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China:"Wir haben keine Angst"

Von links nach rechts: David Wang von Huawei, Sami Atiya von ABB, Holger Engelmann von Webasto, Stefan Schaible von Roland Berger.

(Foto: Stephan Rumpf)

China ist ein wichtiger Markt - wie verhindert man, dass zu viel Know-how abfließt?

Die Hilfe kam von unerwarteter Seite: Frank Rieger, Hacker und Sprecher des Chaos-Computer-Clubs, hält die Diskussion um den chinesischen Telekommunikationsanbieter Huawei für einen "amerikanisierten Hype". Das würde David Wang, der Deutschland-Vize des Unternehmens, so nicht sagen. Er versucht stattdessen, die Bedenken gegenüber dem Konzern aus Shenzhen beim Aufbau des 5-G-Netzes zu zerstreuen. "Deutschland ist sehr willkommen in China", so Wang, "wir lieben Ihren Fußball, Ihr Bier und Ihre Autos."

Aber da gebe es doch Gesetze in China, die Unternehmen dazu verpflichten, Daten herauszugeben? "Das ist ein Missverständnis", sagt er, "Firmen im Ausland sind davon nicht betroffen." Doch weil er weiß, dass das nicht völlig überzeugt, schiebt Wang nach: "Wir sind ein Zulieferer, wir betreiben die Infrastruktur nicht, wir haben keinen Zugang dazu." Wangs Fazit: Vor Huawei müsse niemand Angst haben. Das schon deshalb nicht, weil die Firma den Mitarbeitern gehöre. Und die hätten gar kein Interesse daran, ihr Geschäft wegen Spionagevorwürfen zu gefährden.

Zugang, das ist ein Stichwort, das im Zusammenhang mit ausländischen Firmen in China oft fällt, denn das Land erlaubte es ihnen meist nicht, eigene Dependancen aufzubauen. Stattdessen mussten sie Joint Ventures mit einheimischen Firmen schließen. Doch das gilt nicht mehr für alle, wie die Beispiele ABB und Webasto zeigen.

ABB etwa baut in der Nähe von Shanghai gerade "die modernste Fabrik der Welt, in der Roboter Roboter bauen", sagt Sami Atiya, der bei dem Siemens-Konkurrenten die Robotiksparte leitet. ABB, sagt er, werde in China eher als chinesischer Partner gesehen, der globale Wurzeln hat.

Auch der Automobilzulieferer Webasto mache in China gute Erfahrungen, sagt Firmenchef Holger Engelmann. Webasto, früher bekannt für Schiebedächer und Standheizungen, setzt inzwischen stark auf Elektromobilität. Und: "Wir sind der größte Anbieter, obwohl das im Land höchste Priorität hat." Bisher habe man alle Genehmigungen erhalten, man werde nicht behindert, im Gegenteil unterstützten die Behörden seine Firma sogar. Und auch Umweltbelange würden durchaus abgewogen.

Die Volksrepublik steht unter einem gewaltigen Innovationsdruck

Aber fließt dann nicht das ganze Wissen der europäischen Konzerne irgendwann nach China ab? Nicht dann, sagt Sami Atiya von ABB, wenn Europa weiter innovativ bleibe. "Es geht um einen Zeitvorsprung von ein bis zwei Jahren." Wenn man das halten könne, müsse man sich keine Sorgen machen. Zudem, haben die europäischen Firmen überhaupt eine Alternative? Nein, glaubt Stefan Schaible, Managing Director beim Beratungsunternehmen Roland Berger: "Die Frage stellt sich gar nicht. China ist eine Wirtschaftsmacht, damit muss man umgehen." Das Land stehe unter einem gewaltigen Innovationsdruck, denn die Menschen seien nicht länger bereit, aus Liebe zur Führung stillzuhalten. Möglichst viele wollten vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren.

Für Firmen wie ABB ist China ein wichtiger, meist sogar der wichtigste Markt. 40 Prozent aller weltweit produzierten Roboter würden nach China geliefert, sagt ABB-Mann Atiya. Jeder Trainee bei ABB muss deshalb auch mindestens zwei Monate seiner Ausbildungszeit in China verbringen. "Wenn man dort mal gelebt hat", sagt Atiya, "ist es nicht mehr so beängstigend". Auch für Webasto ist China der größte Markt. "Wir haben keine Angst", sagt Holger Engelmann, "wir sehen Chancen." Schon seit 2001 ist das Unternehmen in China vertreten, seither wurde der "Footprint", wie Engelmann das nennt, ausgebaut. Er weiß allerdings auch: "Wir müssen Gas geben", fordert er, "wir können uns nicht darüber beklagen, dass sich die Chinesen auch weiterentwickeln." Die deutschen Unternehmen müssten schneller und innovativer sein.

Die politische Lage ist mit all den Aussagen nicht gemeint. Das sei eine andere Frage. Was man aber trotzdem voneinander lernen könne: Er sei zwar kein Anhänger der Planwirtschaft, sagt Berger-Mann Schaible. Manchmal aber bräuchte Europa einen klareren Plan, wo es technologisch hingehen soll.