Datenverlust:Wenn die Cloud ausfällt

Brand bei Internetdienstleister

Ein Rechenzentrum des Cloud-Dienstleisters OVH in Straßburg brannte fast völlig aus. Viele Daten sind für immer verloren.

(Foto: Patrick Hertzog/picture alliance/dpa/AFP)

Immer mehr Firmen nutzen Cloud-Anbieter. Aber was, wenn die Datenwolke zusammenbricht? Das Start-up Element verspricht eine Entschädigung - auf Stundenbasis.

Von Jonas Tauber, Berlin

Es war ein schwerer Schlag für den führenden europäischen Cloud-Anbieter OVH Groupe aus Robaix in Frankreich: Im vergangenen März brannte eines seiner Datencenter in Straßburg aus. Nach Medienberichten waren rund 3,6 Millionen Internetseiten zeitweise offline. Noch schlimmer: Weil bei OVH ein Back-up ein kostenpflichtiger Zusatzservice war, den nicht alle Nutzer gebucht hatten, ging ein Teil der Daten für immer verloren. Das war auch eine schlechte Nachricht für diejenigen, die für eine europäische Alternative zu den dominierenden Cloud-Anbietern aus den USA plädieren, weil sie um den Datenschutz fürchten.

Jetzt hat ein Start-up aus Berlin eine Versicherung für Firmen auf den deutschen Markt gebracht, die sich gegen das Risiko absichern wollen, dass ihr Cloud-Anbieter ausfällt. Der Digitalversicherer Element verspricht eine Entschädigung auf Stundenbasis, wenn die Cloud-Dienste schlappmachen. Dafür kooperiert die Gesellschaft mit dem ebenfalls noch jungen US-amerikanischen Spezialanbieter Parametrix, der die Deckung in den USA bereits verkauft.

Das Unternehmen hat ein Monitoring-System entwickelt, das einen Ausfall der Cloud-Systeme in einer bestimmten Region sehr schnell feststellen kann. Die Auszahlung der Entschädigung an den Kunden wird automatisch fällig, wenn ein solcher Ausfall den vereinbarten versicherten Mindestzeitraum überschreitet. Die zeitaufwendige Begutachtung des entstandenen Schadens entfällt also, Kunden sollen von einer besonders raschen Regulierung profitieren.

Cloud-Lösungen haben Konjunktur. Die Datenspeicherung in der "Datenwolke", also auf den Servern spezialisierter Dienstleister wie eben OVH, Amazon, Google, SAP oder Salesforce verspricht Unternehmen mehr Flexibilität im Vergleich zum eigenen Großrechner, weil sie über das Internet von fast überall Zugriff auf die Daten haben und auf Knopfdruck zusätzliches Volumen freischalten können.

Die Versicherungswirtschaft gilt bei der Digitalisierung eher als Nachzügler im Vergleich zu anderen Branchen. Das rächt sich in einer Zeit, in der die Kunden ihre Erwartungen in Sachen Geschwindigkeit und Service an den Big-Tech-Unternehmen ausrichten. Findige Gründer haben deshalb neue Unternehmen gestartet, die eine Versicherung in zeitgemäßer Form versprechen. Dazu gehört auch der Digitalversicherer Element, der im Umfeld der Berliner Firmen-Schmiede Finleap entstanden ist.

Im Vergleich zu traditionellen Versicherern verfolgt das Insurtech ein etwas anderes Geschäftsmodell: Es entwickelt Digitalversicherungen im Auftrag von Firmenkunden wie VW Financial Services oder Vodafone. Sie vertreiben die Policen dann an ihre Endkunden unter dem eigenen Namen, die Marke Element taucht nicht auf. Durch diesen White-Label-Ansatz spart sich Element einen eigenen kostspieligen Vertriebsapparat. Das gilt auch für die neue Cloud-Absicherung. Der Kooperationspartner Parametrix bietet sie direkt über seine Website an, außerdem ist der Vertrieb über Makler geplant, sagte ein Element-Sprecher.

Mit der Absicherung gegen finanzielle Schäden infolge eines Cloud-Ausfalls zielt Element insbesondere auf E-Commerce-Anbieter und Zahlungsdienstleister. Aber auch für Cloud-Anbieter selbst könne die Versicherung interessant sein, sagte der Sprecher. Zielgruppe seien sowohl kleine als auch große Unternehmen, die Versicherungssumme ist nach oben nicht gedeckelt. Das Insurtech kann sich dabei auch auf die Finanzstärke eines Rückversicherers verlassen, sagte er. Welcher das ist, wollte er nicht sagen. In der Vergangenheit hatte Element unter anderem auf die Zusammenarbeit mit der Talanx-Tochter Hannover Rück gesetzt.

Für Element ist es die erste internationale Zusammenarbeit, der Start der Cloud-Versicherung ist bereits für drei weitere europäische Länder geplant. Welche, teilt das Insurtech nicht mit.

Bei dem Angebot handelt es sich um eine sogenannte parametrische Deckung. Anders als sonst bei Versicherungen hängt die Leistung hier nicht von der konkreten Schadenhöhe ab. Stattdessen ist entscheidend, ob der vereinbarte Bezugswert zum Tragen kommt - hier der Ausfall eines Cloud-Dienstes über einen bestimmten Zeitraum. Die parametrische Cloud-Ausfallversicherung werde neue Standards im Markt setzen, ist Vorstand Eric Schuh überzeugt. Kunden können ihm zufolge von minimalen Wartezeiten, schnellen Auszahlungen und vollständiger Transparenz profitieren. Über solche Policen könnten Risiken versichert werden, die bislang als nicht versicherbar gelten.

© SZ
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