bedeckt München 17°

Christian Lacroix:Steiler Aufstieg, rapides Ende

Die Pariser Luxusindustrie hat ihr erstes prominentes Opfer: Das Modehaus Christian Lacroix ist nach mehr als 20 Jahren pleite.

Anfang Mai hatte Christian Lacroix, 58, noch mal einen großen Auftritt - bei der Trauung von Erbprinz Jean d'Orléans und Philomena de Tornos y Steinhart. Nicht der Modemacher selbst natürlich, aber eines seiner Werke: Die Braut schritt in einem Kleid aus Seidenchiffon und Spitze mit einem zehn Meter langen Schleier durch die Kathedrale von Senlis im Norden von Paris. "Ein Traum von Haute Couture", jubelten die Klatschblätter anschließend. Jetzt ist der Traum aus, das Pariser Modehaus ist pleite.

Lacroix Insolvenz, AP

Haute Couture verkauft sich in der Krise schlecht, auch wenn sie von Top-Designer Christian Lacroix stammt. Das Pariser Modehaus ist insolvent.

(Foto: Foto: AP)

Gewinn hat es in den 22 Jahren seiner Existenz nie gemacht. Die Wirtschaftskrise hat Lacroix nun den Rest gegeben. Es bleibe nur der Gang zum Insolvenzverwalter, teilte Geschäftsführer Nicolas Topiol am Donnerstag mit - falls sich nicht doch noch ein neuer Investor findet. Doch danach suchen die Eigentümer, die Falic-Brüder aus den USA, seit mehr als einem Jahr vergeblich. Gerüchteweise führen sie seit April Gespräche mit einem unbekannten Interessenten.

Vermögensschwund der Superreichen

Die drei Brüder aus Hollywood hatten das Unternehmen Christian Lacroix erst vor vier Jahren von dem französischen Luxus-Baron Bernard Arnault übernommen. Der reichste Mann Frankreichs war derjenige, der die Marke Christian Lacroix aufbaute, dann aber war er die ständigen roten Zahlen leid. 2008 türmte sich der Verlust auf immerhin zehn Millionen Euro, bei einem Umsatz von 30 Millionen Euro. Anfang dieses Jahres brach noch der Verkauf der Sommermode-Kollektion um ein Drittel ein. Christian Lacroix ist so zur ersten Luxus-Marke der Pariser Modewelt geworden, die dem Vermögensschwund der Superreichen zum Opfer fällt.

Ein Kleid von Christian Lacroix kann immerhin leicht 80.000 Euro kosten. Aber was heißt schon Kleid? "Seine Roben sind Kulturgüter", sagt Kerstin Schneider, Mode-Chefin der deutschen Ausgabe der Zeitschrift Elle: "Christian Lacroix ist einer der letzten Designer, die noch echte Haute Couture machen." Haute Couture, das heißt: maßgeschneiderte, phantasievolle Kreationen und Handwerkskunst, also keine Stangenware.

Herkömmlichere Mode entwirft Lacroix aber auch. Dafür hat er seine eigene Firma XCLX gegründet, die vom drohenden Insolvenzverfahren verschont ist. Sie stellt Uniformen zum Beispiel für die Air-France-Besatzung her oder gestaltet Zimmer von Hotels, wahlweise auch Abteile von französischen Hochgeschwindigkeitszügen. Beim Haute-Couture-Designer Lacroix ist Mode hingegen immer ein fast bis zur Persiflage übertriebenes Fest aus aufgebauschten Ballonröcken, überdimensionalen Hüten und Schnürschuhen aus einem anderen Jahrhundert.

Niemals mit der U-Bahn zur Arbeit

Anfangs stieß der Modeschöpfer damit auf Skepsis, bis ihn viele nachahmten, und Lacroix so schnell wie kaum einer vor ihm zum Trendsetter in der Szene wurde. Nun kommt der Fall ebenso rapide. Manche werfen ihm vor, er habe sich von der Wirklichkeit entfernt. So sagt Christophe Lemaire, Chefdesigner bei Lacoste, beispielsweise über seinen ehemaligen Arbeitgeber: "Er macht sehr gute Haute Couture, würde aber niemals mit der U-Bahn zur Arbeit fahren."

Und Elle-Mode-Chefin Schneider meint: "Ich finde das sehr, sehr schade. Aber es ist vielleicht eine aussterbende Art von Mode." Die Zielgruppe für seine Damen-Kostüme aus Schleifen, Puffärmel und Brokatstoffe sei eher klein. Tatsächlich ist ein Markenzeichen von Lacroix, sich von historischen Vorbildern inspirieren zu lassen, was aufgrund seiner Vita nicht verwundert.

Eigentlich wollte er Museumskurator werden und schrieb seine Doktorarbeit über die Kleidung in Gemälden des 17.Jahrhunderts. Dann begegnete er Francoise Rosensthiel, "der Frau seines Lebens", die damals für die Luxusmarke Hermès arbeitete und ihren späteren Mann darin bestärkte, Modedesigner zu werden. Was nun auch kommt: Kleider wird Lacroix weiterhin entwerfen und die Brüder Falic werden versuchen, die Marke zu retten. Die nächsten Defilees werden aber wohl ohne die Kostüme von Lacroix stattfinden.