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Christian Lindner im Video:"Wir haben unsere Briefe ja nicht mit Wachsmalkreide geschrieben"

Und dass Sie beide noch Schüler waren, hat Ihre Kunden nicht gestört?

Wir haben unsere Briefe ja nicht mit Wachsmalkreide geschrieben, sondern seriös. Hinzu kam, dass schon früh ein Bericht im Magazin der Industrie- und Handelskammer erschien. Das half uns sehr. Wir hatten dann vor allem Kunden im Bergischen Land und dem Kölner Umland.

Was konnten Sie denen bieten?

Unsere Ansprechpartner suchten ganz gezielt nach frischem Wind. Heute würde man vielleicht von "Out-of-the-Box-Denken" oder sogar "Disruption" sprechen.

Lindner sagt in dem Beitrag, dass Ihre Kompetenz "nicht akademisch domestiziert" gewesen sei. Was heißt das?

Wir haben einfach kreativ und quer gedacht, ohne vorher die in Studienplänen vorgesehenen Modelle erlernt zu haben. Wir konnten viele Projekte für unsere damaligen Kunden realisieren, die aus klassischen Beratungen vielleicht gar nicht vorgeschlagen worden wären.

Was zum Beispiel?

Wir haben in Leverkusen eine der ersten Hybridfilialen Deutschlands initiiert, eine Mischung aus Bank, Handyladen und Café. Oder wir haben auf Weihnachtsmärkten Osterhasen für Guerilla-Marketing-Kampagnen eingesetzt.

In dem Video fallen Sätze wie "Probleme sind nur dornige Chancen". Kamen die aus einem Handbuch für Jungunternehmer?

Christian ist sprachlich sehr begabt, das dürfte in den letzten Jahren ja schon deutlich geworden sein. Hinzu kam, dass er sich sehr für die Geschichte der Philosophie interessierte und durch die entsprechende Literatur schon damals einen bemerkenswerten Ideen- und Vokabelschatz aufgebaut hatte.

Was haben Sie damals verdient?

Ich kann mich nicht an die genaue Zahlen erinnern. Es war allerdings genug, um anschließend mit den Gewinnen in zwei weitere Gründungen zu investieren, die ich mit Christian hatte.

Was waren das für Ideen?

Wir haben uns mit einer Art Strombörse beschäftigt. Das ging allerdings nicht über eine Machbarkeitsstudie hinaus. Es schien uns seinerzeit wirtschaftlich nicht attraktiv genug. Auch haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wie Maschinensysteme einfacher durch Menschen gesteuert werden könnten. Mit der Firma Moomax hatten wir die Idee, Softwareprogramme zu entwickeln, mit denen Menschen einfach sprechen könnten, um etwa ein Taxi oder eine Pizza zu bestellen. Heute kennen wir das als "Siri", "Cortana", "Google Assistant" oder "Alexa". Wir waren 20 Jahre zu früh dran.

Für Moomax lieh Ihnen jemand einen Millionenbetrag. Wer war das?

Eine deutsche Investmentgesellschaft, die sich auf Risikokapitalvergabe spezialisiert hatte. Die hat dann erlebt, was bis heute auf dem Markt solcher Investitionen gilt: Nur eine von zehn Investitionen zahlt sich aus. Unsere Geschäftsidee fand ihren Markt damals nicht. Heute verdienen Apple, Microsoft und Co. sehr gut an solchen Systemen.

Und was machen Sie heute?

Ich bin Gesellschafter und Geschäftsführer der Firma Gannaca in Köln. Mit meinen Kollegen und Partnern erforschen wir die sogenannte Digitale Transformation und beraten Organisationen dazu.

Haben Sie noch Kontakt mit Herrn Lindner?

Wir pflegen unsere Freundschaft regelmäßig.

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