Erholung nach Corona:Chinas Handel boomt

Die Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind im Juni um mehr als 30 Prozent gewachsen. Für das zweite Halbjahr erwarten die chinesischen Behörden jedoch eine Normalisierung.

Chinas Außenhandel ist im Juni erneut deutlich gewachsen. Wie die Zollbehörde am Dienstag mitteilte, legten die Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft im Vorjahresvergleich um 32,2 Prozent auf rund 281 Milliarden Dollar (237 Milliarden Euro) zu. Die Importe stiegen sogar um 36,7 Prozent auf rund 230 Milliarden Dollar. Beide Zuwachsraten lagen über den Erwartungen von Fachleuten. Von der Nachrichtenagentur Reuters zuvor befragte Ökonomen waren lediglich von einem Zuwachs in Höhe von 23,1 Prozent ausgegangen.

China hat die Corona-Pandemie schon lange überwunden, weshalb der Handel wieder boomt. Die Wirtschaft wuchs in den ersten drei Monaten um 18,3 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres. Die Wachstumszahlen für das zweite Quartal werden an diesem Donnerstag erwartet. Die Weltbank schätzt, dass die chinesische Wirtschaft im Gesamtjahr um 8,1 Prozent zulegen könnte. Die chinesische Regierung ist vorsichtiger und legte ihr offizielles Wachstumsziel beim Volkskongress im März auf einen Wert von "über sechs Prozent" fest.

Die Führung in Peking verfolgt eine "Null-Covid-Strategie". Mit Ausgangssperren, Massentests, Kontaktverfolgung, Quarantäne und strengen Einreisebeschränkungen hat das Land das Coronavirus weitgehend im Griff. Seit dem vergangenen Sommer hat es nur noch wenige, kleinere Ausbrüche gegeben, sodass sich die Wirtschaft und das Alltagsleben normalisieren konnten. Auch deutsche Unternehmen profitierten im Juni weiter von der hohen Nachfrage aus der Volksrepublik. Der Pekinger Zollbehörde zufolge stiegen die deutschen Ausfuhren nach China im Vorjahresvergleich um 28,6 Prozent. Chinas Exporte nach Deutschland legten um 26,9 Prozent zu. Und das, obwohl ein Frachterstau im Hafen der südchinesischen Metropole Shenzhen in den vergangenen Wochen vielen deutschen Exporteuren Kopfzerbrechen bereitet hatte.

Europäische Firmen profitieren

Die Ausfuhren aus der EU nach China stiegen gar um 34,1 Prozent. Europäische Firmen hatten sich zuletzt immer optimistischer über ihre Wachstumsaussichten in China geäußert. Laut einer im Juni veröffentlichten Umfrage der EU-Handelskammer profitierten die Firmen davon, dass China schneller als andere Weltregionen die Pandemie überwinden konnte und die Wirtschaft bereits im vergangenen Jahr wieder Fahrt aufnahm.

Im gesamten ersten Halbjahr 2021 stiegen Chinas Exporte gegenüber dem Vorjahr um 38,6 Prozent auf 1,52 Billionen Dollar, während die Importe im gleichen Zeitraum um 36,0 Prozent auf 1,27 Billionen Dollar wuchsen. Der Handelsüberschuss Chinas belief sich im ersten Halbjahr auf 251,52 Milliarden Dollar.

Laut den Zollbehörden könnte sich das Bild in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas eintrüben, wenn die Delta-Variante des Coronavirus sich weiter um die Welt verbreiten und neue Eindämmungsmaßnahmen erforderlich machen sollte. Der Sprecher der Zollbehörde, Li Kuiwen, geht davon aus, dass sich das Wachstum des Außenhandelsgeschäfts im zweiten Halbjahr auf allerdings weiterhin hohem Niveau abschwächen wird.

© SZ/gie/SZ
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