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Weltwirtschaftsforum:Xi: "Aus einem Handelskrieg wird keiner als Gewinner hervorgehen"

Chinas Staatschef Xi Jinping sprach zur offiziellen Eröffnung des Weltwirtschaftsforum in Davos.

(Foto: AFP)
  • Der chinesische Staatschef Xi Jinping hielt beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine Rede, die viele erstaunte.
  • Darin lobte er den freien Welthandel und warnte vor Protektionismus.

Chinas Präsident Xi Jinping ist der wichtigste Staatschef, der in diesem Jahr auf dem Weltwirtschaftsforum in der Schweiz spricht. Und er erzählt dem Publikum, was viele hören wollen: Der freie Handel sei eine gute Sache. "Sagt Nein zu Protektionismus", sagte Xi. "Protektionismus zu verfolgen ist wie sich in einem dunklen Raum einzuschließen. Zwar bleiben Wind und Regen draußen vor der Tür, aber auch Licht und Luft", sagte er. "Aus einem Handelskrieg wird keiner als Gewinner hervorgehen." Das gibt Beifall.

Xi ist zum ersten Mal in Davos. Er hat sich zwar schon in früheren Reden für eine "freie Weltwirtschaft" ausgesprochen. Damals klang das aber ein bisschen technokratisch. Xis Rede in Davos dagegen ist eine Liebeserklärung an den Freihandel - auch wenn China selbst zunehmend auf protektionistische Politik setzt. Xi zitiert für das westliche Publikum Charles Dickens, um zu sagen, dass die Weltlage kompliziert ist. Er zitiert den Gründer des Roten Kreuzes, Henry Dunant: "Der Feind ist nicht unser Nachbar. Der Feind ist Hunger, Armut, Ignoranz, Aberglaube und Vorurteile."

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Xi spricht nicht von Globalisierung, sondern von "wirtschaftlicher Globalisierung". So schafft er es, in seiner Rede auch die Kommunistische Partei Chinas zu loben, die das Land autoritär regiert und zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Erde gemacht hat. Die wirtschaftliche Globalisierung dürfe nicht verantwortlich gemacht werden für Flüchtlinge, Terror, Armut und die wachsende Ungleichheit. Zwar habe sie auch ihre Nachteile, aber deswegen dürfe sie nicht verdammt werden. Andersherum dürfe aber auch niemand sagen, Freihandel sei perfekt. "Nichts auf der Welt ist perfekt", sagt Xi.

Wenn es einen Maßstab für Davos-Reden gibt, erreicht Xi eine hohe Punktzahl. Er mischt kluge Gedanken, Oberflächigkeiten und Zitate zu einer Rede, die manche Beobachter inspirierend finden oder zumindest interessant. Einige Besucher schauen sich nach der Rede an - und müssen sich halbernst erinnern, dass hier gerade nicht der amerikanische Präsident gesprochen hat, der leader of the free world, sondern der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas. Die britische Financial Times verschickt nach der Rede eine Eilmeldung: "Xi verteidigt vehement Globalisierung".

Die Realität in China sieht anders aus

Der deutsche Botschafter in China, Michael Clauß, hat kurz vor Xis Rede auf den chinesischen Protektionismus hingewiesen, in diplomatischen Worten auf der Homepage der Botschaft. "Wir brauchen starke politische Signale", schrieb er, "aber vor allem glaubwürdiges Handeln." Dann zählt er Chinas Defizite auf: Wer Geschäfte in China machen wolle, müsse häufig geheime Technologien verraten. Neue Regeln für Elektroautos seien so belastend, dass deutsche Investitionen in China nicht mehr wachsen könnten - zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Ausländischen Lebensmittelfirmen werde der Export massiv erschwert, das betreffe beispielsweise das eigentlich beliebte Milchpulver aus Europa.

In Davos klingt das bei Xi natürlich anders. Er bekennt sich ausdrücklich zu "gleichen Wettbewerbsbedingungen", was den vom Botschafter aufgezählten Problemen widersprechen würde. "Die Weltwirtschaft ist ein Ozean, ob Sie das mögen oder nicht", sagt er. China müsse darin schwimmen. Wer Angst habe, ertrinke. Sich am Welthandel zu beteiligen, sei ein mutiger Schritt für das Land gewesen. "Wir haben unseren gerechten Anteil an Wasser geschluckt. Aber wir haben schwimmen gelernt."

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