Christine Lagarde:Retterin in der Not

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Christine Lagarde: Christine Lagarde war Wirtschafts- und Finanzministerin in Frankreich und Chefin des IWF, im November 2019 wurde sie EZB-Präsidentin.

Christine Lagarde war Wirtschafts- und Finanzministerin in Frankreich und Chefin des IWF, im November 2019 wurde sie EZB-Präsidentin.

(Foto: oh)

Auf Christine Lagarde kommt es in dieser Corona-Krise an: Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank muss die Wirtschaft vor einer Rezession bewahren.

Von Markus Zydra

Wenn Regierungen, Konzerne und Banken nicht mehr weiterwissen, dann erschallt der Ruf nach der Europäischen Zentralbank (EZB). Christine Lagarde, 65, durfte sich in ihrer 14 Monate langen Amtszeit an diesen Automatismus gewöhnen. Mit Beginn der Corona-Krise im März 2020, dem folgenden wirtschaftlichen Lockdown und den Turbulenzen an den Finanzmärkten legten Lagarde und ihre Kollegen im EZB-Rat flugs ein billionenschweres Rettungsprogramm auf, was für Ruhe an den Börsen sorgte. Lagarde wird auch dieses Jahr immer wieder retten müssen.

Doch die frühere Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) fremdelt ein wenig mit der Geldpolitik. In den Pressekonferenzen wirkt sie mitunter verunsichert. Die Sätze kommen ihr nicht mehr so leicht über die Lippen, seitdem sie durch allzu pointierte Aussagen für Unruhe an den Börsen gesorgt hatte. So entstand einmal der Eindruck, sie wolle Mario Draghis "Whatever it takes"-Versprechen zumindest für Italien aufweichen. Lagarde ruderte zurück und klebt seitdem bei Fachfragen an den schriftlichen Protokollen.

Warum auch nicht? Denn in anderen Bereichen wirkt Lagarde sehr beredet, sehr konzis und überzeugend. Eine "grüne" Geldpolitik für mehr Klimaschutz? Lagarde treibt das Thema eisern voran. Mit der EU-Kommission und den EU-Regierungschefs auf Augenhöhe verhandeln? Kein Problem für die ehemalige französische Finanzministerin. Ihre Kommunikationsfähigkeit unterscheidet Lagarde von ihrem Vorgänger Draghi, der stets den smarten Experten exklusiv für die Geldpolitik gab. Lagarde möchte die EZB öffnen für die Gesellschaft, der die große Macht der EZB in Teilen suspekt erscheint.

Lagarde begann ihre Karriere bei der US-amerikanischen Anwaltskanzlei Baker McKenzie. Die Mutter zweier erwachsener Söhne kam als Finanzministerin in die Negativschlagzeilen, weil sie mit Steuergeldern eine 400 Millionen Euro hohe Entschädigung für den Unternehmer Bernard Tapie genehmigt hatte. Ein Sondergericht verurteilte sie deshalb 2016 wegen Fahrlässigkeit. Der Modezeitschrift Elle gab die Juristin mal ein humorvolles Interview, in dem sie berichtet, wie sie sich in endlosen Sitzungen in ihren Stuhl zurücklehnt, ihren Rücken gerade zieht und durch fokussierte Kontraktion ihren Gesäßmuskel trainiert. Das wird sie auch 2021 brauchen.

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