert

Tatsächlich war die Warnung unmissverständlich: "Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht", heißt es in dem Bericht von 1972.

Eine Prognose, die sich inzwischen in den wesentlichen Punkten bewahrheitet hat, auch wenn Kritik an einzelnen Punkten der Analyse berechtigt war. So wurden etwa der technologische Fortschritt und eine effizientere Ressourcennutzung unterschätzt, auch gingen die Experten davon aus, dass keine nennenswerten Rohstoffvorkommen mehr entdeckt werden. Fehler wie diese wurden in folgenden Berichten korrigiert.

Der US-Amerikaner Dennis Meadows, einer der Hauptautoren des umstrittenen Berichts, erklärte vor einigen Jahren die ablehnende Haltung so: "Wir sind Gefangene des Systems." Maßhalten oder gar Schrumpfen sei in einem auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaftssystem nicht vorgesehen, stellte er resigniert fest. Ein grundlegendes Hindernis für ein Umdenken sah er auch darin, "dass sich kein Politiker traut, den Menschen die Wahrheit über unser Wirtschaftssystem zu sagen".

Am eher düsteren Tenor des Expertengremiums hat sich bis heute nichts geändert. Pünktlich zum Jubiläum hat es nun den 46. Bericht veröffentlicht . Darin heißt es, dass nur ein radikaler Wandel der Weltwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten Wohlstand und das Überleben der Menschheit sichern könne.

"Die meisten der ursprünglichen Schlussfolgerungen gelten noch immer", sagt der schwedische Resilienzforscher Johan Rockström, einer der Hauptautoren des neuen Berichts und Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. "Das ist zwar befriedigend für die Wissenschaft, nicht aber für die Gesellschaften", so Rockström.