bedeckt München 13°

Cité du vin:Bijou von Bordeaux

Museum, Informationszentrum und Degustationsort: Das Cité du vin, entworfen vom Büro X-TU.

(Foto: Georges Gobet/AFP)

Besondere Bauwerke inspirieren Menschen. Gerade dieses Gebäude in Frankreich ruft verschiedene Assoziationen hervor. Es ist aber auch als Museum, Informationszentrum und Degustationsort vielseitig.

Visuell ist der Bau offen für freie Assoziationen. Die im Schwung erstarrte Bewegung des Weins im Glas? Eine monumentale Karaffe? Ein knorriger Rebstock? Stolz sind die Architekten Anouk Legendre und Nicolas Desmazières vom Pariser Büro X-TU bei ihrer im Mai 2016 eingeweihten Cité du Vin in Bordeaux vor allem darauf, dass das Gebäude innen wie außen dieselbe Form zeigt. Der aus einer horizontalen Schlaufe auf 55 Meter sich emporschwingende Raumkörper hält die äußere Rundform auch innen über zehn Etagen hin durch, in den Ausstellungsräumen und Ladenlokalen, dem Lese- und dem Veranstaltungssaal, in der Weinbar und im Restaurant, bis zum Belvedere ganz oben mit Blick über die Stadt. Dem Gebäude unmittelbar zu Füßen liegt der ehemalige Grand Port Maritime von Bordeaux, etwas weiter weg erstrecken sie die Rebhänge längs der Garonne.

Genau 574 unterschiedlich gekrümmte Holzbögen bilden das Skelett des Baus. Verkleidet mit gut dreitausend verschieden geschnittenen Glas- und Aluplatten in blassem Goldgelb. 70 Prozent des Energiebedarfs, heißt es, würden ökologisch und lokal produziert. Bau und Einrichtung haben 49 Millionen Euro gekostet, das Projekt insgesamt 81 Millionen. Die neue Institution ist eine Mischung aus Museum, Informationszentrum und Degustationsort. Sie führt über Schautafeln, Bildschirme und Exponate verschiedene Aspekte der Weinkultur vor. Getragen wird sie von der gemeinnützigen Fondation pour la culture et les civilisations du vin. Die Stadt Bordeaux hat mit dem Werk ein Bijou für ihr neues Quartier Bassins à flot im Norden und ein zusätzliches Wahrzeichen für ihr Image. Eines, das der Stadt teuer zu stehen kam. Wegen ungenau formulierten Vertragsbestimmungen mit den Architekten musste sie diesen nachträglich nochmals fast eine halbe Million für die Bildnutzungsrechte des Gebäudes hinblättern.

© SZ vom 13.01.2017

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite