Chipmangel:Kleine Teile, große Wirkung

Domestically-made 77GHz Millimeter-wave Automotive Radar Chip Launched In Hefei

Forschung in China an neu entwickelten Chips, die in Autos verbaut werden. Sie sind notwendig, damit moderne Technik funktioniert.

(Foto: Getty Images)

Die Chip-Krise ist noch nicht ausgestanden.

Es sind winzige Bauteile, kleiner als ein Fingernagel. Sie kosten auch nicht viel. Und doch machen sie gerade vielen Unternehmen Kopfzerbrechen: Chips stecken heute in fast jedem Gerät, das mit Strom betrieben wird, moderne Autos funktionieren ohne die kleinen Silizium-Bauteile nicht. Gerade die Autobranche leidet derzeit besonders unter dem Mangel an Chips.

"Das wird in den kommenden Monaten sicher ein Thema bleiben", sagte VW-China-Chef Stephan Wöllenstein der dpa. "Wir haben jetzt nicht mehr in dem Umfang wie im ersten Quartal die Chance, die benötigten Fahrzeuge noch aus unseren Festlagerbeständen abzupuffern", sagte der Manager. "Die Fahrzeuge gehen nun von den Fabriken im Prinzip direkt an den Handel." Ähnlich ergeht es auch den Konkurrenten BMW, Daimler und anderen aus der Branche.

Während VWs China-Statthalter damit rechnet, dass sich die Lage in China in der zweiten Jahreshälfte entspannen könnte, ist sein Chef Herbert Diess deutlich weniger optimistisch, was die übrigen Märkte anbelangt. Während der Hauptversammlung am Donnerstag deutete er an, dass das Schlimmste erst noch bevorstehe. "Die Auswirkungen der Halbleiter-Engpässe werden sich eher im zweiten Halbjahr bemerkbar machen", warnte er die Aktionäre schon einmal vor. Dabei hat sein Unternehmen wegen des Chip-Mangels schon jetzt Hunderttausende Fahrzeuge nicht ausliefern können.

Die Autobranche ist dabei in einer besonders schwierigen Lage: Die ganze Welt braucht Chips, verglichen mit Abnehmern wie Apple nehmen die Autohersteller aber nur einen Bruchteil an Chips ab. Diese müssen dazu die hohen Anforderungen der Autobranche erfüllen, also nicht gleich den Geist aufgeben, wenn es mal warm oder kalt ist. Mit anderen Worten: Für die Chiphersteller sind sie kein attraktiver Kunde.

Ein weiteres Problem: Die Chiphersteller haben zwar längst erkannt, dass die Nachfrage stark angestiegen ist. Doch um sie zu befriedigen, müssen Produktionskapazitäten erweitert werden. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Die hoch spezialisierten Maschinen, die man dafür braucht, stellen weltweit nur wenige Unternehmen her, der Aufbau einer neuen Fab, wie die Insider die Chip-Fabriken nennen, dauert Jahre.

Auch Pat Gelsinger, Chef des größten Chip-Konzerns der Welt Intel, sagt daher zunächst noch weitere Knappheit auf dem Chip-Markt vorher: "Während ich erwarte, dass die Talsohle bei den Engpässen in der zweiten Jahreshälfte durchschritten wird, wird es noch ein oder zwei Jahre dauern, bis die Industrie die Nachfrage vollständig erfüllen kann."

© SZ vom 24.07.2021
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